https://orf.at/stories/3424945/

Wie wärs wenn ma endlich mal die Ärztekammer abschaffen?

> Dem pflichtete auch die Vizeobfrau der Kurie niedergelassene Ärzte, Naghme Kamaleyan-Schmied, bei. Sie verwies darauf, dass viele Ärzte ins Wahlarztsystem wechseln würden, weil sie dort dem einzelnen Patienten mehr Zeit widmen könnten, was im Kassensystem aufgrund der Bedingungen oftmals nicht möglich sei. Sie betonte, dass es bei bestimmten Fachrichtungen keine oder kaum Kassenärzte gebe, etwa in der Onkologie.

Jaja, wer kennts nicht, der Wahlarzt der sich ganze 5 Minuten Zeit nimmt für eine 0815 Diagnose um dann ein 250€ Honorar – natürlich rein aus Kostendeckungsgründen, zu verrechnen. Er wäre ja sooo gerne Kassenarzt, aber der Porsche finanziert sich leider nicht von alleine.

> Angesichts Dutzender unbesetzter Kassenarztstellen fordert die Tiroler Ärztekammer Reformen und mehr Geld von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). In Tirol seien rund 30 ÖGK-Kassenstellen unbesetzt, die Kammer sieht ein „leistungsfeindliches System“.

Warum soll ich als Arzt auch eine Kassenstelle annehmen, wenn ich einfach Wahlarzt werden kann, und den dreifachen Gewinn mach während Patienten mangels Kassenärzte sowieso keine Alternative haben?

Weiterer hot take: Wenn Ärzte nicht 11% vom Gehalt an die Ärztekammer abdrücken müssten, hättens finanziell auch mehr Spielraum.

Edit: Zahlen aus 2022 (!), ein niedergelassener männlicher Wahlarzt macht im Schnitt 228.711€ GEWINN vor Steuern im Jahr -> Merke, hier sind die Kosten für Angestellte, Miete, etc. bereits abgezogen (Quelle).




Weird_Ninja8149

9 comments
  1. Die Zwangsmitgliedschaft sollte abgeschafft werden, die Ärztekammer vertritt nur die eigenen Interessen und blockiert wichtige strukturelle Reformen und teilweise auch Verbesserungen der medizinischen Versorgung (Ärztezentren, Gruppenpraxen, Psychotherapeutische Angebote).

  2. Es wird Zeit dafür, alle Ärzte zu Kassenärzten mit einem Mindest-Zeitanteil zu verpflichten. Diese elitäre Exitstrategie schwächt das Gesundheitssystem insgesamt.

    Ich mein, es sei denn, ihr wollt’s alle in den USA leben, aber dann siedelt’s doch einfach um?

  3. Wäre ich Arzt, würde ich auch keine Kassenstelle wollen.

    Sehr viel mehr Geld pro Patient, somit kein Drang pro Stunde 20 Patienten durchzuschleusen, im Durchschnitt sicher angenehmeres Publikum, freie Wahl der Öffnungszeiten, keine Deckelung einzelner Leistungen…

    Kann man denen echt nicht verübeln.

  4. Als jemand der jetzt doch öfter bei Wahlärzten war muss ich deiner Aussage widersprechen. Hab mich noch nie so ernst genommen gefühlt von einem Arzt. Wenn ich zu meinem Hausarzt gehe dann überlegt er bei der Begrüßung schon wie er mich am schnellsten los wird. Die Wahlärzte nehmen sich Zeit für einen (logischerweise haben sie auch mehr Zeit)

  5. Die Kassenarztsätze in Österreich sind halt ein riesengroßer Witz. Damit kann man keine vernünftige Medizin machen.

    Diese großzügig anheben, und dann wie in Deutschland entweder die Kasse rechnet direkt mit dem Arzt ab, oder die Kasse zahlt gar nichts, auch keine teilweise Erstattung 

    Da überlegt man sich dann zweimal ob man Wahlarzt wird.

    Und das Klischee vom Porsche-fahrenden Arzt ist auch so langsam ein bisschen ausgelutscht.

    Die wenigsten die hier so groß tönen, hätten Lust sich die Arbeitsbelastung im Krankenhaus für das Gehalt zu geben

  6. Weil man langsamm das USA System einführen wird

    In meinem Gegend in einem Kreis von ca. 60 km gibt es nur private Hautärtzte, Zahnfüllung ist zwar Kassenleistung, aber nur diese billige, die so schlechte Qualität hat, dass man lieber draufzahlt,
    Hausärzte machen keine Hausbesuche mehr, weil der Fahrtweg nicht bezahlt wird, so wenn man Hausbesuch braucht, muss man einen privaten Hausarzt zahlen usw.

    Sie machen es langsam, Schritt für Schritt.
    Ich, Mitte 40 rege mich noch auf, weil ich weiss wie die medizinische Versorgung vor 20 Jahren war, wenn ich mitte 20 war.

    Meine Söhne, die jetzt Mitte 20 sind, können es problemlos leisten 1-2 im Jahr für eine prophylaktische Untersuchung zu zahlen, sie finden es bequemer, nicht Monate lang auf einen Vorsorgeuntersuchung warten zu müssen, und sie geben gerne 200-300 € für solche “Luxus” aus

    und so nebenbei gewöhnen sich langsam daran, dass man für allgemeine ärztliche Leistungen wenigstens teilweise zahlen muss, ohne Nachzudeneken, wie viel sie schon aus ihrem Gehalt in die Krankenkasse eingezahlt hatten und
    wenn sie Mitte 40 werden, werden sie sich nicht aufregen, sonder einfach zahlen, weil sie es seit 20 Jahre nicht anders kennen.

  7. Die Wahlärzte wären sofort alle tot wenn das Kassensystem funktionieren würde. Niemand zahlt einen Wahlarzt wenn er sich auf Kasse gut betreut fühlt.

    Es gibt so viele Wahlärzte weil das System kaputt ist, nicht andersrum.

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