{"id":78162,"date":"2026-08-03T08:14:09","date_gmt":"2026-08-03T08:14:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/78162\/"},"modified":"2026-08-03T08:14:09","modified_gmt":"2026-08-03T08:14:09","slug":"grundlegender-wandel-im-automobilsektor-eu-recycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/78162\/","title":{"rendered":"Grundlegender Wandel im Automobilsektor? \u2013 EU-Recycling"},"content":{"rendered":"<p>Die EU-Altfahrzeugverordnung, die voraussichtlich noch vor Ende 2026 in Kraft treten wird, d\u00fcrfte massive Auswirkungen auf die globalen Lieferketten der Automobilindustrie haben. Dies wurde bei der Sitzung des Internationalen Umweltausschusses (IEC) w\u00e4hrend der BIR World Recy\u00adcling Convention im Juni in G\u00f6teborg deutlich.<\/p>\n<p>Julia Ettinger, Generalsekret\u00e4rin von Recycling Europe, best\u00e4tigte, dass eine endg\u00fcltige Einigung vorliegt und die neue Verordnung \u2013 vorbehaltlich der f\u00f6rmlichen Verabschiedung durch das Europ\u00e4ische Parlament und den Rat \u2013 voraussichtlich im vierten Quartal dieses Jahres in Kraft treten wird. Da es sich um eine Verordnung und nicht mehr wie bisher um eine Richtlinie handelt, \u201ehaben die Mitgliedstaaten keinen Spielraum f\u00fcr \u00c4nderungen\u201c, erkl\u00e4rte Ettinger den Delegierten in G\u00f6teborg.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Bestandteil der Verordnung sind Zielvorgaben f\u00fcr den Rezyklatanteil in Kunststoffen: 15 Prozent innerhalb von sechs Jahren und 25 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Dabei gilt eine Kreislaufvorgabe, wonach 20 Prozent dieses Materials aus Altfahrzeugen stammen m\u00fcssen. Zielvorgaben f\u00fcr Rezyklatanteile in anderen Rechtsvorschriften \u2013 etwa zu Einwegkunststoffen und Verpackungen \u2013 h\u00e4tten laut Ettinger bereits Erfolge gezeigt, \u201eund daher begr\u00fc\u00dfen wir es, dass sie nun auch in die ELV-Verordnung aufgenommen wurden\u201c.<\/p>\n<p>Eine weitere Bestimmung der Altfahrzeugverordnung sieht vor, dass die Europ\u00e4ische Kommission die Machbarkeit von Zielvorgaben f\u00fcr den Rezyklatanteil auch bei Stahl, Aluminium und kritischen Rohstoffen pr\u00fcft. Gleichzeitig werden die Hersteller aufgefordert, Angaben zum Rezyklatanteil in ihren Fahrzeugen zu machen. Zudem schreibt eine entsprechende Regelung vor, dass aus Nicht-EU-L\u00e4ndern stammende Kunststoffrezyklate nach Verfahren behandelt worden sein m\u00fcssen, die dem europ\u00e4ischen Standard gleichwertig sind; dies ist alle f\u00fcnf Jahre durch ein unabh\u00e4ngiges Audit der Anlagen nachzuweisen.<\/p>\n<p>\u201eEin wichtiger Schritt nach vorn\u201c<br \/>Angesichts der Tatsache, dass die neue Verordnung die manuelle Demontage bestimmter Teile von Altfahrzeugen f\u00fcr deren anschlie\u00dfende Aufarbeitung oder Wiederverwendung vorsieht, begr\u00fc\u00dfte Ettinger eine Klausel, die diese Demontagepflicht bei unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Kosten aufhebt. Um den Stellenwert der Wiederverwendung zu unterstreichen, fordert die Verordnung zudem eine Fahrzeugkonstruktion, die den einfachen Ausbau von Teilen erm\u00f6glicht. Ettinger zufolge erfordern unterdessen einige in der Verordnung festgelegte Behandlungsanforderungen \u2013 darunter die Sortierung von Aluminium in vier verschiedene Sorten \u2013 Investitionen von Recyclingunternehmen.<\/p>\n<p>Als positiv wertete die Gastrednerin die Entscheidung, Recyclingunternehmen \u2013 \u201ezum ersten Mal in der Geschichte auf europ\u00e4ischer Ebene\u201c \u2013 als Beobachter in die administrative Organisation f\u00fcr die Herstellerverantwortung (EPR) aufzunehmen. Ettinger vertrat die \u00dcberzeugung von Recycling Europe, dass Recyclingunternehmen ein Mitspracherecht bei der Verwaltung und Steuerung haben sollten, da sie vom System der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) profitierten: \u201eDies ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Er erm\u00f6glicht es uns, unsere Perspektive bei der Gestaltung und dem Betrieb des EPR-Systems einzubringen.\u201c BIR-Generaldirektor Arnaud Brunet f\u00fcgte hinzu, dass das globale Positionspapier der Weltrecyclingorganisation zu Systemen der erweiterten Herstellerverantwortung und der Einhaltung von Vorschriften \u201esehr deutlich gemacht hat, dass wir Recyclingunternehmen in die Steuerung der EPR einbeziehen wollten\u201c.<\/p>\n<p>Was in den USA zu beobachten ist<br \/>Robin Wiener, Pr\u00e4sidentin des US-amerikanischen Verbands f\u00fcr recycelte Materialien (ReMA), sprach von einem grundlegenden Wandel im Automobilsektor und seiner Lieferkette. Im Fokus stehen dabei Themen wie Kreislaufwirtschaft, Recyclinganteil, Demontage und Verwertung, R\u00fcckverfolgbarkeit und Materialr\u00fcckgewinnung. \u201eDieser Wandel wird ma\u00dfgeblich durch EU-Verordnungen vorangetrieben \u2013 angesichts der globalen Struktur der Lieferketten\u201c, erkl\u00e4rte Wiener.<\/p>\n<p>In den USA sind bereits Auswirkungen zu beobachten. In der Vergangenheit wurden dort Kunststoffe aus Autoschredderr\u00fcckst\u00e4nden (ASR) auf Deponien verbracht, weil deren Recycling als technologisch und wirtschaftlich unrentabel galt. \u201eWir glauben, dass es diesen Bedarf jetzt geben wird\u201c, zeigte sich Wiener zuversichtlich. \u201eDenn was wir von den EU-Automobilherstellern h\u00f6ren, ist, dass sie ein Problem darin sehen, nur vom EU-Markt ausreichend in der ben\u00f6tigten Menge und Qualit\u00e4t versorgt zu werden. Daher wird es eine wachsende Nachfrage nach Kunststoffen aus verschiedenen Quellen geben.\u201c Das Tempo der staatlichen und unternehmensbezogenen Forschung zur Kunststoffr\u00fcckgewinnung aus ASR, die sowohl chemisches als auch mechanisches Recycling umfasst, habe sich in den USA beschleunigt.<\/p>\n<p>Zur Forderung der Altfahrzeugverordnung, bestimmte Teile vor dem Recycling zu entfernen, warf Wiener die Frage auf, ob es dadurch f\u00fcr Demontagebetriebe einfacher wird, Teile mit wertvollem Material herauszunehmen und so die Wirtschaftlichkeit der Zerkleinerung zu ver\u00e4ndern. \u201eWir wissen es nicht, aber es ist etwas, wor\u00fcber wir nachdenken m\u00fcssen\u201c, verwies Wiener darauf, dass die Verifizierungsauflagen der neuen Verordnung eine gro\u00dfe Herausforderung darstellten. Es mache sie \u201enerv\u00f6s\u201c, dass andere L\u00e4nder dem Beispiel der EU folgen w\u00fcrden. In Mexiko etwa sei von einem Gesetz die Rede, das R\u00fcckverfolgbarkeits- und Recycling-Inhaltsanforderungen f\u00fcr Fahrzeuge vorsieht. \u201eWir brauchen eine intensivere Zusammenarbeit mit den Autoherstellern \u2013 das ist unglaublich wichtig\u201c, schloss Robin Wiener. \u201eWir brauchen es auf globaler Ebene, weil es sich um globale Fahrzeugplattformen handelt. Daher hoffe ich, dass wir unter der F\u00fchrung des BIR eine solche Diskussion f\u00fchren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Ungleiche Wettbewerbsbedingungen?<br \/>Im Mittelpunkt des IEC-Treffens in G\u00f6teborg standen die Auswirkungen einer gleitenden Skala f\u00fcr die Kennzeichnung von gr\u00fcnem Stahl. Das Bureau of International Recycling bekr\u00e4ftigte seine Position, dass die Maximierung des Anteils an recyceltem Stahl in allen Produktionsverfahren die unmittelbarste, wirtschaftlichste und skalierbarste L\u00f6sung f\u00fcr die Herstellung von gr\u00fcnem Stahl darstellt. Alexandra Vartan, Referentin f\u00fcr Handels- und Umweltpolitik, \u00e4u\u00dferte ihre \u201egro\u00dfe Besorgnis\u201c, dass die gleitende Skala ungleiche Wettbewerbsbedingungen schaffe und die Produktion auf Basis von recyceltem Stahl benachteilige.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz birgt die M\u00f6glichkeit, dass ein Elektrolichtbogenofen mit einem Recyclinganteil von circa 80 Prozent und ein Hochofen mit 20 Prozent Recyclinganteil trotz der deutlich geringeren Emissionen des Elektrolichtbogenofens die gleichen Vorteile im Rahmen der gr\u00fcnen Stahlklassifizierung erhalten k\u00f6nnten. Dies k\u00f6nne \u201edie Glaubw\u00fcrdigkeit der gr\u00fcnen Stahlkennzeichnung erheblich untergraben\u201c, argumentierte Vartan.<\/p>\n<p>Zuvor hatte Olivier Fran\u00e7ois, Vorsitzender der IEC und Pr\u00e4sident von Recycling Europe, die Debatte \u00fcber den Export von Aluminiumschrott nach Europa auf der Sitzung der BIR-Abteilung f\u00fcr Nichteisenmetalle in G\u00f6teborg weiter ausgef\u00fchrt. Dabei bemerkte er, dass EU-Kommissionsvizepr\u00e4sident St\u00e9phane S\u00e9journ\u00e9 im Dezember letzten Jahres auf einer Pressekonferenz in Br\u00fcssel erkl\u00e4rte, er wolle, dass recyceltes Aluminium in Europa bleibe, um den Preis zu senken. Eine solche Aussage sei \u201ekurzsichtig\u201c, so Fran\u00e7ois, und verkenne, dass niedrigere Preise die Durchf\u00fchrung der umweltrelevanten Arbeit der Recyclingindus\u00adtrie beeinflussen.<\/p>\n<p>Beispiele aus der Kunststoffbranche verdeutlichten die potenziell negativen Folgen emotional motivierter Regulierungen. So habe ein k\u00fcrzlich verh\u00e4ngtes Exportverbot die Preise f\u00fcr recycelte Kunststoffe gedr\u00fcckt \u2013 gerade in einer Zeit, in der diese angesichts der hohen \u00d6lpreise eigentlich in die H\u00f6he schnellen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>(Erschienen im EU-Recycling Magazin 08\/2026, Seite 6, Foto: MSV-Archiv)<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t\t\t 27&#13;\n\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU-Altfahrzeugverordnung, die voraussichtlich noch vor Ende 2026 in Kraft treten wird, d\u00fcrfte massive Auswirkungen auf die globalen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":78163,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[26194,26195,21889,21,2165,22,2115],"class_list":["post-78162","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-altautorecycling","tag-autorecycling","tag-bir","tag-eu","tag-europa-aktuell","tag-europaeische-union","tag-frontpage-article"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78162"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78162\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}