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Neue EU-Verordnung kommt: Warum die Luft im Sackerl weichen muss
Weniger Müll, weniger Leerraum, weniger Kosten. Im August tritt die neue EU-Verpackungsverordnung in Kraft. Konsument:innen sollen vor allem langfristig von niedrigeren Preisen profitieren.
Chips-Packungen, die mehr Luft enthalten als Knabbersnacks. Müslikartons mit doppeltem Boden. Riesige Schachteln für eine kleine Bestellung. Mogelpackungen, die Konsumentinnen und Konsumenten mehr Inhalt vortäuschen als eigentlich enthalten ist, sollen ab August dieses Jahres endgültig Geschichte sein.
Ausschlaggebend dafür ist die strenge Verpackungsverordnung der Europäischen Union, kurz PPWR (engl. Packaging and Packaging Waste Regulation) genannt. „Überflüssigerweise sind Verpackungen vor allem in der Lebensmittelindustrie in den vergangenen Jahren immer größer geworden, was die Umwelt massiv belastet“, erläutert Stefan Merl, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft beim Unternehmensberater PwC.
Schluss für Mogelpackungen
Die neuen EU-Reglen sehen vor, dass bis 2030 alle Verpackungen zu mindestens zehn Prozent aus recyclingfähigen Materialien bestehen. Bis 2040 muss dieser Anteil auf 30 Prozent gestiegen sein. Das müsse die Industrie nicht nur sicherstellen und kennzeichnen, etwa mithilfe von QR-Codes, sondern auch klar nachvollziehbar dokumentieren.
Darüber hinaus werden auch neue Grenzwerte für alle Stoffe eingeführt, die direkt in Kontakt mit Lebensmitteln kommen, erläutert Merl. Hygiene, Frische und Produktsicherheit müssen dennoch bestehen bleiben. Spezielle und unverwechselbare Marken-Designs von Packungen können voraussichtlich einen besonderen Markenschutz beantragen.
Klar ist: Mogelpackungen wie Chipssackerl, die häufig nur zu einem Drittel mit Chips gefüllt sind, gehören damit künftig der Vergangenheit an. „Der Leerraum-Anteil darf nur noch einen Anteil von maximal fünfzig Prozent betragen“, klärt Merle auf. Diese Vorschrift gilt auch für Materialien, die für den Schutz der Produkte beim Transport erforderlich sind, etwa Luftpolster oder Luftpolsterfolien.
Weil die Verordnung bereits im Februar 2025 in Kraft getreten ist und ab dem 12. August dieses Jahres verbindlich in der gesamten EU gilt, haben schon viele Hersteller ihre Verpackungen entsprechend angepasst – aber noch nicht alle. Um beim viel zitierten Beispiel der Kartoffelchips zu bleiben: „Bei einigen Marken fällt es bereits auf, dass die Packungen deutlich höher gefüllt sind“, berichtet Merl.
Er erwartet auch, dass die Lebensmittelindustrie besonders in der ersten Phase der Umstellung die Information, dass sich die Verpackung geändert habe, aufdrucken werde. Vor allem deshalb, damit Kunden nicht irrtümlich glauben, es handle sich um die so genannte „Shrinkflation“, also weniger Inhalt für denselben oder gar höheren Preis.
Preise sinken auf lange Sicht
Sorgen von Konsumentenschutzorganisationen, wonach aufgrund der Veränderung von Schachteln und Sackerln oder etwaiger Entwicklung neuer Packungsmaterialien höhere Kosten auf die Kundinnen und Kunden zukommen könnten, zerstreut Merl. „Das große Ziel ist, dass mehr Abfall dem Recycling zugeführt wird“, stellt der Experte klar. Werden weniger Verpackungsmaterialien verwendet und gleichzeitig wiederverwertet, sinke der Preis auf lange Sicht, rechnet er vor.
Der Gelbe Sack in Österreich, mit dem bereits 80 Prozent der Kunststoff- und Metallverpackungen in den Wiederverwertungskreislauf gelangen, sei im Vergleich zu anderen EU-Staaten ein Vorzeigeprojekt. So genannte „Fehlwürfe“ würden jedoch hohe Kosten verursachen. Würden etwa alle Österreicherinnen und Österreicher ihren Müll richtig entsorgen, könnten die gesamten Abfallkosten um ein Drittel sinken.
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Ferina27
3 comments
Guter Artikel.
Bei Chips wird das halt sportlich mit dem Leerraum von 50%.
Machen die Hersteller das so, kann man sich auf Chipsbrösel einstellen.
Bei sehr vielem anderen natürlich absolut richtig. Gibt ja genug Beispiele wo das Produkt im Sichtfenster vorhanden ist und drüber ist nur Luft.
Gute Sache, jedoch günstiger wird dadurch vermutlich nichts werden.