{"id":78460,"date":"2026-08-03T16:28:11","date_gmt":"2026-08-03T16:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/78460\/"},"modified":"2026-08-03T16:28:11","modified_gmt":"2026-08-03T16:28:11","slug":"ceuta-tragoedie-mit-hunderten-toten-verstaerkt-debatte-um-migrationspolitik-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/78460\/","title":{"rendered":"Ceuta: Trag\u00f6die mit Hunderten Toten verst\u00e4rkt Debatte um Migrationspolitik"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Gesch\u00e4fte haben wieder ge\u00f6ffnet, an den Str\u00e4nden spielen Kinder, Bewohner sind mit Einkaufstaschen in der Stadt unterwegs. In Ceuta, der spanischen Enklave auf dem afrikanischen Kontinent, kehrt so etwas wie angespannte Normalit\u00e4t ein. Und doch sind da diese stummen Zeugen eines Dramas: Hunderte Schwimmringe, Autoreifen, Flossen und Plastikkanister liegen zwischen Algen und Treibgut im Sand. Sie erz\u00e4hlen die Geschichte von Menschen, die glaubten, das Meer sei ihr Weg nach Europa. Doch f\u00fcr vermutlich mehr als 100 Migranten wurde es zum Grab. Auch die politische Debatte rund um den Kontrollverlust wird Spanien und die EU noch lange besch\u00e4ftigen. Am Dienstag treffen sich Europas Innenminister zu einer Sondersitzung. Das Treffen d\u00fcrfte alles andere als einfach werden \u2013 denn es prallen extrem gegens\u00e4tzliche Positionen aufeinander.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Da ist zum einen Spanien, dessen Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez sich w\u00fctend an Br\u00fcssel gewandt und sich \u00fcber die mangelnde Solidarit\u00e4t beklagt hatte. Zum anderen ist da ein offener Brief von 22 Staats- und Regierungschefs, die Spanien daf\u00fcr kritisieren, dass eine solche Situation \u00fcberhaupt entstehen konnte. Nur noch am Rande geht es um Marokko, dessen Beh\u00f6rden zumindest nicht verhindert hatten, dass Zehntausende seiner B\u00fcrger das Land verlassen. Dabei gibt es unter Experten kaum einen Zweifel, dass ohne ein Wegschauen des autorit\u00e4r regierten Staates der Sturm auf Ceuta in dieser Form kaum m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.\n  <\/p>\n<p>            Marokko begr\u00fcndet Migrantenandrang mit Internetger\u00fcchten<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die Regierung in Rabat versucht indes, eine Erkl\u00e4rung zu pr\u00e4sentieren \u2013 die wiederum den Blick auf Spanien lenkt. Der Andrang der Migranten sei nicht organisiert gewesen, sondern spontan zustande gekommen, betont ein Sprecher des Innenministeriums. Im Internet h\u00e4tten sich falsche Informationen verbreitet. Viele der Migranten, die Ende vergangener Woche in Ceuta angekommen waren, erz\u00e4hlen den Reportern vor Ort allerdings auch, dass sie von marokkanischen Sicherheitskr\u00e4ften nicht aufgehalten wurden. Dabei erh\u00e4lt das Land f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Migration EU-Gelder in Millionenh\u00f6he.\u00a0\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eDie Ereignisse der vergangenen Woche in Ceuta waren ein H\u00e4rtetest f\u00fcr die Sicherheit der europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen\u201c, r\u00e4umt der f\u00fcr das Thema Migration zust\u00e4ndige EU-Kommissar Magnus Brunner gegen\u00fcber unserer Redaktion ein. Sie w\u00fcrden zeigen, so der Kommissar, dass es Akteure gebe, die menschliches Leid bewusst in Kauf nehmen, um den Zusammenhalt und die Handlungsf\u00e4higkeit Europas an seinen Au\u00dfengrenzen auf die Probe zu stellen. \u201eEuropa hat diesen Test f\u00fcrs Erste bestanden, da niemand in den Schengenraum gelangt ist\u201c, sagt Brunner. So einfach wie das von manchem EU-Mitglied suggeriert worden war, ist das ohnehin nicht. Denn Ceuta selbst geh\u00f6rt zwar zu Spanien und damit zur EU, nicht aber zum Schengenraum. Wer aufs Festland will, muss Grenzkontrollen durchlaufen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zugleich r\u00fcckt das erst vor sieben Wochen in Kraft getretene gemeinsame europ\u00e4ische Asylsystem (GEAS) in den Blick. Das sollte eigentlich f\u00fcr mehr Zusammenarbeit und Solidarit\u00e4t zwischen den Mitgliedsl\u00e4ndern beim heiklen Thema Migration sorgen. Der EU-Kommissar appelliert an die Mitgliedstaaten: Jetzt komme es darauf an, dass die EU geeint handle und die richtigen Schl\u00fcsse aus diesen Ereignissen ziehe.  \u201eGut ist, dass wir die Situation rasch unter Kontrolle gebracht und R\u00fcckf\u00fchrungen z\u00fcgig umgesetzt haben\u201c, sagt Brunner. \u201eDie neuen europ\u00e4ischen Regeln im Rahmen von GEAS haben dabei geholfen, Verfahren effizienter zu gestalten und die Handlungsf\u00e4higkeit der Mitgliedstaaten zu st\u00e4rken.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Knaus fordert Abkommen mit sicheren Drittstaaten nach GEAS-Vorgaben<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nicht jeder sieht das so positiv. \u201eWir m\u00fcssen jetzt die richtigen Antworten geben und keine Scheindebatten \u00fcber das Schengen-System f\u00fchren\u201c, mahnt der renommierte Migrationsforscher Gerald Knaus auf X. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, endlich tragf\u00e4hige Abkommen mit sicheren Drittstaaten abzuschlie\u00dfen, die durch GEAS explizit erm\u00f6glicht wurden. Das hei\u00dft: Es gilt das Recht auf Asyl, aber das Verfahren findet in einem Land au\u00dferhalb der EU statt. Wer es auf europ\u00e4ischen Boden geschafft hat, wird in das Drittland gebracht. Dadurch werde irregul\u00e4re Migration sinnlos.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/urnnewsmldpacom20090101260803-99-238005-v3-s2048.jpg\" alt=\"Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, versammeln sich an einem Lagerfeuer an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.\" title=\"Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, versammeln sich an einem Lagerfeuer an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, versammeln sich an einem Lagerfeuer an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.<br \/>\n    Foto: Bernat Armangue, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Migranten, die aus Marokko nach Spanien eingereist sind, versammeln sich an einem Lagerfeuer an einem Strand in der spanischen Exklave Ceuta.<br \/>\n    Foto: Bernat Armangue, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWenn ich mit Politikern dar\u00fcber spreche, gibt es oft zwei Gegenargumente\u201c, sagt Knaus unserer Redaktion. \u201eDas eine: Man kann keine 100.000 Menschen nach Ruanda bringen. Das muss man aber auch gar nicht.\u201c Es gen\u00fcge das Signal, das viele Menschen abhalten w\u00fcrde.  \u201eUnd das Zweite: Die Migrationszahlen seien doch im Moment niedrig und nur wenige reisen nach Nordeuropa weiter\u201c, so Knaus. Tats\u00e4chlich hat die EU-Beh\u00f6rde Frontex im ersten Halbjahr etwa ein Drittel weniger irregul\u00e4re Grenz\u00fcbertritte an den Au\u00dfengrenzen Europas verzeichnet. \u201eDoch der Kampf gegen den Rechtsextremismus ist auch ein Kampf um Bilder und Erz\u00e4hlungen\u201c, warnt der Migrationsexperte.  \u201eMit Statistiken kommen Sie gegen diese Bilder nicht an. Also brauchen Sie eine Erz\u00e4hlung, die zeigt: Wir haben eine gute Strategie und verhindern ein neues Ceuta in Zukunft.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Polizeitaucher entdecken immer mehr Opfer an der K\u00fcste von Ceuta<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Unterdessen zeigt sich in Ceuta die menschliche Katastrophe hinter der politischen Debatte. Die \u00f6rtliche Leichenhalle war schon nach kurzer Zeit \u00fcberf\u00fcllt. Inzwischen wurde das ehemalige Milit\u00e4rkrankenhaus zum provisorischen Aufbewahrungsort umfunktioniert. Weitere Tote werden in einem K\u00fchl-Lkw aufbewahrt, der an der K\u00fcste parkt, dort, wo Taucher und Rettungsboote nach weiteren Opfern suchen. F\u00fcr die Polizeitaucher wird der Einsatz zur seelischen Belastung. Im spanischen Radio berichten Beamte, die seit Tagen Leichen bergen, von Bildern, die sie nicht mehr loslassen. Bei fast jedem Tauchgang w\u00fcrden neue Opfer entdeckt. In der Nacht zum Montag waren es drei Erwachsene und ein Baby, das nur wenige Monate alt war. Viele der Toten haben bis heute keinen Namen, weil sie keine Papiere bei sich hatten und bisher noch nicht identifiziert werden konnten.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Gesch\u00e4fte haben wieder ge\u00f6ffnet, an den Str\u00e4nden spielen Kinder, Bewohner sind mit Einkaufstaschen in der Stadt unterwegs.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":78442,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[25821,21,6,22,26261,26176,9559,2215,26259,661,26260],"class_list":["post-78460","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-ceuta","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-grosskonflikt","tag-krisentreffen","tag-magnus-brunner","tag-marokko","tag-migrationskurs","tag-spanien","tag-tragoedie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78460"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78460\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78442"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}