Im Zusammenhang mit der geplanten Reform der Medienförderung hat Medienminister Andreas Babler (SPÖ) im November eine wissenschaftliche Analyse beauftragt, um entsprechende Vorschläge für eine Neuausrichtung auszuarbeiten. Nun liegen erste, vorläufige, Empfehlungen vor – unter anderem die Einrichtung einer neuen, dauerhaften Journalismusförderkommission, die Mittel nach verbindlichen Qualitätsstandards vergeben soll.

Die vorgeschlagene Kommission zur künftigen Vergabe von Mitteln soll laut Aussendung „aus unabhängigen und politikfernen Expert:innen mit unterschiedlichen medien- und journalismusbezogenen Fachkompetenzen“ sowie aus „relevanten Institutionen“ zusammengesetzt sein und fern der politischen Einflussnahme agieren können.

Endlich! Leider ist es nach wie vor nicht möglich aus dem Artikel zu zitieren, aber ich bitte darum den Link zu nutzen, denn die geplanten Maßnahmen klingen mehr als anständig und sinnvoll.

Nun wagt man kaum zu hoffen, dass eine 'Heute' oder 'Krone' sich bessern oder aus dem Fördertopf ganz herausfallen – ein etabliertes, geldschweres Medium wird schon seine Halsabschneider haben, die dem entgegenwirken – aber Hoffnungen sind bei mir definitiv geweckt, dass in Österreich auch mal was besser werden kann.

Bis zur Umsetzung erwarten uns voraussichtlich noch einige Diskussionen und vorallem eine Flut an Verunglimpfungen gegen die genannte Partei als treibende Kraft und deren Vizekanzler, aber man muss fast sagen: what else is new? Business as usual in Österreich.




Nyardyn

6 comments
  1. Klingt auf den ersten Blick vernünftig, ist aber in der Praxis eine Illusion. Qualitätskriterien im Journalismus können nie wirklich objektiv sein – egal wie viele Expert:innen oder Kommissionen man einsetzt. Begriffe wie gesellschaftliche Relevanz, Verantwortung oder Professionalität sind dehnbar und lassen sich politisch in alle Richtungen interpretieren.

    Am Ende ist das eine politische Entscheidung, die nur mit einem scheinbar neutralen Mäntelchen versehen wird. Eine Pseudomaßnahme, um Förderung objektiv wirken zu lassen, obwohl sie es nicht sein kann.

    Ehrlicher wäre es, wenn Politiker einfach offen dazu stehen würden, welche Art von Medien und Journalismus sie fördern wollen und welche nicht. Transparenz durch klare politische Verantwortung wäre mir lieber als der Versuch, Subjektivität hinter Gremien und Buzzwords zu verstecken.

    Ja, mit der nächsten Regierung dreht sich die Förderrichtung – das wird sie aber auch mit Pseudoqualitäts- und Objektivitätsrichtlinien.

  2. Option 1) FPÖ-nahe Schwurbelmedien werden rausgeworfen – FPÖ schreit “Zensur”, FPÖ gewinnt Wähler weil Zensur vermeintlich doof ist.

    Option 2) FPÖ-nahe Schwurbelmedien erhalten weiterhin Geld. FPÖ-nahe Schwurbelmedien verbreiten weiter Schwurbelei.

    🤷‍♂️

  3. Die Krawallzeitungen werden das Projekt sturmreif schießen. Wetten?

  4. Wie andere schon geschrieben haben ist das eine Idee die auf dem Papier gut klingt – und in der Praxis nur ein Desaster sein kann. Weil die “Qualitätskriterien” sich nicht hinreichend objektivieren lassen als dass die Medien denen es sinnvollerweise an den Kragen gehen sollte nicht wegen Diskriminierung schreien könnten.

    Und unser größtes Problem sind nicht die miesen Medien per se, sondern die wachsende Anzahl an Personen die den anderen Medien nicht mehr vertraut. Und *dagegen* tut so eine Maßnahme absolut gar nichts.

  5. Will ich wissen, wie viel diese wissenschaftliche Analyse gekostet hat?

    Ganz unabhängig davon: Es macht mich relativ traurig, dass anscheinend der einzige Lösungsansatz in Österreich ist: Wir werfen Steuergeld auf das Problem.

  6. Na dann wünsche ich ihm, nicht sarkastisch gemeint, viel Glück dabei. Denn da wird er nicht nur gegen den größeren Koalitionspartner, sondern auch gegen Widerstände aus der eigenen Partei ankämpfen müssen. Krone, Heute usw. werden genau jetzt damit beginnen, die SPÖ zu “erpressen”. Eventuell denkt sich Babler, dass es eh schon wurscht ist, weil sie ihn sowieso niederschreiben, egal was er tut. Anderen Köpfen in der Partei wird es nicht so wurscht sein.

Leave a Reply