{"id":85955,"date":"2026-08-21T08:14:09","date_gmt":"2026-08-21T08:14:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/85955\/"},"modified":"2026-08-21T08:14:09","modified_gmt":"2026-08-21T08:14:09","slug":"streit-um-dublin-faelle-diese-laender-wollen-migranten-nach-italien-zurueckschicken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/85955\/","title":{"rendered":"Streit um Dublin-F\u00e4lle: Diese L\u00e4nder wollen Migranten nach Italien zur\u00fcckschicken"},"content":{"rendered":"<p>Immer mehr europ\u00e4ische Regierungen k\u00fcndigen an, sogenannte Dublin-F\u00e4lle nach Italien zu \u00fcberstellen \u2013 oder melden bereits erfolgte R\u00fcckf\u00fchrungen.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/14\/migration-italienische-regierung-spanien-deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a>, der <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/19\/schweiz-uberstellungen-asylsuchende-italien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schweiz<\/a> sowie \u00d6sterreich und Finnland hat nun auch Schweden der italienischen Nachrichtenagentur ANSA best\u00e4tigt, die Regeln des neuen <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/06\/10\/eu-asylpakt-migration\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU-Pakts zu Asyl und Migration<\/a> \u201ewie vorgesehen anzuwenden\u201c. Der Pakt gilt seit dem zw\u00f6lften Juni. Stockholm erwartet, dass \u201ealle Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen erf\u00fcllen\u201c \u2013 Rom eingeschlossen.<\/p>\n<p>Spanien und Frankreich gehen den entgegengesetzten Weg. Beide L\u00e4nder sind ebenso wie Italien zentrale Erstaufnahmestaaten f\u00fcr Migranten in Europa, distanzieren sich aber von einer R\u00fcckf\u00fchrung in den Staat der ersten Einreise.<\/p>\n<p>Offen bleibt vor allem der Streit mit Madrid \u00fcber die von Italien verh\u00e4ngte <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/08\/14\/migration-italienische-regierung-spanien-deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aussetzung des Schengen-Abkommens im Zusammenhang mit der Migrationskrise in Ceuta<\/a>. Die Ma\u00dfnahme gilt noch bis zum 31. August.<\/p>\n<p>Dublin-F\u00e4lle: Wer sie sind und wie viele es gibt<\/p>\n<p>Als Dublin-F\u00e4lle gelten Menschen, die nach Europa kommen, um Asyl zu beantragen. Laut dem neuen EU-Pakt zur Migration sind sie verpflichtet, ihren Antrag im ersten Ankunftsstaat zu stellen.<\/p>\n<p>Laut Eurostat sind zwischen 2023 und 2025 insgesamt 109.427 \u00dcbernahmeersuchen an Rom gerichtet worden (<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/web\/products-eurostat-news\/w\/ddn-20240705-2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">2023<\/a>; <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/web\/products-eurostat-news\/w\/ddn-20250704-1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">2024<\/a>; <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/en\/web\/products-eurostat-news\/w\/ddn-20260703-1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">2025 <\/a>).<\/p>\n<p>Nimmt man die Zahlen f\u00fcr 2025, ist Italien mit mehr als 24.000 ersuchten \u00dcberstellungen von Dublin-F\u00e4llen der Staat mit den meisten Antr\u00e4gen in der EU.<\/p>\n<p>Davon stammen 14.000 \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Block \u2013 aus Deutschland und Frankreich. Diese \u00dcberstellungen w\u00fcrden dank eines <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/it\/meetings\/jha\/2025\/12\/08\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Abkommens, das Innenminister Piantedosi<\/a> Ende 2025 mit dem Rat \u201eJustiz und Inneres\u201c der Europ\u00e4ischen Union geschlossen hat, auf null reduziert.<\/p>\n<p>Rund 10.000 Antr\u00e4ge bleiben dennoch offen. Die meisten stammen aus jenen L\u00e4ndern, die sich nun zu Wort melden: aus der Schweiz (3.612 Ersuchen), \u00d6sterreich (644), Finnland (520), Belgien (1.531) sowie einigen Hundert F\u00e4llen aus weiteren Staaten, allen voran Schweden.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich teilte der Agentur LaPresse mit, seit Inkrafttreten des Pakts bereits vier Dublin-F\u00e4lle nach Italien zur\u00fcckgebracht zu haben.<\/p>\n<p>Wie Italien \u00dcberstellungen von Dublin-F\u00e4llen blockiert<\/p>\n<p>Italien hat die \u00dcberstellungen bereits Ende 2022 einseitig gestoppt. Dies geschah, obwohl ein <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/IT\/TXT\/?uri=CELEX%252525253A62024CJ0185\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Urteil <\/a>aus dem Jahr 2024 Rom im Unrecht sieht. Demnach kann sich ein Mitgliedstaat den Dublin-Pflichten nicht entziehen, da grunds\u00e4tzlich davon auszugehen ist, dass er Asylsuchende unter menschenw\u00fcrdigen Bedingungen aufnehmen kann.<\/p>\n<p>In einer ersten <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/IT\/TXT\/?qid=1729612373004&amp;uri=CELEX%25252525253A52026DC0387\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Bewertung <\/a>des neuen EU-Pakts zu Asyl und Migration stellt die EU-Kommission fest, dass Italien weiterhin \u00dcberstellungen ablehnt. Zwischen dem zw\u00f6lften Juni und dem siebten Juli habe Rom bereits zw\u00f6lf Transfers zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Zum Fall Italien hei\u00dft es ausdr\u00fccklich: \u201eEin aufnehmender Mitgliedstaat darf eine \u00dcberstellung nicht ablehnen und (\u2026) muss ein alternatives Datum f\u00fcr die \u00dcberstellung vorschlagen.\u201c<\/p>\n<p>Asylverfahren: Fristen f\u00fcr Antragstellung und Entscheidung<\/p>\n<p>Nach der bisherigen Dublin-Regelung galt: Wird ein Asylbewerber nicht innerhalb von zw\u00f6lf Monaten in den Erstaufnahmestaat \u00fcberstellt, entf\u00e4llt diese Zust\u00e4ndigkeit. Die Person kann dann im Land Asyl beantragen, in dem sie sich tats\u00e4chlich aufh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Der neue europ\u00e4ische Migrationspakt dehnt diese Verantwortung des Erstankunftsstaats jedoch auf 20 Monate aus.<\/p>\n<p>Seit seinem Inkrafttreten soll zudem die gro\u00dfe Mehrheit der Asylsuchenden den Bescheid \u00fcber ihren Antrag innerhalb von zw\u00f6lf Wochen erhalten.<\/p>\n<p>Seit Inkrafttreten sind allerdings noch keine drei Monate vergangen. Wie Piantedosi im Schengen-Ausschuss in der vergangenen Woche erkl\u00e4rte, ist ein belastbares Fazit daher noch nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dennoch stellt sich die Frage, ob ein Land wie Italien abgelehnte Asylsuchende aus sicheren Herkunftsstaaten in nur drei Monaten zur\u00fcckf\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Eine erste, wenn auch nur teilweise Antwort wird der n\u00e4chste Bericht der EU-Kommission liefern, der f\u00fcr Mitte Oktober vorgesehen ist.<\/p>\n<p>Warum Frankreich und Spanien bei Dublin-R\u00fcckf\u00fchrungen nicht mitziehen<\/p>\n<p>Angesichts der Lage in der Migrationspolitik ist nachvollziehbar, dass viele europ\u00e4ische Staaten den Druck auf Italien erh\u00f6hen \u2013 insbesondere nach dem <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/07\/31\/ceuta-migration-krise-italien-schengen-abkommen-spanien\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Schengen-Stopp gegen\u00fcber Spanien und der harten Linie Melonis<\/a>, die deutlich von der Solidarit\u00e4t, die der neue Pakt fordert, abr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Anders als die nordischen L\u00e4nder will Frankreich \u2013 so verlautete es aus informierten Kreisen in Paris gegen\u00fcber ANSA \u2013 sich vorerst \u201enicht den Staaten anschlie\u00dfen\u201c, die Migranten nach Italien zur\u00fcckschicken. Dies gelte \u201esolange diese Phase der Zusammenarbeit und Ann\u00e4herung\u201c mit Rom andauere. Beide L\u00e4nder, so die Quellen weiter, \u201eteilen den Willen, die Abfahrten aus Tunesien und Libyen sp\u00fcrbar zu verringern\u201c.<\/p>\n<p>Auch die spanische Regierung ist den Angaben aus dem Innenministerium zufolge \u201edaf\u00fcr\u201c, die Frage der sogenannten Dublin-F\u00e4lle \u00fcber die im europ\u00e4ischen Pakt zu Migration und Asyl vorgesehenen Solidarit\u00e4tsmechanismen und die j\u00fcngsten EU-Normen zu regeln. Man ziehe dies \u201eisolierten bilateralen Abschiebungen oder Beschr\u00e4nkungen\u201c vor, hie\u00df es gegen\u00fcber ANSA.<\/p>\n<p>Politische Reaktionen in Italien auf die Dublin-Krise<\/p>\n<p>Der Streit sch\u00fcrt zwangsl\u00e4ufig die innenpolitische Debatte in Italien, die schon nach der Ceuta-Krise und dem Schengen-Konflikt mit Spanien hochgekocht war. Elly Schlein spricht von einem \u201ekolossalen Bumerang\u201c der propagandistischen Idee von Giorgia Meloni.<\/p>\n<p>Wegen ihrer \u201eblinden Ideologie\u201c habe Meloni \u201enie die wichtigste Auseinandersetzung in Br\u00fcssel im nationalen Interesse gef\u00fchrt: jene um die europ\u00e4ische Solidarit\u00e4t, auch bei der Aufnahme\u201c, erkl\u00e4rte die Vorsitzende der gr\u00f6\u00dften Oppositionspartei.<\/p>\n<p>Giuseppe Conte spottete \u00fcber das \u201eMeisterwerk\u201c der Premierministerin: \u201eDie R\u00fcckf\u00fchrungen funktionieren, aber gegen uns\u201c, schrieb er in sozialen Netzwerken.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt keinerlei Zusammenhang zwischen der Aussetzung von Schengen wegen der Ereignisse in Ceuta und der legitimen Entscheidung einiger europ\u00e4ischer Staaten, die R\u00fcck\u00fcberstellungen von Dublin-F\u00e4llen wieder aufzunehmen\u201c, erkl\u00e4rte Carlo Fidanza, Delegationsleiter der Fratelli d\u2019Italia im Europ\u00e4ischen Parlament. Die Angelegenheit betreffe \u201enur eine geringe Zahl von F\u00e4llen zwischen August 2025 und dem 11. Juni 2026\u201c. F\u00fcr Personen, die nach dem zw\u00f6lften Juni eingereist seien, werde \u201edie Zahl m\u00f6glicher R\u00fcck\u00fcberstellungen drastisch sinken\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Immer mehr europ\u00e4ische Regierungen k\u00fcndigen an, sogenannte Dublin-F\u00e4lle nach Italien zu \u00fcberstellen \u2013 oder melden bereits erfolgte R\u00fcckf\u00fchrungen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":85956,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2071,13,14,19520,78,500,14035,2013],"class_list":["post-85955","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-einwanderung","tag-europaeisch","tag-europaeische","tag-internationale-nachrichten","tag-italien","tag-migranten","tag-migrantenkrise","tag-schweden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85955","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=85955"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/85955\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/85956"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=85955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=85955"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=85955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}