{"id":84841,"date":"2026-08-19T08:36:13","date_gmt":"2026-08-19T08:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/84841\/"},"modified":"2026-08-19T08:36:13","modified_gmt":"2026-08-19T08:36:13","slug":"warum-italien-und-deutschland-wieder-ueber-migranten-streiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/84841\/","title":{"rendered":"Warum Italien und Deutschland wieder \u00fcber Migranten streiten"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/migranten-italien-106.jpg\" alt=\"Migranten in Italien\" title=\"Migranten in Italien | EPA\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 19.08.2026 \u2022 10:28 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Seit Juni gilt das neue EU-Asylsystem GEAS. Nun will Deutschland wieder Migranten nach Italien \u00fcberstellen, die dort in die EU eingereist sind. Italien aber lehnt das ab. Die Fronten sind verh\u00e4rtet.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/lisa-weiss-102.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Lisa Wei\u00df\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/weiss-110.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist eine junge Frau aus Somalia, 22 Jahre alt, die zum Symbol geworden ist f\u00fcr diesen Konflikt zwischen Deutschland und Italien: Wie viele andere Migrantinnen und Migranten ist sie erst nach Libyen, dann \u00fcbers Meer gefl\u00fcchtet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im M\u00e4rz dieses Jahres ging sie in Italien an Land und reiste dann weiter nach Deutschland. Sie habe in Deutschland Familie, hei\u00dft es in italienischen Medien, sei vor einer Zwangsheirat geflohen. Deutschland will sie nach Italien \u00fcberstellen. Der Hintergrund ist die sogenannte Dublin-Verordnung. Das bedeutet, jeder und jede Gefl\u00fcchtete muss in dem EU-Land einen Asylantrag stellen, das er oder sie zuerst betreten hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenn das nicht passiert und die Menschen woanders den Asylantrag stellen, k\u00f6nnen sie wieder in das erste Einreiseland zur\u00fcckgeschickt werden. Doch Italien will die junge Somalierin und weitere Asylbewerberinnen und -bewerber nicht zur\u00fccknehmen.<\/p>\n<p>    Italien spricht von einer &#8222;Altfallregelung&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das ganze Thema habe zwei Ebenen, sagt Italiens Innenminister Matteo Piantedosi in einem Interview mit dem Medienunternehmen Mediaset. Einerseits gehe es um die Durchsetzung europ\u00e4ischer Regeln, andererseits um den Schutz nationaler Interessen. Dazwischen l\u00e4gen diese Unstimmigkeiten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Piantedosi spricht in dem Interview auch \u00fcber eine Vereinbarung mit Deutschland zum Thema Dublin-F\u00e4lle, \u00fcber eine Art &#8222;Altfallregelung&#8220;, unter die auch Menschen wie die Somalierin fallen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Italien hat seit 2022 keinen der sogenannten Dublin-F\u00e4lle zur\u00fcckgenommen, mit der Begr\u00fcndung, dass das italienische Aufnahmesystem komplett \u00fcberlastet sei. In diesem Jahr, im Juni, wurde das Gemeinsame Europ\u00e4ische Asylsystem (GEAS) eingef\u00fchrt &#8211; eine umstrittene Reform, die unter anderem das Ziel hat, die Lasten aus der Migration gerechter in der EU zu verteilen.<\/p>\n<p>    Welche F\u00e4lle sind &#8222;Altf\u00e4lle&#8220; ?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Christopher Hein, Professor f\u00fcr Migration und Asylrecht an der Universit\u00e4t Luiss in Rom, sagt, f\u00fcr die Zeit vor GEAS hatten Italien und Deutschland eine politische \u00dcbereinkunft &#8211; die von Piantedosi angesprochene &#8222;Altfallregelung&#8220;. Seit Mitte Juni, als GEAS in Kraft trat, nehme Italien wieder Dublin-F\u00e4lle zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber wie so oft liegt der Teufel im Detail: Italien und Deutschland haben unterschiedliche Ansichten dar\u00fcber, ob Italien ab Mitte Juni Dublin-F\u00e4lle \u00fcbernehmen muss, die schon in Deutschland sind. Oder ob Italien nur die Migrantinnen und Migranten zur\u00fccknehmen muss, die ab Mitte Juni in die EU \u00fcber Italien einreisen. Die Somalierin ist genau so ein umstrittener Fall, sie ist im M\u00e4rz eingereist, sollte aber jetzt nach Italien \u00fcberstellt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Asylrechtsprofessor Hein sind das Spitzfindigkeiten &#8211; und eine traurige Geschichte f\u00fcr eine gemeinsame europ\u00e4ische Asylpolitik.<\/p>\n<p>    Italien fordert Kompensation wegen deutscher Seenotretter<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Italiens Vize-Ministerpr\u00e4sident Matteo Salvini von der rechten Lega fordert inzwischen, wie andere aus der Regierung, eine Kompensation von Deutschland &#8211; f\u00fcr die Migrantinnen und Migranten, die private Seenotrettungsschiffe unter deutscher Flagge aus dem Meer retten und nach Italien bringen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deutschland solle die Seenotrettungsschiffe deutscher NGOs stoppen, die Italien mit einem Fl\u00fcchtlingslager verwechselt h\u00e4tten, fordert Salvini.<\/p>\n<p>                    Bevor man uns eine einzige Person r\u00fcck\u00fcberstellt, sollen sie diesen NGOs die deutsche Flagge wegnehmen, die im Endeffekt Menschen von Nordafrika nach Italien bef\u00f6rdern. Danach k\u00f6nnen wir \u00fcber alles sprechen.<\/p>\n<p>Matteo Salvini, stellv. Ministerpr\u00e4sident Italien<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Christopher Hein haben Seenotrettung und Dublin-F\u00e4lle wenig miteinander zu tun. Er h\u00e4lt es f\u00fcr absolut unzul\u00e4ssig, die Rettung von Menschenleben mit asylrechtlichen Gesichtspunkten zu vermischen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gleichzeitig ist Deutschland f\u00fcr Italien ein wichtiger Partner, gerade im Bereich Migration. Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni und Bundeskanzler Friedrich Merz verstehen sich auch pers\u00f6nlich gut. Und so betont der italienische Innenminister Piantedosi auch, dass man mit Deutschland hervorragend kooperiere.<\/p>\n<p>    Wahlen setzen Merz und Meloni unter Druck<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das deutsche Innenministerium schreibt auf ARD-Anfrage ebenfalls, Deutschland und Italien arbeiteten in Fragen der Migrationspolitik eng und vertrauensvoll zusammen. Die Abstimmungen zur Umsetzung der europ\u00e4ischen Asylreform erfolgten in einem offenen und partnerschaftlichen Austausch. Der Konflikt scheint beiden Seiten also h\u00f6chst ungelegen zu kommen. Warum gibt also keiner nach?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Andrea de Petris ist der wissenschaftliche Direktor des Centro Politiche Europee in Rom. F\u00fcr ihn liegt das an den kommenden Wahlen: In Italien wird im n\u00e4chsten Jahr das Parlament gew\u00e4hlt, in Deutschland stehen im Herbst Landtagswahlen an. Sowohl Merz als auch Meloni bef\u00fcrchteten, dass Parteien wie die AfD und die italienische ultrarechte Splitterpartei von Roberto Vannacci ihnen Stimmen streitig machen, sagt de Petris.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Beide Regierungschefs demonstrierten eine harte Haltung in der Migrationspolitik, s\u00e4hen sie ausschlie\u00dflich in der Perspektive nationaler Interessen, um zu versuchen, keine Stimmen an Vannacci oder an die AfD zu verlieren.<\/p>\n<p>    Somalierin in Kirchenasyl<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie wirksam diese Strategie ist, sei offen, so de Petris. Umfragen zeigen allerdings in Deutschland und in Italien, dass sowohl die AfD als auch Vannaccis Partei im Aufwind sind. Daher, findet de Petris, sei es vielleicht nicht gerade der beste Schachzug, die Beziehungen zwischen Berlin und Rom in eine Krise zu st\u00fcrzen, um auf diese Spannungen zu reagieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die junge Frau aus Somalia jedenfalls, die zum Symbol f\u00fcr diese Spannungen wurde, ist mittlerweile nach Angaben der kirchlichen Fl\u00fcchtlingshilfsorganisation Matteo in einem Kirchenasyl in N\u00fcrnberg in Schutz genommen worden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass sie nach Italien r\u00fcck\u00fcberstellt wird, d\u00fcrfte vorerst unwahrscheinlich sein. Doch der Konflikt ist dadurch nicht gel\u00f6st &#8211; es gibt weitere Migrantinnen und Migranten, bei denen sich Italien und Deutschland dar\u00fcber streiten, wer f\u00fcr ihren Asylantrag zust\u00e4ndig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.08.2026 \u2022 10:28 Uhr Seit Juni gilt das neue EU-Asylsystem GEAS. 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