{"id":77877,"date":"2026-08-02T07:56:10","date_gmt":"2026-08-02T07:56:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/77877\/"},"modified":"2026-08-02T07:56:10","modified_gmt":"2026-08-02T07:56:10","slug":"ki-gesetz-der-eu-was-ab-august-2026-gilt-und-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/77877\/","title":{"rendered":"KI-Gesetz der EU: Was ab August 2026 gilt und was nicht"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Symbolbild zum EU IA Act: ein Smartphone mit der Aufschrift &quot;EU Artificial Intelligence Act&quot; vor einer Platine mit der Aufschrift &quot;AI&quot;.\" alt=\"Symbolbild zum EU IA Act: ein Smartphone mit der Aufschrift &quot;EU Artificial Intelligence Act&quot; vor einer Platine mit der Aufschrift &quot;AI&quot;.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/eu-ai-act-symbolbild-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Mit dem Artificial Intelligence Act will die EU mit einem weltweit einzigartigen Regelwerk K\u00fcnstliche Intelligenz regulieren. (picture alliance \/ ZUMAPRESS.com \/ Andre M. Chang)<\/p>\n<p>Mit dem EU AI Act wurde 2024 das weltweit erste Regelwerk zur Regulierung von K\u00fcnstlicher Intelligenz verabschiedet. Es soll vertrauensw\u00fcrdige und menschenzentrierte KI-Innovationen in Europa f\u00f6rdern und gleichzeitig Sicherheit und Demokratie sch\u00fctzen. Der AI Act regelt etwa das Verbot von \u201eSocial Scoring\u201d und Gesichtserkennung im \u00f6ffentlichen Raum sowie Transparenzpflichten von KI-Anbietern bei Quellen und Urheberrecht.\u00a0<\/p>\n<p>Nun sollten europaweit harte Vorschriften f\u00fcr gef\u00e4hrliche KI-Systeme in Kraft treten. Je gef\u00e4hrlicher die Anwendung einer KI f\u00fcr Menschen und Grundrechte, desto strenger die gesetzlichen Vorgaben. Doch die EU hat die Fristen durch ein Gesetzes-Update gelockert. Ist aus dem angek\u00fcndigten Meilenstein ein Papiertiger geworden?\u00a0<\/p>\n<p>Ab August 2026 m\u00fcssen gro\u00dfe KI-Anbieter wie Google, Meta oder OpenAI ihre KI-generierten Inhalte wie Texte, Bilder und Videos kennzeichnen &#8211; maschinenlesbar mit digitalen Wasserzeichen und Metadaten.\u00a0Bei Verst\u00f6\u00dfen drohen ab Dezember hohe Bu\u00dfgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Auch im Bereich der Kundenbetreuung m\u00fcssen KI-Anwendungen, egal ob im Chat oder am Telefon, mit einem entsprechenden Hinweis versehen werden. Wenn synthetische Stimmen oder Bild- und Content-Generatoren eingesetzt werden, sind diese ebenfalls anzuzeigen.\u00a0<\/p>\n<p>Ebenso m\u00fcssen Deepfakes, also ver\u00e4nderte Bilder, Audios und Videos, sichtbar oder h\u00f6rbar gekennzeichnet werden. Das gilt sowohl f\u00fcr politische Inhalte als auch f\u00fcr sexualisierte Deepfakes.<\/p>\n<p>Ab Dezember 2026 sind dann KI-Systeme, die intime Bilder von Menschen ohne deren Einwilligung erzeugen, in der EU verboten. Davon betroffen sind die sogenannten Nudify-Apps, die Menschen per Mausklick nackt oder sp\u00e4rlich bekleidet zeigen, sowie KI-Tools zur Erzeugung von Deepfake-Pornografie oder KI-generierten Kinderbildern mit sexuellen Anspielungen. <\/p>\n<p>Br\u00fcssel hat damit auf neue Bedrohungslagen reagiert, unter anderem auch mit Blick auf den Chatbot Grok von Elon Musks Firma SpaceXAI, die mit solchen Features Anfang 2026 f\u00fcr Wirbel und Protest gesorgt hat.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat urspr\u00fcnglich geplante Pflichten f\u00fcr Hochrisiko-KI verschoben. Die offizielle Begr\u00fcndung lautet, dass damit sowohl die EU als auch die Unternehmen mehr Zeit zur Umsetzung der neuen KI-Gesetze haben. Tats\u00e4chlich ist die Umsetzung der risikobasierten Auflagen f\u00fcr KI-Systeme in die Praxis komplizierter als gedacht. Die Verschiebung wird einerseits als Anpassung zur Entlastung der Wirtschaft, andererseits als kritische Verz\u00f6gerung bewertet.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Kritiker bef\u00fcrchten, dass davon vor allem Tech-Giganten profitieren, da sie ihnen Zeit verschafft, die geplanten Gesetze weiter auszuh\u00f6hlen. Denn die Industrie bem\u00e4ngelte die KI-Verordnung der EU von Anfang an als b\u00fcrokratisch und innovationsfeindlich. Im Juli 2025 forderten vierzig Manager europ\u00e4ischer Unternehmen in einem offenen Brief an EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen, die Umsetzung des KI-Gesetzes um zwei Jahre zu verschieben, um eine &#8222;vern\u00fcnftige Umsetzung&#8220; zu erm\u00f6glichen. \u00a0<\/p>\n<p>Neben der Verschiebung der Pflichten f\u00fcr Hochrisiko-KI hat die EU nun auch andere Bestandteile des AI Acts aufgeweicht. Sie hatte urspr\u00fcnglich vor, dass Unternehmen ihre Mitarbeitenden verpflichtend in KI schulen m\u00fcssen. Nach dem Gesetzes-Update hie\u00df es nur noch, dass das KI-Verst\u00e4ndnis gef\u00f6rdert werden m\u00fcsse. \u00a0<\/p>\n<p>Europa wollte Vorreiter werden bei der KI-Regulierung. Die Verschiebung der daf\u00fcr vorgesehenen Gesetze kostet wertvolle Zeit.\u00a0Prof. Dr. Daniel Gr\u00e4we, Experte f\u00fcr den EU AI Act, stellte im ARD-Europa-Podcast \u201epunktEU\u201d auch grunds\u00e4tzlich infrage, ob sich US-amerikanische Unternehmen durch die EU-KI-Verordnung \u00fcberhaupt beeinflussen lassen. Bisher floss laut Gr\u00e4we \u201equasi jede Bewegung in den gro\u00dfen Handelsstreit zwischen EU und USA\u201d mit ein.\u00a0<\/p>\n<p>Die KI-Verordnung trage aber dazu bei, dass sich Europa auf den Weg zur angestrebten Unabh\u00e4ngigkeit von Big Tech machen kann. Und von nun an drohen den Konzernen auf dem europ\u00e4ischen Markt bei Nichteinhaltung der Regeln Geldbu\u00dfen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes.\u00a0<\/p>\n<p>Die Verschiebung vieler geplanter Ma\u00dfnahmen verhindert tats\u00e4chlich ein b\u00fcrokratisches Chaos. Und da die Befugnisse des EU AI Office, der Durchsetzungsbeh\u00f6rde der Europ\u00e4ischen Kommission, und wichtige Schritte wie die Kennzeichnungspflicht planm\u00e4\u00dfig laufen, bleibt der AI Act das weltweit strikteste und einflussreichste Regelwerk f\u00fcr K\u00fcnstliche Intelligenz. \u201eVor dem Hintergrund der zunehmenden Desinformation durch KI ist es ein wichtiger Punkt, dass wir diese Transparenzpflichten jetzt scharf geschaltet haben\u201d, so Gr\u00e4we.\u00a0<\/p>\n<p>Online-Text: Philipp Jedicke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit dem Artificial Intelligence Act will die EU mit einem weltweit einzigartigen Regelwerk K\u00fcnstliche Intelligenz regulieren. 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