{"id":81718,"date":"2026-08-11T22:33:14","date_gmt":"2026-08-11T22:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/81718\/"},"modified":"2026-08-11T22:33:14","modified_gmt":"2026-08-11T22:33:14","slug":"eu-richtlinie-gegen-greenwashing-jetzt-muss-bio-wirklich-bio-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/81718\/","title":{"rendered":"EU-Richtlinie gegen Greenwashing: Jetzt muss Bio wirklich Bio sein"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00dcberpr\u00fcfung der EmpCo bewegt sich in einem interessanten Spannungsfeld. Politik, Verwaltung, Wirtschaft und\u00a0B\u00fcrger:innen werden im Rahmen der Bestrebungen zum \u2013 gerade von Baden-W\u00fcrttemberg so sehr vorangetriebenen \u2013 B\u00fcrokratieabbau noch oft aufeinandertreffen. Urspr\u00fcnglich war geplant, verbunden mit betr\u00e4chtlichem Aufwand und hohen Kosten f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand, die angepassten einschl\u00e4gigen Claims und Produktangaben beh\u00f6rdlich bewilligen zu lassen. Br\u00fcsseler Fachleute verwarfen die Idee. Jetzt liegt die Nachweispflicht bei den Herstellern. Jede Aussage auf Verpackungen, auf Werbematerialien, Flyern oder im Netz muss belegbar sein. Auch f\u00fcr die Bundesrepublik gilt, dass nicht staatliche Kontrollinstanzen Verst\u00f6\u00dfe aufdecken, sondern Verbraucherschutzzentralen und Verb\u00e4nde. Im offiziellen Anhang zur nationalen Umsetzung ist <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/uwg_2004\/anhang.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">ausf\u00fchrlich vermerkt<\/a>, was unter Irref\u00fchrung zu verstehen ist und abgemahnt werden kann.<\/p>\n<p>Wer sich nicht wie Ritter-Sport l\u00e4ngst auf den richtigen Weg gemacht hat, den kann es hart treffen. Baden-W\u00fcrttembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) wollte eine zus\u00e4tzliche \u00dcbergangsfrist erwirken, Umweltministerin Thekla Walker (Gr\u00fcne) unterst\u00fctzte die Umsetzung ohne Puffer. Die f\u00fcr den Fall von Uneinigkeit der Koalitionspartner vorgesehene Enthaltung im Bundesrat war die Folge. Aufhalten h\u00e4tte die L\u00e4nderkammer das Gesetz aber ohnehin nicht k\u00f6nnen, nur verz\u00f6gern. Der harte Schnitt zum Stichtag 27. September war beschlossen und wurde Februar im Bundesgesetzblatt verk\u00fcndet.<\/p>\n<p>Zeit zur Vorbereitung war genug<\/p>\n<p>Arbeitgebervertretungen und -kammern kritisieren die fehlenden \u00dcbergangsfristen, m\u00fcssen selber aber \u2013 zumindest indirekt\u00a0\u2013 einr\u00e4umen, dass Zeit zur Vorbereitung vorhanden gewesen ist. Die Industrie- und Handelskammern hatten vor mehr als zwei Jahren <a href=\"https:\/\/www.ihk.de\/stuttgart\/fuer-unternehmen\/recht-und-steuern\/wettbewerbsrecht\/empowering-consumers-und-green-claims-6152218\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">in einer Pressemitteilung<\/a> bundesweit mitgeteilt: &#8222;Die EmpCo-RL ist am 27.03.2024 wirksam geworden&#8220;, nun h\u00e4tten die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit f\u00fcr die Umsetzung in nationales Recht&#8220;.<\/p>\n<p>Wenig \u00fcberzeugend ist es deshalb, wenn gerade gro\u00dfe Hersteller , etwa Drogerieketten <a href=\"https:\/\/einzelhandel.de\/presse\/aktuellemeldungen\/15187-empco-richtlinie-ohne-dringend-notwendige-uebergangsfrist-handel-braucht-fruehzeitig-rechtskonforme-verpackungen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">oder der Deutsche Handelsverband<\/a>, mehr Zeit verlangen und hervorheben, sie h\u00e4tten gegenw\u00e4rtig schon die Jahre 2028 oder 2029 im Blick. W\u00fcrden sie tats\u00e4chlich so vorausschauend handeln, w\u00e4ren sie nun mit einer Punktlandung in Sachen Ehrlichkeit belohnt worden zum Wohle der Verbraucher:innen. Und international t\u00e4tige Unternehmen wissen erst recht schon l\u00e4nger, was die Stunde geschlagen hat. Auf der anderen Rheinseite sind seit drei Jahren harte Verbote in Kraft. Frankreich geh\u00f6rt zu den europ\u00e4ischen Vorreitern, ebenso die vom deutschen Markt nicht eben weit entfernten Niederlande mit ihrer besonders strengen Marktaufsicht in Sachen falsche Bio- und \u00d6ko-Versprechen.\u00a0<\/p>\n<p>Dazu ist v\u00f6llig aus dem Blick geraten, dass gerade Handelsketten die Weichen l\u00e4ngst im aufrichtigen Kampf gegen den Klimawandel ganz anders h\u00e4tten stellen k\u00f6nnen. Niemand war gezwungen, Produkte mit Halbwahrheiten und Verschleierungen ins Sortiment aufzunehmen, Phantasiesiegel ohne Aussagekraft zu ersinnen, um Umweltbewusstsein nur vorzugaukeln und Kasse zu machen. Dass es auch anders geht, hat ausgerechnet Aldi S\u00fcd schon vor 20 Jahren bewiesen. Allerdings nicht in Deutschland, sondern in \u00d6sterreich und dank der zu hundert Prozent zur Unternehmensgruppe geh\u00f6renden Discount-Kette Hofer.<\/p>\n<p>Zwei Marken in \u00d6sterreich sind Vorreiter<\/p>\n<p>Mit ein paar Dutzend steirischen Milchbetrieben wurde &#8222;Zur\u00fcck zum Ursprung&#8220; gegr\u00fcndet. Seit 2009 sind alle Artikel \u2013 inzwischen 400 \u2013 mit einem extern wissenschaftlich erstellten und kontrollierten CO2-Fu\u00dfabdruck ausgestattet. Die &#8222;Weltsensation&#8220; wurde damals beworben, ohne den Erfolg nach Deutschland zu importieren. Die zweite \u00f6sterreichische Biomarke &#8222;Ja! nat\u00fcrlich&#8220;, inzwischen vertrieben von REWE, ist sogar stattliche 32 Jahre alt und erwirtschaftet rund 400 Millionen Euro im Jahr. <a href=\"https:\/\/greenpeace.at\/ratgeber\/guetezeichen-ergebnisse\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Selbst Greenpeace<\/a> lobt die beiden Marken als &#8222;sehr vertrauensw\u00fcrdig&#8220;. Die Produktr\u00fcckverfolgung ist Standard. Per Klick stellt Hofer &#8222;unsere B\u00e4uer:innen&#8220; vor. &#8222;Wir sind sehr stolz darauf, bei all unseren Produkten Palm\u00f6l durch Rezept\u00e4nderungen und den Einsatz alternativer \u00d6le ersetzt zu haben&#8220;, hei\u00dft es bei Rewe \u00d6sterreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die \u00dcberpr\u00fcfung der EmpCo bewegt sich in einem interessanten Spannungsfeld. 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