{"id":78636,"date":"2026-08-04T05:26:11","date_gmt":"2026-08-04T05:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/78636\/"},"modified":"2026-08-04T05:26:11","modified_gmt":"2026-08-04T05:26:11","slug":"interview-zu-krise-in-ceuta-die-schuld-spanien-zu-geben-war-irrational","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/78636\/","title":{"rendered":"Interview zu Krise in Ceuta: &#8222;Die Schuld Spanien zu geben, war irrational&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/ceuta-menschen-100.jpg\" alt=\"Menschen versammeln sich entlang eines Zauns nahe dem Ort Fnideq an der Grenze zwischen Marokko und Spanien.\" title=\"Menschen versammeln sich entlang eines Zauns nahe dem Ort Fnideq an der Grenze zwischen Marokko und Spanien. | AFP\"\/><\/p>\n<p>                    Interview<\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 04.08.2026 \u2022 07:18 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Ist Spanien f\u00fcr die Krise in Ceuta verantwortlich? Der Migrationsexperte Gerald Knaus verneint das. Die Vorw\u00fcrfe gegen die Regierung seien eine irrationale Reaktion auf verst\u00f6rende Bilder. Die EU m\u00fcsse nun schnell eine Entscheidung treffen.\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: 22 Regierungschefs der EU werfen Spanien indirekt vor, den Ansturm von Zehntausenden auf die Enklave Ceuta mit ausgel\u00f6st zu haben. Ist der Vorwurf begr\u00fcndet?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gerald Knaus: Nein. Aber nat\u00fcrlich ist die Geschichte komplizierter. Das Entscheidende ist, dass wir den Kontext sehen. In der ersten H\u00e4lfte dieses Jahres gab es insgesamt eine irregul\u00e4re Migration aus ganz Afrika nach Spanien von nur 14.000 Menschen. Das waren weniger als im Jahr davor, weniger als zur gleichen Zeit nach Italien und Griechenland kamen. Spanien hatte die Kontrolle \u00fcber irregul\u00e4re Migration, und das war im Jahr davor auch schon so.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenn also mitschwingt, dass es in Spanien heute eine Regierung gibt, mit einem sozialdemokratischen Premierminister, die Migration nicht wirklich kontrollieren will: Die Fakten zeigen es nicht. Dieses Wochenende, wo an einem Tag 50.000 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ceuta-migration-104.html\" title=\"Inzwischen etwa 60.000 Migranten in Ceuta angekommen - 34 Tote \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bis 60.000 Menschen<\/a> aus Marokko in die Stadt Ceuta kamen, war vollkommen untypisch. So etwas gab es die vergangenen Jahrzehnte nicht. Das waren f\u00fcnf Mal h\u00f6here Zahlen als bei den t\u00e4glichen Ank\u00fcnften auf den griechischen Inseln auf dem H\u00f6hepunkt der Fl\u00fcchtlingskrise. So gesehen kann man nicht sagen, dass daf\u00fcr die spanische Politik der vergangenen Jahre verantwortlich war.<\/p>\n<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/knaus-103.jpg\" alt=\"Gerald Knaus\" title=\"Gerald Knaus | picture alliance \/ Stephan Persc\"\/><\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p>        Gerald Knaus ist Experte f\u00fcr internationale Politik, Autor und Gr\u00fcndungsvorsitzender des gemeinn\u00fctzigen Thinktanks Europ\u00e4ische Stabilit\u00e4tsinitiative (ESI). Er gilt als Vordenker des Migrationsabkommens der EU mit der T\u00fcrkei von 2016.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Jetzt gibt es die zweite Behauptung, die Spanier h\u00e4tten irregul\u00e4ren, im Land lebenden Migranten die M\u00f6glichkeit geboten, einen einj\u00e4hrigen Aufenthaltsstatus zu bekommen. Das wurde im Januar 2026 verk\u00fcndet. Aber seit Januar sind die Zahlen nicht gewachsen. In der Vergangenheit haben auch andere spanische Regierungen so etwas beschlossen &#8211; das war das siebte Mal, dass so etwas gemacht wurde. Danach sind die Zahlen irregul\u00e4rer Migration nie gewachsen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Italien hat in den vergangenen Jahrzehnten noch mehr Menschen, die irregul\u00e4r im Land waren, einen Aufenthaltsstatus gew\u00e4hrt. Und auch in Italien sind daraufhin die Zahlen derjenigen, die irregul\u00e4r kommen, nicht gewachsen, weil es sich hier um andere Herkunftsl\u00e4nder handelt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Spanien waren fast 90 Prozent derjenigen, die einen Aufenthaltsstatus beantragen konnten, S\u00fcdamerikaner. Deshalb ist das keine plausible Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass nach Ablauf der Frist daf\u00fcr nun junge marokkanische M\u00e4nner ohne jede Chance auf Asyl in eine in Nordafrika gelegene Stadt kommen. Diese Vorw\u00fcrfe sind nicht \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>    &#8222;Bilder schlagen Statistiken&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: Was bewegt die Regierungschefs dann, solche indirekten Vorw\u00fcrfe zu machen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Knaus: Um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Regierungschefs zu \u00e4u\u00dfern: Viele waren, glaube ich, geschockt und \u00fcberrascht von dieser Krise und von diesen Bildern. Die gro\u00dfe Lehre der vergangenen zehn Jahre ist: Bilder schlagen Statistiken. Man sieht einen Kontrollverlust, der dramatisch ist, wenn in eine Stadt von 85.000 Menschen an einem Tag 50.000 bis 60.000 Menschen kommen. Das ist fast apokalyptisch, wenn man nur diese Bilder sieht. Man stellt sich sofort vor, was w\u00e4re, wenn das w\u00e4chst und anderswo passiert. Man erkennt in diesem Moment auch seine eigene Hilflosigkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nat\u00fcrlich wei\u00df Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni: Wenn &#8211; wie vor drei Jahren &#8211; in einer Woche 100 Schiffe nach Lampedusa kommen, w\u00e4re sie so hilflos wie Spaniens Ministerpr\u00e4sident Pedro S\u00e1nchez. Wenn man dann diese Bilder sieht, wenn die Bev\u00f6lkerung darauf mit Sorge reagiert, dann versteht man, dass die Regierungen sich denken, wir m\u00fcssen irgendetwas tun und irgendwie erkl\u00e4ren, wer daran schuld ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dieses &#8222;Irgendetwas tun&#8220; kennen wir aus Deutschland. Das ist dann oft: &#8222;Wir kontrollieren jetzt die eigenen Grenzen.&#8220; Das ist zwar sinnlos, weil es dort keinen Zaun gibt, und wer will, kann nat\u00fcrlich immer \u00fcber Schengen-Grenzen kommen. Wir haben das in den vergangenen Jahren \u00fcberall in Europa gesehen. Grenzkontrollen von Frankreich zu Italien haben die Migrations- und Asylantragszahlen in Frankreich nicht reduziert. Aber so tut man irgendwas. Oder man gibt jemandem die Schuld.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Erstaunliche ist in diesem Fall: In der Vergangenheit h\u00e4tte man in so einer Situation gesagt: Europa ist geeint, wir appellieren an Marokko, hier etwas zu tun, die Leute zu stoppen. So war es im Fall von Belarus, der T\u00fcrkei 2020 oder auch in Libyen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber in diesem Fall hat man die Schuld zun\u00e4chst den Spaniern gegeben. Das war irrational, aber es war eine Reaktion auf den Druck. Eine konstruktive Reaktion auf den Druck w\u00e4re gewesen zu sagen, wir haben alle, ob Italien, Spanien, Griechenland, aber auch Deutschland und Finnland, das gleiche Interesse. Diese Bilder machen Angst. Wie verhindern wir, dass so etwas in der Zukunft wieder passiert? Das ist die Debatte, die wir jetzt f\u00fchren m\u00fcssen. Alles andere f\u00fchrt in eine Falle.<\/p>\n<p>Die Exklaven Ceuta und Melilla<\/p>\n<p>        Das nordafrikanische Ceuta, auf einer Halbinsel an der Meerenge von Gibraltar gelegen, wurde 1415 von den Portugiesen erobert. Die Spanier \u00fcbernahmen 1580 mit der Annexion Portugals die Herrschaft \u00fcber die Stadt. Ceuta blieb spanisch, als Portugal 1640 die Unabh\u00e4ngigkeit zur\u00fcckerlangte. Gleiches gilt f\u00fcr Melilla im Nordosten Marokkos. Seit 1956 ist Marokko von Frankreich und Spanien unabh\u00e4ngig, doch die Exklaven blieben spanisch.<\/p>\n<p>Beide K\u00fcstenst\u00e4dte haben seit 1995 ein Autonomiestatut und sind auch Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte. Ihr jeweils kleines Territorium wird vom Mittelmeer und von Marokko eingeschlossen. Ceuta misst rund 18,5 Quadratkilometer und hat etwa 84.000 Einwohner.<\/p>\n<p>In der N\u00e4he beider Gebiete warten oft Tausende Menschen &#8211; vorwiegend aus L\u00e4ndern s\u00fcdlich der Sahara &#8211; auf eine Gelegenheit, in das zur EU, aber nicht zum Schengenraum, geh\u00f6rende Gebiet zu kommen.\n    <\/p>\n<p>    &#8222;Fehlinformation, dass Ceuta offen ist&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/marokko-ceuta-migration-soziale-medien-100.html\" title=\"Ceuta: Marokko gibt Sozialen Medien Schuld an Trag\u00f6die\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marokko macht f\u00fcr die Ereignisse<\/a> der vergangenen Tage Falschinformationen und Schleuser verantwortlich. Es gibt auch die Mutma\u00dfung, das Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens k\u00f6nne eine Rolle gespielt haben. Was hat Ihrer Meinung nach den Ausschlag gegeben?<\/p>\n<p>Knaus: Als allererstes brauchen wir eine unabh\u00e4ngige, intensive Untersuchung der Ereignisse. Das k\u00f6nnte man sofort beschlie\u00dfen, und das w\u00e4re ein konstruktiver Schritt. Immerhin ist mittlerweile schon die Rede von mehr als 80 Toten. Vielleicht ist Marokko auch bereit, zu kooperieren &#8211; es m\u00fcsste ja, wenn es nicht Absicht war, ein Interesse daran haben, dass so etwas spontan nicht wieder passiert.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Man sollte dann untersuchen, welche Fehlinformationen in den Sozialen Medien zu Hunderttausenden geteilt wurden. Das mit dem Gerichtsurteil war ja eine Desinformation. Nat\u00fcrlich gab es ein spanisches Gerichtsurteil von Anfang des Monats, wonach man auf dem Meer Menschen nicht an der Grenze zur\u00fcckweisen darf, so wie man das an einem Zaun machen darf. Aber das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass es dadurch eine M\u00f6glichkeit gibt, nach Ceuta zu kommen und dort zu bleiben. Aber diese Fehlinformation, dass Ceuta offen ist, gab es.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Da muss man schon fragen, warum die marokkanischen Beh\u00f6rden darauf nicht reagiert haben? Warum hat die Polizei niemanden gestoppt? Und warum gab es auch aus den USA eine so aggressive Kampagne gegen Pedro S\u00e1nchez, gegen Spanien?<\/p>\n<p>    &#8222;Erkennt, wie erpressbar Europa heute ist&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: Zudem kommt der Aspekt Westsahara ins Spiel. Da hat Marokkos Regierung in der Vergangenheit auch Ceuta als Druckmittel eingesetzt, wenn ihr nicht gefallen hat, wie sich Spanien positioniert. War das jetzt auch wieder ein Faktor?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Knaus: Wir wissen es nicht. Aber wie Sie zurecht sagen: Wir wissen, dass es in der Vergangenheit so war. 2021 sind auch in sehr kurzer Zeit 10.000 Menschen auf einmal nach Ceuta eingedrungen. Damals war es klar, dass die spanische Au\u00dfenpolitik der Regierung Marokkos nicht gefallen hat. Da ging es um Druck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und das f\u00fchrt zum vielleicht wichtigsten Punkt: Wenn solche Bilder dazu f\u00fchren, dass \u00fcber einen langen Zeitraum niedrige Migrationszahlen sofort vergessen werden und man das Gef\u00fchl hat, alles ist au\u00dfer Kontrolle, dann erkennt man auch, wie verwundbar und erpressbar Europa heute ist. Und wie wichtig es ist, eine Politik zu haben, die verhindert, dass wir demn\u00e4chst &#8211; und vielleicht vor wichtigen europ\u00e4ischen Wahlen &#8211; irgendwo an den Au\u00dfengrenzen ein neues Ceuta haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Migrationszahlen sind schon niedrig, aber solcher Ausnahmesituationen k\u00f6nnten jederzeit wieder stattfinden. Die Frage ist: Was lernt man daraus \u00fcber das, was uns an unseren Grenzen heute fehlt, um solche Situationen auszuschlie\u00dfen?<\/p>\n<p>    Abkommen mit sicheren Drittstaaten &#8222;extrem wichtig&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: Wir haben seit ein paar Wochen eine neue gemeinsame europ\u00e4ische Asylpolitik. War das jetzt schon ein Test f\u00fcr sie?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Knaus: H\u00e4tte es die Reform des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystems nicht gegeben, w\u00e4re dort diesmal nichts anders verlaufen. Das war also kein Test. Wichtig aber ist: Die europ\u00e4ischen Reformen schaffen einen Rahmen, der die L\u00f6sung aufzeigt. Es ist seit diesem Sommer erstmals m\u00f6glich, dass ein Land wie Spanien ein Abkommen mit einem sicheren Drittstaat macht, das nicht das Transitland ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Spanien oder eine Gruppe von EU-Staaten k\u00f6nnten mit einem anderen afrikanischen Land ein Abkommen schlie\u00dfen und sagen: Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird jeder, der nach Ceuta kommt, registriert und dann f\u00fcr ein Asylverfahren in dieses sichere Drittland gebracht. Dann ist es sinnlos, irregul\u00e4r zu kommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese Reform, \u00fcber die lange geredet wurde, bietet den Ausweg, wenn man nicht von Marokko, von Libyen oder der T\u00fcrkei abh\u00e4ngig sein will. Dann ist es extrem wichtig, dass wir zus\u00e4tzlich mit sicheren Drittstaaten solche Abkommen schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>    &#8222;Wichtig, die neuen rechtlichen EU-Instrumente zu nutzen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: Was sollten dann die EU-Innenminister beschlie\u00dfen, wenn sie sich heute zu einer Dringlichkeitssitzung zusammentun?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Knaus: Das Wichtigste w\u00e4re, zu sagen, wir wollen leidenschaftslos und unideologisch feststellen, was in Ceuta genau passiert ist. Und dann zu untersuchen, was man daraus lernen kann. Noch wichtiger w\u00e4re es, dass einige Staaten vorschlagen, die neuen rechtlichen EU-Instrumente zu nutzen. Wir haben in dieser Woche erneut gelernt, dass es nicht reicht, dass die Zahlen sinken. Das allein beruhigt unsere \u00f6ffentliche Migrationsdebatte nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Also machen wir jetzt ein Pilotprojekt, beispielsweise f\u00fcr das zentrale Mittelmeer. Griechenland und andere Staaten, wie zum Beispiel Deutschland, D\u00e4nemark oder Schweden, verhandeln mit einem sicheren Drittstaat, und ab dem Herbst gibt es Asylverfahren f\u00fcr jeden, der dann nach Griechenland kommt, in einem sicheren Drittstaat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die CDU und die CSU sind grunds\u00e4tzlich f\u00fcr diese Idee, die steht im Grundsatzprogramm der CDU. In der SPD gab es immer Zweifel, welche Standards es in diesen sicheren Drittstaaten gibt. Das ist eine berechtigte Frage, und da muss man das UN-Fl\u00fcchtlingshilfswerk UNHCR einbinden. Es k\u00f6nnte die Qualit\u00e4t der Asylverfahren in dem sicheren Drittstaat pr\u00fcfen und garantieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Ziel der Politik m\u00fcsste sein, im Jahr 2027 f\u00fcr alle Au\u00dfengrenzen der EU vier solcher Abkommen zu haben und damit zu null irregul\u00e4rer Migration und zu null Toten zu kommen &#8211; weil wir Abkommen haben, die abschrecken. Nat\u00fcrlich wird das nicht hundertprozentig erreicht, aber die Vision muss klar sein. Und das kommt dann von Parteien der Mitte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dann h\u00e4tte man einen Ausweg und k\u00f6nnte sagen: Die, die uns kritisieren, dass wir nichts tun gegen Migration, haben Unrecht, wir haben ja viel getan. Zudem zeigen wir, dass wir besser darin sind als US-Pr\u00e4sident Donald Trump, irregul\u00e4re Migration zu kontrollieren &#8211; ohne die Gewalt und Menschenrechtsverletzungen, mit denen er das in den USA gemacht hat.<\/p>\n<p>    &#8222;Es h\u00e4ngt so viel davon ab, dass wir das hinbekommen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">tagesschau.de: Welche L\u00e4nder k\u00f6nnten das sein?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Knaus: Ich kann Ihnen ein Land nennen, das sofort dazu bereit w\u00e4re. Das ist Ruanda, dort f\u00fchrt die UN bereits seit 2019 Asyl-Verfahren durch. Das UNHCR bringt seit 2019 Asylsuchende, die in Libyen gestrandet sind, dorthin. Das ist ein offenes Aufnahmezentrum. Dort finden die Asylverfahren statt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es gibt in Afrika Staaten, die in der Lage sind, eine kleine Zahl von Menschen aufzunehmen, wenn das noch finanziert wird, wenn es Anreize gibt, die Migranten menschenw\u00fcrdig zu behandeln.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es h\u00e4ngt so viel davon ab, dass wir das hinbekommen, und es steht so viel auf dem Spiel &#8211; f\u00fcr unsere Demokratie und den Menschenrechtsschutz in Europa, f\u00fcr den Fl\u00fcchtlingsschutz in der Welt. Es ist absurd, dass wir noch keine Taskforce haben, die versucht, diese neuen M\u00f6glichkeiten im EU-Recht ernsthaft und mit Fokus anzuwenden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Eckart Aretz, tagesschau.de. F\u00fcr die schriftliche Fassung wurde das Interview leicht angepasst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Interview Stand: 04.08.2026 \u2022 07:18 Uhr Ist Spanien f\u00fcr die Krise in Ceuta verantwortlich? 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