{"id":93552,"date":"2026-09-06T14:47:08","date_gmt":"2026-09-06T14:47:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/93552\/"},"modified":"2026-09-06T14:47:08","modified_gmt":"2026-09-06T14:47:08","slug":"wie-sich-deutschland-und-europa-gegen-putins-hybride-angriffe-wehren-koennen-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/93552\/","title":{"rendered":"Wie sich Deutschland und Europa gegen Putins hybride Angriffe wehren k\u00f6nnen &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Abschreckung beruht auf einer einfachen Tatsache: Der Gegner muss glauben, dass man die Mittel und die Entschlossenheit besitzt, ihn dort zu treffen, wo es schmerzt. Deutschland und Europa bauen Raketen, Drohnen und Cyberwaffen, weil sie wissen: Wer abschrecken will, muss handlungsf\u00e4hig sein. Im Ringen darum, was Menschen glauben und wie sie sich verhalten \u2013 der kognitiven Dom\u00e4ne \u2013, haben wir dagegen einen blinden Fleck. Obwohl unsere Demokratie gerade hier besonders verwundbar ist, verhalten wir uns rein reaktiv. Wir \u00fcberwachen unseren Informationsraum, entkr\u00e4ften Fake News, versuchen, soziale Medien zu regulieren \u2013 und halten das f\u00fcr die ganze Aufgabe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/podcast-das-thema-recherche-ki-ai-krieg-militaer-anthropic-pentagon-li.3464289\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;wie_ki_kriege_veraendert&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;podcast&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3464289&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;metered&quot;,&quot;section&quot;:&quot;politik&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedepolitikpodcast-das-thema-recherche-ki-ai-krieg-militaer-anthropic-pentagon-li3464289\" class=\"css-14tg8sh\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/6ba371d7-d4f1-434d-8285-1596ecc4874d.png\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>SZ-Podcast \u201eDas Thema\u201c<\/p>\n<p>:Wie KI Kriege ver\u00e4ndert<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-schema-org-speakable=\"true\">Zielen, steuern, treffen: Wenn k\u00fcnstliche Intelligenz selbst den Abzug dr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Von Andrian Kreye, Henk Ruigrok van der Werven und Lars Langenau<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch das entscheidende Terrain der kognitiven Auseinandersetzung ist nicht die eigene Gesellschaft, sondern die des Angreifers. Nicht, wie gut wir russische Narrative herausfiltern, ist entscheidend, sondern wie gut wir die Maschinerie, die sie erzeugt, verstehen und auf sie einwirken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vor mehr als einem Jahrzehnt forderte General Waleri Gerassimow, Russland solle nichtmilit\u00e4rische gegen\u00fcber milit\u00e4rischen Mitteln im Verh\u00e4ltnis von etwa vier zu eins gewichten \u2013 um Kriege zu gewinnen, bevor ein Schuss f\u00e4llt. Russland hat genau diese Maschine im Informationsraum gebaut.<\/p>\n<p>KI-Chatbots fluten das Internet mit kremlnahen Falschbehauptungen zu ganz konkreten Fragen<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zwei Methoden zeigen, wie weit es damit gekommen ist. Bot-Farmen \u2013 gro\u00dfe Netzwerke gef\u00e4lschter Accounts, zunehmend KI-gesteuert \u2013 \u00fcberschwemmen die sozialen Medien, um den Anschein eines Konsenses zu erzeugen. Perfider noch: Da KI-Chatbots heute auf Live-Ergebnisse aus dem Netz zugreifen, kann das Fluten des Internets mit Tausenden identischer Falschbehauptungen die Antwort auf eine konkrete Frage besetzen \u2013 zu einem Politiker, einer Schlacht, einer Sanktion \u2013, sodass Nutzer kremlnahe Antworten erhalten, ohne die Quelle zu ahnen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nirgendwo werden diese Methoden so intensiv eingesetzt und nirgendwo sind sie so gef\u00e4hrlich wie vor Wahlen. Analysen in Rum\u00e4nien, Moldau und Armenien zeigen identische Muster: massive Manipulation von Narrativen, Cyberangriffe, wirtschaftlicher Druck. Vor den deutschen Landtagswahlen hat Russland in sozialen Medien Kampagnen wie Matrjoschka und \u201eStorm-1516\u201c eingesetzt, um etablierte Parteien zu verunglimpfen und AfD und BSW zu beg\u00fcnstigen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/3de684d2-d9eb-4a51-93fa-d93703bf520e.jpg\"   alt=\"SZ-Gastautor Sviat Hnizdovskyi (l.) ist Gr\u00fcnder und CEO von Open Minds; Ko-Autor\u00a0Arndt Freytag von Loringhoven ist ehemaliger Vizepr\u00e4sident des BND.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>SZ-Gastautor Sviat Hnizdovskyi (l.) ist Gr\u00fcnder und CEO von Open Minds; Ko-Autor\u00a0Arndt Freytag von Loringhoven ist ehemaliger Vizepr\u00e4sident des BND.<\/p>\n<p>Foto: privat, IMAGO\/NUR Photo\/Mateusz Wlodarczyk<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Verteidigung der Heimatfront ist dringend notwendig, aber nicht hinreichend. Eine rein reaktive Haltung ist zu einem Katz-und-Maus-Spiel verdammt, in dem jede aufgedeckte Operation von der n\u00e4chsten abgel\u00f6st wird \u2013 und wir stets einen Zug zur\u00fcckliegen. In der kognitiven Dom\u00e4ne hat der einen enormen Vorteil, der zuerst handelt. Wirksame Abschreckung entsteht aber nicht allein daraus, schneller zu reagieren, sondern daraus, zu verstehen, was Russlands eigene Kriegsmaschine antreibt, damit der Kreml wei\u00df: Wir sehen seine Schw\u00e4chen und k\u00f6nnen sie, wenn n\u00f6tig, dort treffen, wo es schmerzt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Hierf\u00fcr sind aus unserer Sicht drei Faktoren entscheidend.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Russlands Schw\u00e4chen in den Fokus nehmen: Im hybriden Krieg hei\u00dft \u201eRussland verstehen\u201c zu begreifen, wie das Regime seine Kriegsmaschine am Laufen h\u00e4lt und seine Soldaten rekrutiert \u2013 zu welchem Preis, mit welchem Zwang, mit welchen Verlusten \u2013, auch wo seine r\u00fcstungsindustriellen Lieferketten anf\u00e4llig sind und ob Sanktionen tats\u00e4chlich sp\u00fcrbar sind.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ukrainische Experten haben kartiert, wo das Regime verwundbar ist \u2013 und besonders die Rekrutierung ist eine empfindliche Bruchstelle. Eine Untersuchung von Open Minds von 132 000 Beitr\u00e4gen auf Plattformen wie Vkontakte und Telegram sowie 9300 Stellenanzeigen ergab, dass 2025 rund jede f\u00fcnfte Rekrutierungsanzeige den Milit\u00e4rdienst als \u201esicheren\u201c, \u201efrontfernen\u201c Dienst darstellte. Tats\u00e4chlich wurden M\u00e4nner, die mit dem Versprechen einer r\u00fcckw\u00e4rtigen Verwendung geworben wurden, binnen Wochen an die Front geschickt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Verwundbar ist Moskau auch an anderen Punkten, wo die Menschen das Vertrauen in die Regimepropaganda verloren haben. Dies gilt besonders f\u00fcr die hohen sozialen und \u00f6konomischen Kosten des Ukrainekriegs. Wo regionale Anwerbepr\u00e4mien, das Kerninstrument der Rekrutierung, stagnieren oder gek\u00fcrzt werden, w\u00e4hrend die Inflation weiterl\u00e4uft, entwertet sich das Angebot des Regimes. Zugleich schm\u00e4lern diese Zahlungen zunehmend andere Ausgaben des Staates. Die Kosten des Krieges werden damit unmittelbar am K\u00fcchentisch sp\u00fcrbar. Und mit den heimkehrenden Veteranen w\u00e4chst die Gewaltkriminalit\u00e4t \u2013 ein Thema, das viele Menschen zutiefst besorgt und bei dem die Botschaften des Regimes in offenkundigem Widerspruch zu dem stehen, was die Menschen vor Ort erleben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/goethe-institute-russland-schliessung-reaktion-kulturpolitik-li.3541709\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;es_braucht_jetzt_europaeischen_groessenwahn&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;debatte&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3541709&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;kultur&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedekulturgoethe-institute-russland-schliessung-reaktion-kulturpolitik-li3541709\" class=\"css-14tg8sh\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/fee3e13c-1bf9-4a31-954b-9de322595c64.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Russische Aggressionen<\/p>\n<p>:Es braucht jetzt europ\u00e4ischen Gr\u00f6\u00dfenwahn<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-schema-org-speakable=\"true\">Russland schlie\u00dft die Goethe-Institute \u2013 als Symbol des gegenseitigen Vertrauensverlusts. Aber ist das wirklich so schlimm? Man k\u00f6nnte die ausw\u00e4rtige Kulturpolitik gleich ganz anders denken.<\/p>\n<p>SZ PlusEssay von Nils Minkmar<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">An solchen Druckpunkten kann wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Information, richtig platziert, die realen Kosten von Russlands Krieg erh\u00f6hen. Westliche Regierungen, Medien und Nachrichtendienste sollten diese M\u00f6glichkeiten st\u00e4rker nutzen und f\u00fcr diese Aufgabe ausgestattet werden. Die \u201eBeinfreiheit\u201c, die f\u00fcr den BND gefordert wird, gilt f\u00fcr die kognitive Dom\u00e4ne nicht weniger als f\u00fcr die klassische Spionage.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Von der Reaktion zur Aktion: Russlands Schw\u00e4chen zu treffen, bedeutet nicht, Russlands Methoden zu spiegeln. Wir m\u00fcssen unsere \u00fcberholten Vorstellungen davon \u00fcberwinden, was Propaganda ist. Es geht nicht mehr um Wahrheit gegen L\u00fcge, nicht einmal um Trolle und Bots gegen Menschen \u2013 es geht darum, wer tiefer an die Identit\u00e4ten und Kr\u00e4nkungen der Menschen r\u00fchrt. Wahrheit, gut eingesetzt, ist ein scharfes Schwert: nicht als trockener Faktencheck, sondern als ehrliche Offenlegung dessen, was Russen ohnehin sp\u00fcren. Der vermeintlich \u201esichere Dienst\u201c, der schnell an der Front endet, benennt einen Verrat, den russische Familien f\u00fchlen, bevor sie ihn in Worte fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Wie kann der Westen die russische Gesellschaft erreichen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Kalten Krieg trug Radio Liberty unzensierte Informationen \u00fcber den Eisernen Vorhang und erreichte auf seinem H\u00f6hepunkt rund 17 Prozent der erwachsenen Sowjetb\u00fcrger. Die Aufgabe, in die Tiefe der russischen Gesellschaft hineinzuwirken, stellt sich heute in neuer Form. Einerseits verleiht der technologische Fortschritt auch dem Westen v\u00f6llig neue, bisher kaum genutzte mediale Einflussm\u00f6glichkeiten. Doch werden diese begrenzt durch fortlaufende Beschr\u00e4nkungen des Internetzugangs. Zudem erreichen offen kremlkritische Kan\u00e4le nur ein begrenztes, ohnehin \u00fcberzeugtes Publikum, bekannte Dissidenten werden oft reflexhaft abgetan oder \u2013 in einem sich versch\u00e4rfenden Polizeistaat \u2013 aus Furcht vor dem gemieden, was ein durchsuchtes Telefon offenbaren k\u00f6nnte. Die Aufgabe ist deshalb subtiler: Wie k\u00f6nnen wir den Menschen innerhalb ihres eigenen Sinnhorizonts begegnen, anstatt von au\u00dfen auf sie einzureden? \u00dcber welche Kan\u00e4le, denen die Menschen vertrauen und die sie gefahrlos erreichen, lassen sich glaubw\u00fcrdige Informationen vermitteln?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wenn es darum geht, wie und mit welchen Themen man die russische Gesellschaft am besten erreicht, kann Europa viel von der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ukraine\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a> lernen. Ihre Erfahrung beweist, dass Zugang und Wirkung auch ungeachtet von shrinking spaces durchaus m\u00f6glich sind. Hierf\u00fcr bieten sich dezentrale Netzwerke und allt\u00e4gliche digitale R\u00e4ume an \u2013 dort, wo Menschen nicht \u00fcber Politik, sondern \u00fcber ihr eigenes Leben sprechen. Deutschland kann dabei mit NGOs und russischsprachigen Medien zusammenarbeiten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/russland-deutschland-putin-drohnen-sanktionen-hybrider-krieg-li.3540668\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;verklaert_und_unverstanden&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;debatte&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3540668&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;kultur&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedekulturrussland-deutschland-putin-drohnen-sanktionen-hybrider-krieg-li3540668\" class=\"css-14tg8sh\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/95fd018b-a7bd-40c3-8381-e084d085f49a.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Deutsch-russisches Verh\u00e4ltnis<\/p>\n<p>:Verkl\u00e4rt und unverstanden<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-schema-org-speakable=\"true\">Die deutsche Debatte \u00fcber Russland ist auf linker wie rechter Seite ein engagiertes, bisweilen realit\u00e4tsfernes Selbstgespr\u00e4ch. Das n\u00fctzt vor allem: Wladimir Putin.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es geht aber nicht allein darum, ob eine Botschaft in der Breite der Bev\u00f6lkerung verf\u00e4ngt, sondern auch darum, wie die F\u00fchrung in Moskau \u2013 die politische, milit\u00e4rische und sicherheitspolitische Entscheidungsebene \u2013 die Stimmung im eigenen Land liest. Wenn der Kreml zus\u00e4tzliche Rekrutierungswellen plant oder eine Eskalation in Richtung Baltikum erw\u00e4gt, st\u00fctzt er sich auf Daten und auf sein Bild von der eigenen Gesellschaft: Wie viele M\u00e4nner lassen sich noch anwerben, und zu welchem Preis? Wie viele w\u00fcrden das Land verlassen, wenn eine neue Mobilisierung k\u00e4me? Wie weit tr\u00e4gt die Zustimmung, wenn die Kosten steigen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das Regime mag \u00fcberzeugt sein, seiner Bev\u00f6lkerung jede beliebige Version der Wirklichkeit verordnen zu k\u00f6nnen \u2013 doch genau in dieser Selbstgewissheit liegt eine L\u00fccke. Die \u00d6konomie des Krieges l\u00e4sst sich nicht wegdefinieren, und das Bild, das die F\u00fchrung von ihrem eigenen R\u00fcckhalt gewinnt, ist beeinflussbar. Wer diese Wahrnehmung vorausschauend pr\u00e4gt, wirkt nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auf die Kalkulation derer, die \u00fcber Eskalation entscheiden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eine europ\u00e4ische Koalition der Willigen: Nicht nur die Ukraine, auch Europa sollte angesichts der zunehmenden hybriden Aggression bereit sein, im kognitiven Krieg einen aktiveren Part zu \u00fcbernehmen. Hierf\u00fcr braucht es Leadership und neue Formen der Zusammenarbeit, am besten in einer Koalition der Willigen. Eine solche Koalition k\u00f6nnte die Analysen aus Regierung, Denkfabriken und Privatwirtschaft zu einem fortlaufend aktualisierten Bild von Russlands Verwundbarkeiten b\u00fcndeln. Diese Erkenntnisse w\u00fcrden es der Politik erm\u00f6glichen, zielgerichteter als bisher auf Russlands Schwachstellen einzuwirken \u2013 mit eigenen Narrativen, Sanktionen, wirtschaftlichem Druck oder Diplomatie. Hierzu k\u00f6nnten die Mitglieder der Koalition die F\u00e4higkeiten und das Know-how aufbauen, die eine breit aufgestellte Abschreckung heute erfordert.<\/p>\n<p>Eine wirksame Abschreckung muss ethischen Grunds\u00e4tzen folgen \u2013 und offen angek\u00fcndigt werden<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eine solche Koalition w\u00e4re mehr als ein weiteres Format zur Unterst\u00fctzung der Ukraine. Ihr Zweck w\u00e4re es, Russlands F\u00e4higkeit zur hybriden Aggression gezielt zu schw\u00e4chen und damit zur Deeskalation beizutragen \u2013 als gemeinsame Plattform f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Russland, f\u00fcr kognitive Abschreckung und f\u00fcr die Abwehr russischer Desinformation.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Daf\u00fcr m\u00fcssen zwei Dinge rasch gekl\u00e4rt werden. Erstens die ethischen Grunds\u00e4tze. Was der Westen in der kognitiven Dom\u00e4ne tut, muss auf wahrheitsgem\u00e4\u00dfer Information beruhen und parlamentarisch kontrollierbar sein. Diese Prinzipien sollten nicht am Ende jahrelanger Debatten stehen, sondern z\u00fcgig definiert werden \u2013 sie sind die Voraussetzung daf\u00fcr, \u00fcberhaupt handlungsf\u00e4hig zu werden, und nicht ein nachtr\u00e4glicher Vorbehalt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Zweitens die Ank\u00fcndigung. Abschreckung wirkt nur, wenn sie klar und deutlich ausgesprochen wird. Europa sollte deshalb offen erkl\u00e4ren, dass es diese F\u00e4higkeiten aufbaut, nach welchen Regeln es sie einsetzt und unter welchen Umst\u00e4nden es bereit ist, sie zu nutzen. Moskau muss wissen, dass seine Verwundbarkeiten bekannt sind und dass sie, wenn n\u00f6tig, genutzt werden. Erst dann wird aus Analyse Abschreckung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Arndt Freytag von Loringhoven ist ehemaliger Vizepr\u00e4sident des BND; Sviat Hnizdovskyi ist Gr\u00fcnder und CEO von Open Minds.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Abschreckung beruht auf einer einfachen Tatsache: Der Gegner muss glauben, dass man die Mittel und die Entschlossenheit besitzt,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":93553,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[218,3174,6,20047,162,210,35,385,45,43],"class_list":["post-93552","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-ausland","tag-debatte","tag-europa","tag-hybride-kriegsfuehrung","tag-kultur","tag-kuenstliche-intelligenz","tag-russland","tag-sueddeutsche-zeitung","tag-ukraine","tag-wladimir-putin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93552","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93552"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93552\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/93553"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93552"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93552"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93552"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}