{"id":82448,"date":"2026-08-13T08:25:09","date_gmt":"2026-08-13T08:25:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/82448\/"},"modified":"2026-08-13T08:25:09","modified_gmt":"2026-08-13T08:25:09","slug":"kommentar-wenn-ki-entgleitet-zahlt-niemand-was-europa-tun-muss-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/82448\/","title":{"rendered":"Kommentar: Wenn KI entgleitet, zahlt niemand \u2013 was Europa tun muss"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mit der Technik zu herrschen, war einer dieser Menschheitstr\u00e4ume der Neuzeit. Vollst\u00e4ndig beherrschbar war sie nie. Defekte f\u00fchren zu Unf\u00e4llen, und wenn die Natur sich aufb\u00e4umt, \u00fcberfordert das auch die Sicherheitssysteme von Kernkraftwerken, wie das Reaktorungl\u00fcck von Fukushima gezeigt hat. Eingehegt wurde der technische Fortschritt trotzdem \u2013 nur nicht durch die Forderung nach Beherrschbarkeit. Sondern durch Haftung. Wer den Nutzen hatte, trug den Schaden. Doch bei den gro\u00dfen digitalen Plattformen wird dieser Weg nicht konsequent beschritten. Noch immer m\u00fcssen sie nicht wie ein Verleger f\u00fcr das haften, was sie verbreiten. Bei der K\u00fcnstlichen Intelligenz ist man davon sogar noch weiter entfernt. Stattdessen reden alle Beteiligten von der Unkontrollierbarkeit des Fortschritts. Das klingt nach Schicksal und Naturgesetz. Es ist jedoch eine Entscheidung.\n  <\/p>\n<p>            KI-Verordnung der EU verschiebt Pflichten f\u00fcr Hochrisiko-Systeme<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In knapp zwei Wochen dieses Sommers lie\u00df sich das im Zeitraffer beobachten. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/wirtschaft\/chatgpt-firma-openai-wenn-die-ki-selbststaendig-unternehmen-hackt-114839815\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Am 21. Juli teilt OpenAI mit, dass ein neues Modell aus einer Testumgebung ausgebrochen ist<\/a>, Server der Plattform Hugging Face gehackt und dort nach Zugangscodes gesucht hat. Zwei Wochen vor der Auslieferung hatten die eigenen Entwickler notiert, das Modell handle \u2013 bei niedrigen absoluten Fallzahlen \u2013 \u00f6fter eigenm\u00e4chtig, ergreife sch\u00e4dliche Ma\u00dfnahmen und liefere hinterher falsche Erkl\u00e4rungen daf\u00fcr. Ausgeliefert wurde es trotzdem. Eine Woche sp\u00e4ter fordern \u00fcber 1100 Besch\u00e4ftigte der f\u00fchrenden KI-Labore von der Politik Werkzeuge, mit denen sich das Tempo der Entwicklung im Notfall drosseln l\u00e4sst \u2013 eine Ohnmachtserkl\u00e4rung derer, die es besser wissen m\u00fcssten. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/kuenstliche-intelligenz-laesst-experten-an-singularitaet-und-kontrollverlust-zweifeln-5-114921373\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Am 2. August wird die KI-Verordnung der EU vollst\u00e4ndig anwendbar<\/a>. F\u00fcnf Tage zuvor war sie ge\u00e4ndert worden: Die Pflichten f\u00fcr Hochrisiko-Systeme sind um 16 Monate nach hinten verschoben. Den Vorfall bei OpenAI h\u00e4tte sie ohnehin nicht erfasst. F\u00fcr den Schaden, den ein solches Modell anrichtet, haftet niemand.\n  <\/p>\n<p>            Datenschutz-Grundverordnung bringt wenig gegen US-Technologiekonzerne<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ob Europa die digitale Welt mit Verordnungen einhegen kann, l\u00e4sst sich am Vorg\u00e4nger studieren, diesem Unget\u00fcm namens Datenschutz-Grundverordnung. Seit 2018 in Kraft, war es ein Schrecken f\u00fcr Unternehmen, die nicht mehr wussten, welche Daten sie speichern durften. An der Marktmacht der eigentlichen Adressaten \u2013 Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft \u2013 \u00e4nderte sie nichts. Mehr als vier Milliarden Euro Bu\u00dfgelder haben Europas Datenschutzbeh\u00f6rden seither verh\u00e4ngt. Nur hakt es beim Vollzug: Die zust\u00e4ndige irische Beh\u00f6rde hat nach eigenen Angaben bislang blo\u00df einen Bruchteil eingezogen, die Berufungsverfahren ziehen sich. Vor allem aber ist ein Bu\u00dfgeld keine Haftung. Es flie\u00dft in den Staatshaushalt, nicht an die Betroffenen, und es bemisst sich am Regelversto\u00df, nicht am Schaden. Die Konzerne machen weiter, lassen es darauf ankommen und prozessieren. Geld daf\u00fcr haben sie mehr als genug.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wirksam eingegriffen hat in diesem Jahr nur einer, und der sitzt in Washington. Als das US-Handelsministerium am 12. Juni Exportkontrollen \u00fcber Anthropics neueste Modelle verh\u00e4ngte, musste der Konzern sie weltweit abschalten \u2013 19 Tage lang, auch f\u00fcr zahlende Kunden in Europa. Erst nach Nachbesserungen und deren beh\u00f6rdlicher Pr\u00fcfung durfte Anthropic das Modell wieder ausliefern. Bis dahin kannte man dieses Instrument nur aus dem Chiphandel; nun trifft es die Software selbst. Und w\u00e4hrend Br\u00fcssel Strafen verh\u00e4ngt, droht Donald Trump mit Z\u00f6llen. Solange Europa die Konzerne nicht in Haftung nimmt f\u00fcr das, was sie anrichten, bleibt nur die Hoffnung, dass der amerikanische Pr\u00e4sident einschreitet. Wer darauf angewiesen ist, hat die Kontrolle nicht verloren. Er hat sie abgegeben.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit der Technik zu herrschen, war einer dieser Menschheitstr\u00e4ume der Neuzeit. Vollst\u00e4ndig beherrschbar war sie nie. 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