{"id":85627,"date":"2026-08-20T16:01:14","date_gmt":"2026-08-20T16:01:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/85627\/"},"modified":"2026-08-20T16:01:14","modified_gmt":"2026-08-20T16:01:14","slug":"ich-werde-keins-meiner-tiere-erschiessen-sikahirsch-halter-will-sich-gegen-eu-beschluss-wehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/85627\/","title":{"rendered":"\u201eIch werde keins meiner Tiere erschie\u00dfen\u201c: Sikahirsch-Halter will sich gegen EU-Beschluss wehren"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    2014 erf\u00fcllte sich Albert Schuler einen Traum: Er gab seine Landwirtschaft auf und stellte die rund zehn Hektar Land auf die Hirschzucht um. \u201eIch habe mir immer vorgestellt, ein Gehege zu besitzen\u201c, erz\u00e4hlt er. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/guenzburg\/von-der-quelle-bis-zur-abfuellung-so-kommt-das-mineralwasser-aus-autenried-in-die-flasche-114973791\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Rund 20 Sikahirsche h\u00e4lt er zwischen Autenried und Anhofen<\/a> f\u00fcr den Eigenbedarf. \u201eEs ist ein tolles Wild\u201c, sagt Schuler.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Er ist einer von rund 20 Sikahirschz\u00fcchtern in Bayerisch-Schwaben. Zumindest noch f\u00fcr ein Jahr, sofern am EU-Gesetz nichts mehr ver\u00e4ndert wird. Denn bald darf er sie nicht mehr halten, seine Sikahirsche. Seit Juli 2025 gelten die S\u00e4ugetiere als invasive Art. Im August 2027 l\u00e4uft die zweij\u00e4hrige \u00dcbergangsfrist aus. Was passiert dann mit Schulers Tieren?\n  <\/p>\n<p>            Sikas wurden vor 160 Jahren aus Ostasien nach Europa eingef\u00fchrt<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der urspr\u00fcngliche Lebensraum der Sikas erstreckt sich \u00fcber Ostchina, Sibirien, Korea, Japan und Nordvietnam. Vor etwa 160 Jahren  wurden sie nach Europa eingef\u00fchrt. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/plaedoyer-fuer-die-tiere-warum-sind-immer-mehr-tierarten-bedroht-113612347\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Seitdem konkurrieren sie mit den heimischen Rothirschen<\/a> und Damhirschen um Lebensraum und Nahrung. Sika- und Rothirsche k\u00f6nnen sich auch paaren. Die Nachkommen leiden jedoch \u00f6fter unter Gendefekten. Zudem wird eine genetische Verarmung der europ\u00e4ischen Rothirschpopulationen bef\u00fcrchtet, wenn sich der Sikahirsch weiter ausbreitet.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Aus diesen Gr\u00fcnden gibt die EU den heimischen Arten den Vorzug. F\u00fcr Schulers Zucht bedeutet es zun\u00e4chst einmal das Aus. \u201eEs ist eine Katastrophe\u201c, sagt er. Er ist Privathalter, kein gewerblicher. Die Tiere, die er entnimmt \u2013 ergo erschie\u00dft \u2013 sind f\u00fcr den Eigenbedarf. \u201eEs ist das schmackhafteste Wildbr\u00e4t, was man sich vorstellen kann.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Sikahirsche stehen seit 2025 auf der EU-Liste invasiver Arten<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Knapp ein Dutzend K\u00e4lber muss Schuler jedes Jahr entnehmen, damit das Rudel nicht zu gro\u00df wird. \u201e<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/krumbach\/toter-welpe-in-der-muelltonne-krumbacher-halter-bekommt-zwei-seiner-pudel-zurueck-2-115032550\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Das wird vom Veterin\u00e4ramt und der Jagdbeh\u00f6rde eng kontrolliert<\/a>\u201c, erkl\u00e4rt er. Einzelne Tiere verkauft oder tauscht er mit Haltern im Allg\u00e4u oder Bad W\u00f6rishofen, um die genetische Diversit\u00e4t zu erhalten. Blutaustausch wird das genannt.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/whatsapp-image-2026-08-20-at-08.jpg\" alt=\"Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege\" title=\"Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege<br \/>\n    Foto: Albert Schuler<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Albert Schuler mit seinen Enkeln im Sikagehege<br \/>\n    Foto: Albert Schuler<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Doch ob Zucht oder freie Wildbahn: Rechtlich macht das in der EU keinen Unterschied: \u201eInvasive gebietsfremde Arten von unionsweiter Bedeutung d\u00fcrfen nicht vors\u00e4tzlich gehalten werden. Auch nicht unter Verschluss\u201c, hei\u00dft es im Gesetzestext. Schuler sagt: \u201eEs gibt viele, bei denen das Gehege nicht sicher ist. Wenn da eine Schlamperei reinkommt, kann es passieren, dass die Tiere ausbrechen.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Rund 100.000 Euro hat er in die Sicherung seines Geheges gesteckt<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Schuler hat eigenen Angaben nach rund 100.000 Euro in die Sicherung seines Geheges gesteckt. Ein hoher Zaun umgibt den Lebensraum seiner Hirsche, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/guenzburg\/tote-rehe-in-rieden-und-grosskoetz-war-es-ein-wolf-113164517\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">dazu einen Unterschutz, damit kein Wolf hineinkommen kann<\/a>. Und selbst wenn ein Tier entkommen w\u00fcrde, w\u00e4re seiner Einsch\u00e4tzung nach die Gefahr einer Paarung mit einem Rothirsch sehr gering. \u201eEs gibt in der Gegend hier nicht viel Rotwild.\u201c\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/whatsapp-image-2026-08-18-at-185327.jpg\" alt=\"Rund 20 Sikahirsche h\u00e4lt Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.\" title=\"Rund 20 Sikahirsche h\u00e4lt Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Rund 20 Sikahirsche h\u00e4lt Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.<br \/>\n    Foto: Albert Schuler<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Rund 20 Sikahirsche h\u00e4lt Albert Schuler in seinem Gehege bei Autenried.<br \/>\n    Foto: Albert Schuler<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Gesetz ist jedoch Gesetz. Sofern sich nichts mehr \u00e4ndert, wird ab August 2027 die kommerzielle Haltung der Tiere verboten sein. \u201eIch d\u00fcrfte keinen Hirsch mehr halten\u201c, sagt Schuler. Der Sikahirsch ist nicht der einzige Neuzugang auf der Liste invasiver Arten. Mit dabei sind seit Juli 2025 unter anderem auch der Rotwangenb\u00fclb\u00fcl, ein asiatischer Singvogel, die Riesenposthornschnecke und der Gew\u00e4chshaus-Strudelwurm. Deren Verbreitung ist jedoch schwieriger zu kontrollieren als die der gro\u00dfen S\u00e4ugetiere.\n  <\/p>\n<p>            Der Deutsche J\u00e4gerverband betreibt Lobbyarbeit f\u00fcr den Sikahirsch<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sika-Haltern wird empfohlen, bereits in diesem Herbst die m\u00e4nnlichen Tiere zu entnehmen. Im November beginnt die Brunftzeit der Tiere. Die Tragezeit betr\u00e4gt bei Sikahirschen sieben bis acht Monate. Danach werden sie noch einige Zeit von ihrer Mutter ges\u00e4ugt, bis sich die Jungtiere selbst von Gr\u00e4sern, Bl\u00e4ttern und Kr\u00e4utern ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Zu sp\u00e4t also f\u00fcr die EU-\u00dcbergangsfrist. Deswegen soll bereits in diesem Jahr die Fortpflanzung unterbunden werden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Was passiert also im August 2027 mit Schulers weiblichen Hirschen? \u201eIch werde keins meiner Tiere erschie\u00dfen\u201c, sagt er mit fester Stimme. Doch das ist vielleicht gar nicht n\u00f6tig. Unter anderem setzt sich der Deutsche J\u00e4gerverband daf\u00fcr ein, die Einstufung der Sikas als invasive Art zu kippen.\n  <\/p>\n<p>            Laut Sprecherin der EU-Kommission sollen Ausnahmen m\u00f6glich sein<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/gescheiterte-abschiebungen-die-menschen-muessen-ja-nur-fuer-einen-kurzen-moment-abtauchen-115042959\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Eine Sprecherin der Europ\u00e4ischen Kommission best\u00e4tigte<\/a> zudem dem SWR, dass Ausnahmen m\u00f6glich seien. Gewerbliche Halter m\u00fcssen bis August 2027 sicherstellen, dass Sikawild nicht mehr gehalten und gez\u00fcchtet wird. Eine L\u00f6sung w\u00e4re, die Tiere in daf\u00fcr zugelassenen Zoos unterzubringen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/whatsapp-image-2026-08-18-at-184342.jpg\" alt=\"M\u00f6glicherweise gibt es noch Hoffnung f\u00fcr die Sikahirsche von Albert Schuler\" title=\"M\u00f6glicherweise gibt es noch Hoffnung f\u00fcr die Sikahirsche von Albert Schuler\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    M\u00f6glicherweise gibt es noch Hoffnung f\u00fcr die Sikahirsche von Albert Schuler<br \/>\n    Foto: Albert Schuler<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    M\u00f6glicherweise gibt es noch Hoffnung f\u00fcr die Sikahirsche von Albert Schuler<br \/>\n    Foto: Albert Schuler<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs-varying md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Nichtgewerbliche Halter wie Schuler d\u00fcrften laut der Kommissionssprecherin die Tiere bis zu ihrem Lebensende halten, wenn sichergestellt ist, dass sie nicht entkommen oder sich fortpflanzen k\u00f6nnen. Um diese Ausnahmen durchzusetzen, m\u00fcssen die EU-Mitgliedsstaaten einen Antrag bei der EU stellen. Wenn Deutschland also den Antrag stellt und dieser bewilligt wird, k\u00f6nnten zumindest die weiblichen Sikahirsche ihr restliches Leben in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-autenried\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"nofollow noopener\">Autenried<\/a> verbringen.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"2014 erf\u00fcllte sich Albert Schuler einen Traum: Er gab seine Landwirtschaft auf und stellte die rund zehn Hektar&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":85628,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[28272,28271,28273,18975,21,6,22,231,26226,28274,24287],"class_list":["post-85627","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-albert-schuler","tag-alfred-schuler","tag-autenried","tag-bayerisch-schwaben","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-landwirtschaft","tag-ostasien","tag-ostchina","tag-sika"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85627"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85627\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/85628"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}