{"id":80960,"date":"2026-08-10T09:34:21","date_gmt":"2026-08-10T09:34:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/80960\/"},"modified":"2026-08-10T09:34:21","modified_gmt":"2026-08-10T09:34:21","slug":"interview-mit-roland-pomberger-montanuniversitaet-leoben-ausgezeichnete-forschung-klare-perspektiven-eu-recycling","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/80960\/","title":{"rendered":"Interview mit Roland Pomberger, Montanuniversit\u00e4t Leoben: Ausgezeichnete Forschung, klare Perspektiven \u2013 EU-Recycling"},"content":{"rendered":"<p>Univ.-Prof. Roland Pomberger, Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversit\u00e4t Leoben und \u201e\u00d6sterreicher des Jahres\u201c (Kategorie Forschung), spricht \u00fcber die mechanische Abfallaufbereitung \u2013 von variierenden Materialstr\u00f6men \u00fcber steigende Anforderungen der Kreislaufwirtschaft bis hin zur Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie.<\/p>\n<p>Herr Professor Pomberger, welche Herausforderungen sehen Sie aktuell in der mechanischen Abfallaufbereitung \u2013 insbesondere bei der Siebung und der Trennung von Eisen- und Nichteisenmetallen?<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist die mechanische Aufbereitung eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die nachfolgenden Recy\u00adclingprozesse \u2013 daran wird sich auch k\u00fcnftig nichts \u00e4ndern. Auch im Kontext neuer, digitaler Technologien bleibt sie ein entscheidender Schritt, um Materialstr\u00f6me \u00fcberhaupt trennbar zu machen. Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen liegt in der stark variierenden Materialzusammensetzung: Inhomogene Abf\u00e4lle mit stark schwankenden Eigenschaften stellen hohe Anforderungen an Auslegung und Betriebsweise der Maschinen und Anlagen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eu-recycling.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Montanuni-Leoben-2-0826.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-51078\" class=\"size-medium wp-image-51078\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Montanuni-Leoben-2-0826-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\"  \/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-51078\" class=\"wp-caption-text\">Univ.-Prof. Roland Pomberger \u201e\u00d6sterreicher des Jahres\u201c (Kategorie Forschung) im Interview mit Julia Redtensteiner (IFE Aufbereitungstechnik)<\/p>\n<p>Im Abfallbereich gilt letztlich: Alles, was m\u00f6glich ist, kann auch im Inputstrom enthalten sein. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Maschinen sehr pr\u00e4zise und flexibel auf unterschiedliche Materialcharakteristika einzustellen. Wichtige Bereiche sind Zerkleinerung und Siebung. Speziell die Siebung hat ma\u00dfgeblichen Einfluss auf die Gesamtperformance der Anlage. Unterschiede in Effizienz, Durchsatz und Trennsch\u00e4rfe wirken sich direkt auf die Qualit\u00e4t der nachfolgenden Prozessschritte aus.<\/p>\n<p>Auch die zuverl\u00e4ssige Abtrennung von Eisen- und Nichteisenmetallen ist essenziell, da selbst geringe Restanteile die nachfolgenden Prozesse erheblich st\u00f6ren k\u00f6nnen. Hier sind hohe Abscheidegrade gefragt. Deswegen ist Effizienz im Bereich der mechanischen Aufbereitung so wichtig. Hier zeigen sich auch die Qualit\u00e4tsunterschiede der Hersteller. Die Maschinen m\u00fcssen \u00fcber Jahrzehnte m\u00f6glichst wartungsarm und zuverl\u00e4ssig Tausende Tonnen bearbeiten.<\/p>\n<p>Was sind die gr\u00f6\u00dften Optimierungspotenziale in der mechanischen Abfallsortierung? Wie k\u00f6nnen Sensoren, Monitoring und Co. dazu beitragen?<\/p>\n<p>Im Kontext der LVP-Sortierung durchgef\u00fchrte Untersuchungen von Professor Thomas Pretz (RWTH Aachen) zeigen, dass Anlagen nur rund 30 Prozent der Zeit im optimalen Betriebsbereich laufen. In der \u00fcbrigen Zeit kommt es zu \u00dcber- oder Unterbeschickung beziehungsweise zu Stillst\u00e4nden, worunter der gesamte Prozess leidet. Studien, unter anderem aus dem Forschungsprojekt ReWaste F, best\u00e4tigen eine zentrale Erkenntnis daraus: Ein m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfiger Materialstrom ist entscheidend f\u00fcr die Anlagenleistung.<\/p>\n<p>Mittels fundierter Daten und Monitoring, aber auch mittels Zerkleinerung, Siebung und Zwischenbunkern l\u00e4sst sich der Materialstrom vergleichm\u00e4\u00dfigen. So arbeiten die einzelnen Maschinen n\u00e4her am optimalen Betriebspunkt, und die Durchsatzleistung l\u00e4sst sich um bis zu 20 Prozent steigern. Auch in der Wartung k\u00f6nnen Sensorik und entsprechende Auswertungen dahinter die Effizienz solcher Anlagen bedeutend steigern und vor allem \u00fcberraschende Ausf\u00e4lle verhindern.<\/p>\n<p>Wie beeinflussen steigende Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft die Aufbereitungstechnik?<\/p>\n<p>Mit steigenden Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft erh\u00f6hen sich vor allem die Erwartungen an R\u00fcckgewinnungsquoten und Prozesssicherheit. Anlagen werden heute deutlich st\u00e4rker auf definierte Leistungskennzahlen ausgelegt, und entsprechend nehmen auch die geforderten Garantien seitens der Betreiber zu. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass nicht jede Zielvorgabe technisch uneingeschr\u00e4nkt umsetzbar ist, was die Planung und Auslegung zunehmend anspruchsvoll macht. Und es gilt, den Maschinenlieferanten dahingehend richtig auszuw\u00e4hlen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/eu-recycling.com\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Montanuni-Leoben-3-0826.jpg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-51079\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Montanuni-Leoben-3-0826-300x175.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"175\"  \/><\/a>Zus\u00e4tzliche regulatorische Entwicklungen, wie etwa das Pfandsystem f\u00fcr Getr\u00e4nkedosen, ver\u00e4ndern die Materialstr\u00f6me weiter und erh\u00f6hen den Druck, verbliebene Metallanteile noch effizienter aus gemischten Fraktionen zu entfernen. Die Auswahl geeigneter Maschinen und Technologien wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor f\u00fcr den wirtschaftlichen Betrieb von Recyclinganlagen. Entsprechend kommt leistungsf\u00e4higen, flexiblen und robusten Maschinenl\u00f6sungen, wie sie IFE Aufbereitungstechnik entwickelt, eine Schl\u00fcsselrolle zu.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang: Wann sind Sie erstmals mit Aufbereitungstechnik von IFE in Kontakt gekommen?<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an ein erstes gemeinsames Projekt im Jahr 2003. Im Zentrum stand die Frage, ob ein Fl\u00e4chensieb von IFE erstmals in der Aufbereitung von Gewerbeabf\u00e4llen eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Dabei zeigte sich, dass Fl\u00e4chensiebe klare Vorteile bieten: Sie sind flexibel einsetzbar, da sich die Siebbel\u00e4ge einfach austauschen lassen, und \u00fcberzeugen im Betrieb durch Vorteile bei Reinigung und im Umgang mit Verstopfungen. Diese Eigenschaften haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Technologie in den Folgejahren etabliert hat und heute in vielen Anwendungen zum Stand der Technik z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Welche Ihrer aktuellen Forschungsschwerpunkte haben besonders konkrete Auswirkungen auf den Betrieb und die Weiterentwicklung von Aufbereitungsanlagen?<\/p>\n<p>Ein zentrales Thema ist seit vielen Jahren das Batterierecycling. Ein Verfahren zur Aufbereitung, welches hier am Institut entwickelt wurde, konnte bereits in die Praxis \u00fcberf\u00fchrt werden, etwa im Rahmen eines Projekts bei Redux Recycling GmbH, wo in der N\u00e4he von Frankfurt Anlagen zur Sortierung von Ger\u00e4tebatterien betrieben und weiter ausgebaut werden. Von gro\u00dfer praktischer Bedeutung ist zudem das Thema Brandrisiko in der Abfallwirtschaft. Batterien stellen hier eine der Hauptursachen dar. W\u00e4hrend vor einigen Jahren in 1.000 Kilogramm Restm\u00fcll etwa 20 Batterien enthalten waren, darunter rund zwei Lithiumbatterien, ist heute von deutlich h\u00f6heren Mengen auszugehen. Diese Entwicklung stellt neue Anforderungen an Maschinenbetrieb und -auslegung.<\/p>\n<p>Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie so gestaltet werden, dass Innovation gef\u00f6rdert wird?<\/p>\n<p>Eine funktionierende Zusammenarbeit basiert darauf, dass beide Seiten ihre jeweiligen St\u00e4rken einbringen: die Wissenschaft mit methodischer Tiefe und analytischem Verst\u00e4ndnis, die Industrie mit Praxisn\u00e4he und konkreten Anwendungen. Entscheidend ist, dass Fragestellungen gemeinsam definiert und im Sinne der angewandten Forschung weiterentwickelt werden. Gleichzeitig profitieren Unternehmen davon, fr\u00fchzeitig Zugang zu neuen Erkenntnissen zu erhalten. Solche Kooperationen sind meist langfristig angelegt, da Verfahrensentwicklungen oft mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Montanuniversit\u00e4t Leoben und IFE verbindet eine solche langj\u00e4hrige Partnerschaft, die auf vertrauensvoller Zusammenarbeit basiert. Gerade diese kontinuierliche Kooperation zwischen Forschung und Praxis erweist sich als zentraler Erfolgsfaktor f\u00fcr Innovation.<\/p>\n<p>Herr Professor Pomberger, vielen Dank f\u00fcr das Interview!<\/p>\n<p>Quelle: IFE Aufbereitungstechnik GmbH<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.unileoben.ac.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">unileoben.ac.at<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.ife-bulk.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">ife-bulk.com<\/a><\/p>\n<p>(Erschienen im EU-Recycling Magazin 08\/2026, Seite 38, Fotos: IFE Aufbereitungstechnik GmbH)<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\t\t\t\t 103&#13;\n\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Univ.-Prof. Roland Pomberger, Leiter des Lehrstuhls f\u00fcr Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversit\u00e4t Leoben und \u201e\u00d6sterreicher des Jahres\u201c&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":80961,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[21,22,2115,4299,27027,2535],"class_list":["post-80960","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-eu","tag-europaeische-union","tag-frontpage-article","tag-ife-aufbereitungstechnik","tag-montanuniversitaet-leoben","tag-technik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=80960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/80960\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/80961"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=80960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=80960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=80960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}