{"id":93759,"date":"2026-09-07T06:47:15","date_gmt":"2026-09-07T06:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/93759\/"},"modified":"2026-09-07T06:47:15","modified_gmt":"2026-09-07T06:47:15","slug":"wir-wollen-europas-fuehrendes-boersennotiertes-quantenunternehmen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/93759\/","title":{"rendered":"\u201eWir wollen Europas f\u00fchrendes b\u00f6rsennotiertes Quantenunternehmen werden\u201c"},"content":{"rendered":"<p>IQM Quantum Computers wagt den Schritt an die internationalen Kapitalm\u00e4rkte: \u00dcber den Zusammenschluss mit einer USSPAC strebte das finnisch-deutsche Deeptech-Unternehmen ein Doppellisting an der Nasdaq in New York und der Nasdaq Nordic in Helsinki an. Im Gespr\u00e4ch erl\u00e4utert Dr. Sierk Poetting, Vorsitzender des Verwaltungsrats von IQM, die Hintergr\u00fcnde der Transaktion, die Bedeutung europ\u00e4ischer Technologiesouver\u00e4nit\u00e4t und die neuen Anforderungen an Finanzierung und Corporate Governance. Anm. d. Red.: Das Interview wurde am 2. Juli 2026 gef\u00fchrt. Inzwischen ist IQM b\u00f6rsennotiert.<\/p>\n<p>Warum hat sich IQM f\u00fcr den B\u00f6rsengang (IPO) \u00fcber eine SPAC entschieden und nicht f\u00fcr einen klassischen B\u00f6rsengang?<\/p>\n<p>Dr. Poetting: Die Entscheidung f\u00fcr eine SPAC, konkret die Partnerschaft mit der Real Asset Acquisition Corp. (RAAQ), war ein strategischer Schritt, um den Kapitalbedarf f\u00fcr unser wachstumsstarkes und forschungsintensives Gesch\u00e4ft effizient zu decken. Ein SPAC-Prozess bietet uns nicht nur einen schnelleren Zugang zu den globalen Kapitalm\u00e4rkten, sondern erm\u00f6glichte uns auch, die operative und mehrheitliche Kontrolle \u00fcber das Unternehmen zu behalten. Das Management und die Altaktion\u00e4re werden nach dem Abschluss weiterhin \u00fcber 80 % der Stimmrechte halten. Zudem profitieren wir massiv von der industriespezifischen Expertise des RAAQ-Teams, das tief in der Quantencomputing-Branche verwurzelt ist. Mit einem SPAC-Trust von RAAQ von \u00fcber 100 Mio. USD sowie einer PIPE-Finanzierung von 146 Mio. USD stellte das SPAC-IPO die erforderlichen finanziellen Mittel zur Umsetzung unserer Strategie bereit. Diesen strukturellen Vorteil einer SPAC haben auch bereits vor uns gelistete Quantenunternehmen wie IonQ, Rigetti, D-Wave oder Infleqtion erfolgreich genutzt.<\/p>\n<p>Sie strebten ein Doppellisting an der Nasdaq in New York und an der Nasdaq Nordic in Helsinki an. Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser zweigleisigen Strategie?<\/p>\n<p>Das Hauptziel ist die Maximierung unseres Unternehmenswerts durch globalen Kapitalzugang bei gleichzeitiger Wahrung unserer europ\u00e4ischen Identit\u00e4t. Die Nasdaq in New York ist der weltweit bedeutendste Marktplatz f\u00fcr Technologieunternehmen; dort erreichen wir die spezialisierten institutionellen Investoren, die die Dynamik von Deeptech-Unternehmen verstehen. Das zus\u00e4tzliche Listing in Helsinki sichert unsere Verbindung zum Heimatmarkt und erlaubt es finnischen, aber auch europ\u00e4ischen Anlegern, direkt in unsere Stammaktien zu investieren, was die Liquidit\u00e4t insgesamt erh\u00f6ht. IQM ist dabei nicht nur ein Technologieunternehmen mit hoher Forschungsintensit\u00e4t, sondern hat zudem seine Entwicklungen bereits erfolgreich in den Markt gebracht. Nach eigener Einsch\u00e4tzung hat das Unternehmen mehr Quantencomputer verkauft als seine unmittelbaren Wettbewerber und den Schritt von der Technologieentwicklung zur industriellen Anwendung fr\u00fcher als viele andere Anbieter vollzogen. Dies spricht f\u00fcr die F\u00e4higkeit, wissenschaftliche Innovationen in marktf\u00e4hige Produkte und konkrete Kundenl\u00f6sungen zu \u00fcberf\u00fchren. Wir wollen das erste b\u00f6rsennotierte europ\u00e4ische Quantencomputing-Unternehmen von Weltrang sein.<\/p>\n<p>Warum bleibt die \u201eListCo\u201c (die b\u00f6rsennotierte Muttergesellschaft) in Finnland? Ist dieser Weg \u2013 erst Europa, dann Expansion in die USA \u2013 typisch f\u00fcr die Branche?<\/p>\n<p>IQM ist ein Spin-out der Aalto-Universit\u00e4t und tief im finnischen Forschungs\u00f6kosystem verwurzelt. Der Verbleib in Finnland ist ein Bekenntnis zur europ\u00e4ischen technologischen Souver\u00e4nit\u00e4t,mdie f\u00fcr unsere staatlichen und wissenschaftlichen Kunden von zentraler Bedeutung ist. Der Anspruch technologischer Souver\u00e4nit\u00e4t spiegelt sich bei IQM auch in der Unternehmensstruktur wider. Mit einer eigenen Chipfertigung in Finnland und Aktivit\u00e4ten rund um den Aufbau einer europ\u00e4ischen Quantencomputing-Infrastruktur verfolgt das Unternehmen einen Ansatz, der auf europ\u00e4ische Wertsch\u00f6pfung setzt. Eine besondere Rolle spielt dabei Deutschland. In M\u00fcnchen besch\u00e4ftigt IQM inzwischen mehr als 100 Mitarbeiter. Dar\u00fcber hinaus wurden bereits mehrere Quantencomputer an deutsche Forschungseinrichtungen geliefert, darunter das Leibniz-Rechenzentrum in Garching, das Forschungszentrum J\u00fclich und die Universit\u00e4t Heilbronn. Zudem genie\u00dfen wir als finnisches Unternehmen in den USA den Status eines \u201eForeign Private Issuer\u201c (FPI). Das bietet uns erhebliche Vorteile: Wir k\u00f6nnen weitgehend unseren finnischen Corporate-Governance-Standards folgen, was administrativ effizienter ist und uns von bestimmten strengen US-Offenlegungspflichten befreit. Der Weg ist f\u00fcr europ\u00e4ische Deeptech-Champions durchaus sinnvoll: Man nutzt die exzellente Forschungsbasis in Europa und holt sich das Wachstumskapital f\u00fcr die Skalierung aus den USA.<\/p>\n<p>Der US-SPAC-Markt ist hart umk\u00e4mpft. Warum ist Ihre Wahl gerade auf RAAQ gefallen?<\/p>\n<p>Es gab in der Tat Wettbewerb, aber RAAQ hat uns durch das Team \u00fcberzeugt. Berater wie David Moehring, der Gr\u00fcnder und ehemalige CEO von IonQ, bringen ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die operative Realit\u00e4t eines Quantencomputerherstellers mit. RAAQ war kein reiner Finanzinvestor, sondern ein Partner, der unsere vertikale Integrationsstrategie versteht \u2013 von der Chipfertigung bis zur kompletten Systembereitstellung. Die Bedingungen des Zusammenschlusses waren zudem fair und sichern unsere Unabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<p>Wie lange hat der gesamte DeSPACing-Prozess von der ersten Idee bis zum B\u00f6rsengang gedauert?<\/p>\n<p>Insgesamt hat der Prozess etwa 13 bis 14 Monate in Anspruch genommen. Der erste Kontakt mit dem Management von RAA fand im Mai 2025 statt, gefolgt von einer intensiven Due-Diligence-Phase und den Verhandlungen \u00fcber die Struktur mit einer finnischen TopCo und einem Dual Listing. Die formelle Fusionsvereinbarung (Business Combination Agreement) wurde im Februar 2026 unterzeichnet und zeitgleich bei der US-Wertpapieraufsichtsbeh\u00f6rde (SEC) ver\u00f6ffentlicht. Nach der Pr\u00fcfung durch die SEC im Fr\u00fchjahr 2026 stand am 25. Juni die entscheidende Aktion\u00e4rsversammlung von RAAQ an.<\/p>\n<p>Welche Corporate-Governance-Strukturen haben Sie implementiert und wie passen diese zur neuen Rolle als b\u00f6rsennotiertes Unternehmen?<\/p>\n<p>Mit dem B\u00f6rsengang wandeln wir IQM in eine \u00f6ffentliche Aktiengesellschaft nach finnischem Recht (Oyj) um. Wir haben einen Verwaltungsrat (Board of Directors) etabliert, der strategisch leitet, \u00fcberwacht und den CEO miteinschlie\u00dft. Ein Management Board f\u00fchrt wie ein deutscher Vorstand das operative Gesch\u00e4ft. Das Board of Directors besteht aus sieben Mitgliedern, wobei wir Wert auf Unabh\u00e4ngigkeit und Branchenexpertise gelegt haben. Es wurden spezialisierte Aussch\u00fcsse f\u00fcr Audit, Verg\u00fctung und Nominierung gebildet. Diese Struktur kombiniert finnische Transparenz mit den internationalen Anforderungen der Nasdaq und bietet dadurch eine verl\u00e4ssliche Basis f\u00fcr Investoren.<\/p>\n<p>Welche Bedeutung hat die Mitarbeiter- und F\u00fchrungskr\u00e4ftebeteiligung f\u00fcr IQM als Deeptech-Unternehmen?<\/p>\n<p>In unserer Branche sind hoch qualifizierte K\u00f6pfe \u2013 wir haben \u00fcber 120 PhDs im Team \u2013 das wichtigste Kapital. Die Beteiligung am Unternehmenserfolg ist essenziell, um diese Talente langfristig zu binden. Wir nutzen hierzu verschiedene Aktienund Aktienoptionsprogramme, die teilweise bereits mehrere Jahre vor dem IPO an unsere Mitarbeiter ausgegeben wurden. Dar\u00fcber hinaus halten wir einen weiteren Aktienpool vor, den wir k\u00fcnftig sowohl an neue als auch an bestehende Mitarbeiter ausgeben wollen, um sicherzustellen, dass unsere Belegschaft nachhaltig an der Wertsteigerung des Unternehmens partizipiert. Gleichzeitig unterliegen F\u00fchrungskr\u00e4fte strengen Lock-up-Fristen f\u00fcr ihre gehaltenen Anteile von bis zu zw\u00f6lf Monaten, was die langfristige Ausrichtung und das Vertrauen der Investoren in unser Management unterstreicht.<\/p>\n<p>Wie k\u00f6nnen deutsche Privatanleger in dieses finnisch-deutsche Unternehmen investieren?<\/p>\n<p>Deutsche Privatanleger haben nicht nur die M\u00f6glichkeiten, \u00fcber den Kauf von American Depositary Shares (ADSs) an der Nasdaq in New York unter dem Tickersymbol \u201eIQMX\u201c und Stammaktien an der Nasdaq Nordic in Helsinki direkt zu erwerben. Deutsche Privatanleger und institutionelle Anleger k\u00f6nnen auch unter anderem seit dem 16. Juni \u00fcber den Freiverkehr mit dem Makler Euwax an der Stuttgarter B\u00f6rse RAAQ-IQM-Aktien zeichnen. Diese Notierung erleichtert den Zugang \u00fcber herk\u00f6mmliche Brokerh\u00e4user und Depots in Deutschland erheblich, da in Euro gehandelt werden kann. Der Handelsplatz Stuttgart hat sich mit seiner Landing Page im Internet viel M\u00fche gemacht, SPAC, Zielgesellschaft und den Quantenmarkt f\u00fcr Privatanleger verst\u00e4ndlich zu machen.<\/p>\n<p>Wir danken Ihnen f\u00fcr dieses aufschlussreiche Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrte Prof. Dr. Wolfgang Bl\u00e4ttchen.\u00a0<\/p>\n<p><a style=\"color: #99ccff;\" href=\"https:\/\/iqm.tech\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zum Interviewpartner<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-07-082614.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-162006 alignleft\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Screenshot-2026-09-07-082614.png\" alt=\"\" width=\"153\" height=\"202\"  \/><\/a>Dr. Sierk Poetting ist seit Januar 2022 Vorsitzender des Verwaltungsrats von IQM Quantum Computers und seit 2021 COO der BioNTech SE, wo er zuvor als CFO den internationalen Aufbau mitpr\u00e4gte. Der promovierte Physiker verf\u00fcgt \u00fcber langj\u00e4hrige Erfahrung in der Skalierung wachstumsstarker Technologieunternehmen sowie in den Bereichen Finanzen, Transformation und Kapitalmarkt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dieser Artikel erschien zuerst in der FuS 04\/26!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"IQM Quantum Computers wagt den Schritt an die internationalen Kapitalm\u00e4rkte: \u00dcber den Zusammenschluss mit einer USSPAC strebte das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":93760,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[30239,8336,3814,30240,23079,30241,30242,16932,13,14,28255,12480,16942,30243,30244,30245,30246,301,18336,30247,30248,22003,16105,11567,30249,30250,30251,30252,30253,30254,22101],"class_list":["post-93759","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-europa","tag-aalto-universitaet","tag-boersengang","tag-corporate-governance","tag-deep-tech","tag-deeptech","tag-despac","tag-doppellisting","tag-dual-listing","tag-europaeisch","tag-europaeische","tag-europaeische-technologie","tag-helsinki","tag-ipo","tag-iqm","tag-iqm-aktie","tag-iqm-quantum-computers","tag-iqmx","tag-muenchen","tag-nasdaq","tag-nasdaq-nordic","tag-pipe-finanzierung","tag-quantencomputer","tag-quantencomputing","tag-quantentechnologie","tag-quantum-computing","tag-raaq","tag-real-asset-acquisition-corp","tag-sierk-poetting","tag-spac","tag-technologiesouveraenitaet","tag-wachstumskapital"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93759","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=93759"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/93759\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/93760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=93759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=93759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=93759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}