{"id":94409,"date":"2026-09-08T08:07:12","date_gmt":"2026-09-08T08:07:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/94409\/"},"modified":"2026-09-08T08:07:12","modified_gmt":"2026-09-08T08:07:12","slug":"eu-lohntransparenz-werden-stellenanzeigen-endlich-ehrlich-beim-gehalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/94409\/","title":{"rendered":"EU-Lohntransparenz: Werden Stellenanzeigen endlich ehrlich beim Gehalt?"},"content":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfer Teil der Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er wei\u00df bei einer Bewerbung nicht, wie viel sie sp\u00e4ter verdienen w\u00fcrden. In vielen Anzeigen fehlt jede Angabe zum Gehalt. Bewerberinnen und Bewerber investieren jedoch viel Zeit und Energie, sie f\u00fchren Gespr\u00e4che und absolvieren zum Teil sogar praktische Tests.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Trotzdem erfahren sie das Gehalt oft erst, wenn sie die Stelle tats\u00e4chlich bekommen. H\u00e4ufig wissen sie auch kaum, was Kolleginnen und Kollegen im selben Unternehmen verdienen.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der Europ\u00e4ischen Kommission beg\u00fcnstigt das Lohndiskriminierung und vergr\u00f6\u00dfert den Unterschied zwischen den Einkommen von Frauen und M\u00e4nnern. Die EU hat deshalb die Richtlinie zur Lohntransparenz beschlossen. Die Mitgliedstaaten sollten sie bis zum siebten Juni dieses Jahres umsetzen. Die meisten L\u00e4nder haben diese Frist jedoch verpasst.<\/p>\n<p>Italien ist unter den gro\u00dfen europ\u00e4ischen Volkswirtschaften das einzige Land, das die Vorgaben bereits umgesetzt hat. Die Folgen lassen sich klar ablesen, berichtet die weltweite Jobplattform Indeed. Der Anteil der Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe stieg dort von 26 % im Juli 2025 auf 61 % im Juli dieses Jahres.<\/p>\n<p>Italien verzeichnet damit unter den f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften Europas inzwischen den h\u00f6chsten Anteil an Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben.<\/p>\n<p>\u201eItalien entwickelt sich beim Thema Lohntransparenz unter den gro\u00dfen Volkswirtschaften Europas zum Vorreiter, und die Daten zeigen, dass Regulierung hier wirklich etwas ver\u00e4ndert\u201c, sagte Pawel Adrjan, Direktor f\u00fcr Wirtschaftsanalysen bei Indeed, gegen\u00fcber Euronews Business.<\/p>\n<p>Nach einem Anfang August ver\u00f6ffentlichten Beitrag der Beratungsgesellschaft PwC haben bislang nur f\u00fcnf EU-Mitgliedstaaten die Richtlinie zur Lohntransparenz in nationales Recht \u00fcbertragen. Stand November sind es Italien, die Slowakei, Malta, Litauen und Griechenland.<\/p>\n<p>Spanien kommt nur schleppend voran. Deutschland hat die Umsetzung auf Anfang 2027 verschoben. Frankreich wird weiterhin als \u201enicht spezifiziert\u201c gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das Vereinigte K\u00f6nigreich ist zwar kein EU-Mitglied mehr. Auf Indeed hatte es aber seit Beginn der Datenerhebung Anfang 2020 den h\u00f6chsten Anteil an Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe. Im Januar 2020 lag der Anteil im Vereinigten K\u00f6nigreich bei 40 %. Frankreich folgte mit 20 % auf Platz zwei unter den f\u00fcnf gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften Europas plus den Niederlanden.<\/p>\n<p>Lohntransparenz: Italien \u00fcberholt erstmals Vereinigtes K\u00f6nigreich<\/p>\n<p>Im Juli 2026 lag Italien bei der Lohntransparenz unter diesen sechs L\u00e4ndern erstmals vor dem Vereinigten K\u00f6nigreich: 61 % gegen\u00fcber 60 %.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen vier L\u00e4nder liegen weiterhin unter 50 %. Die Niederlande kommen auf 49,5 %.<\/p>\n<p>In zwei gro\u00dfen Volkswirtschaften Europas liegt der Anteil der Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe unter 20 %: <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/06\/06\/lohntransparenz-welche-eu-staaten-sind-bereit-fur-die-neuen-regeln\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> kommt auf 14 %, Spanien auf 18 %. In Frankreich betr\u00e4gt der Wert 43 %.<\/p>\n<p>Die Entwicklung in Italien innerhalb eines Jahres ist bemerkenswert. Im Juli des vergangenen Jahres enthielten laut Indeed nur etwa ein Viertel der Stellenanzeigen, n\u00e4mlich 26 %, eine Gehaltsangabe.<\/p>\n<p>\u201eDer Anteil italienischer Stellenanzeigen mit Gehaltsangabe ist von 35 % im Januar auf 61 % im Juli gestiegen und hat sich nach der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz im Juni noch einmal deutlich beschleunigt\u201c, erkl\u00e4rte Adrjan.<\/p>\n<p>\u201eItalien geht \u00fcber die EU-Vorgaben hinaus, indem Arbeitgeber verpflichtet werden, die Gehaltsspanne direkt in der Anzeige zu nennen. Bewerberinnen und Bewerber sehen diese Information also, bevor sie \u00fcberhaupt entscheiden, ob sie sich bewerben m\u00f6chten.\u201c<\/p>\n<p>Gesetz in Kraft: Lohntransparenz legt deutlich zu<\/p>\n<p>Adrjan betonte in einem Beitrag in sozialen Netzwerken au\u00dferdem, dass der Anstieg schon vor Ablauf der Frist einsetzte, weil manche Unternehmen den neuen Regeln zuvor kamen. \u201eMit Inkrafttreten des Gesetzes hat die Lohntransparenz dann noch einmal deutlich angezogen\u201c, schrieb er.<\/p>\n<p>Arbeitgeber m\u00fcssen in der Stellenbeschreibung nun das Einstiegsgehalt oder eine Gehaltsspanne angeben, nicht erst irgendwann im Laufe des Auswahlverfahrens.<\/p>\n<p>Dass alle Anzeigen zu 100 % eine Gehaltsangabe enthalten, erwartet niemand. Der Geltungsbereich der Richtlinie ist begrenzt. In Italien sind etwa einzelne Berufsgruppen ausgenommen, und \u00fcber einige rechtliche Fragen der Durchsetzung wird noch gestritten.<\/p>\n<p>Adrjan weist darauf hin, dass zwar noch nicht alle Anzeigen ein Gehalt nennen. Mit der Zeit passen Unternehmen jedoch ihre Praxis an, und der Trend zeigt klar nach oben.<\/p>\n<p>Frauen verdienen elf Prozent weniger als M\u00e4nner<\/p>\n<p>Nach Angaben von Eurostat lag der geschlechtsspezifische Lohnunterschied in der EU im Jahr 2024 bei 11,1 %. Verdienen M\u00e4nner im Schnitt 100 \u20ac, kommen Frauen im Durchschnitt nur auf 88,9 \u20ac.<\/p>\n<p>\u201eDie n\u00e4chste Bew\u00e4hrungsprobe wird sein, ob andere europ\u00e4ische L\u00e4nder einen \u00e4hnlich gro\u00dfen Schritt machen und Transparenz tats\u00e4chlich in die Praxis umsetzen k\u00f6nnen\u201c, sagte Pawel Adrjan.<\/p>\n<p>Er wies darauf hin, dass es mit der Transparenz in Europa insgesamt noch hapert. Viele Parlamente schieben die Umsetzung der Vorgaben in nationales Recht weiter vor sich her. In einigen L\u00e4ndern gilt zudem als wahrscheinlich, dass Gehaltsspannen in Stellenanzeigen am Ende doch nicht verpflichtend werden.<\/p>\n<p>\u201eVerrat an erwerbst\u00e4tigen Frauen\u201c<\/p>\n<p>Die Generalsekret\u00e4rin des Europ\u00e4ischen Gewerkschaftsbundes (EGB), Esther Lynch, nannte das Verpassen der Frist einen Verrat an erwerbst\u00e4tigen Frauen.<\/p>\n<p>\u201eGeheimhaltung beim Lohn verschiebt die gesamte Macht auf die Seite der Arbeitgeber und l\u00e4sst Frauen sowie ihre Gewerkschaften ohne die grundlegenden Informationen zur\u00fcck, die sie f\u00fcr ihren Einsatz f\u00fcr faire Bezahlung brauchen\u201c, sagte sie.<\/p>\n<p>Untersuchungen des EGB ergaben, dass Frauen, die in der EU arbeiten, durch die Lohnl\u00fccke jedes Jahr rund 358 Milliarden \u20ac einb\u00fc\u00dfen. Pro Frau entspricht das fast 3.900 \u20ac.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein gro\u00dfer Teil der Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er wei\u00df bei einer Bewerbung nicht, wie viel sie sp\u00e4ter verdienen w\u00fcrden.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":94275,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[21,14979,22,17739,5693],"class_list":["post-94409","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-eu","tag-euronews-vergleich","tag-europaeische-union","tag-gender-pay-gap","tag-transparenz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=94409"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/94409\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media\/94275"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=94409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=94409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/europa\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=94409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}