Verzögerungen oder „lokale Anspannung“ bei der Versorgung mit Kraftstoffen können nicht ausgeschlossen werden. Das schreibt das Luxemburger Wirtschaftsministerium am Mittwochmorgen. Grund seien vor allem Probleme beim Transport.
Die Versorgung stütze sich auf ein Netz aus Schiffen, Zügen und Lkw. Diese Logistikkette stehe jedoch seit mehreren Wochen „unter Druck“, schreibt die Behörde. Die durch die Trockenheit gesunkenen Pegel an Rhein und Osel schränkten die Transportkapazitäten der Schiffe ein. Betriebe seien gezwungen, ihre Transportwege anzupassen, um die Versorgung der Tankstellen sicherzustellen.
Für den Fall größerer Versorgungsprobleme könnte Luxemburg zudem auf staatliche Ölreserven zurückgreifen, wie Wirtschaftsminister Lex Delles (DP) Anfang August erklärte.
Albert-Kanal sorgt vorübergehend für Verzögerungen
Für zusätzliche Verzögerungen hatte zuletzt auch die Sperrung des Albert-Kanals in Belgien gesorgt. Der Wasserweg, der Antwerpen mit Lüttich verbindet, war teilweise gesperrt worden, um die Löscharbeiten im Hohen Venn zu erleichtern. Dadurch kam es zu Verzögerungen bei den Lastkahntransporten aus der Region Lüttich, die für die Versorgung vieler Kraftstoffimporteure in Luxemburg von strategischer Bedeutung ist. Inzwischen ist diese Sperrung jedoch aufgehoben.
Eine weitere Belastung für die Logistik steht allerdings bereits bevor: Ab kommender Woche werde auch die Bahnstrecke nach Wasserbillig wegen Bauarbeiten gesperrt, die Zufahrt zum Öllager in Mertert. Das werde „zusätzlichen Druck auf die anderen Verkehrsträger“ ausüben.
GEML schätzt Lage als stabil ein
Beim Groupement Energies Mobilité Luxembourg (GEML) fällt die Einschätzung der aktuellen Lage unterdessen weniger angespannt aus. „Die Logistik war in den vergangenen Wochen angespannt, die Versorgungslage ist aktuell jedoch stabil“, sagt Generalsekretär Jean-Marc Zahlen gegenüber dem Tageblatt. Vereinzelt sei es bei einzelnen Tankstellen und Produkten zu kurzfristigen Nichtverfügbarkeiten infolge verspäteter Lieferungen gekommen.
„Es handelt sich aber nicht um einen allgemeinen Kraftstoffmangel“, betont Zahlen. Die Produkte seien verfügbar, hätten aufgrund der logistischen Störungen jedoch teilweise nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt an den jeweiligen Standort geliefert werden können.
Mehr Bahntransporte und flexible Lieferwege
Die Belastung entstehe vor allem durch das Zusammenspiel mehrerer logistischer Einschränkungen, erklärt Zahlen. Die niedrigen Wasserstände auf dem Rhein hätten die Ladekapazität der Binnenschiffe reduziert. Die Einschränkungen am Albert-Kanal hätten zusätzliche Verzögerungen verursacht, diese seien inzwischen aber beendet. Auch die angekündigten Arbeiten im Schienennetz müssten bei der Planung berücksichtigt werden.
Gleichzeitig habe sich die Situation auf dem Rhein zuletzt etwas entspannt. Die Mineralölunternehmen hätten ihre Logistik angepasst: „Es werden, soweit möglich, mehr Mengen per Bahn transportiert, Produkte häufiger direkt in Belgien verladen und Lieferwege flexibler kombiniert“, so Zahlen. Diese Anpassungen hätten dazu beigetragen, die Versorgung zu stabilisieren.
Versorgung für kommende Wochen gesichert
Für die kommenden Tage und Wochen gibt Zahlen Entwarnung: „Nach den aktuellen Rückmeldungen der Betreiber ist die Versorgung für die kommenden Tage und Wochen gesichert.“ Größere oder flächendeckende Engpässe seien derzeit nicht absehbar. Punktuelle und zeitlich begrenzte Verzögerungen könnten allerdings weiterhin auftreten, solange sich die Transportlage nicht vollständig normalisiert habe. Welche Tankstellen oder Produkte davon betroffen sein könnten, lasse sich nicht pauschal sagen.
Das Ministerium teilt mit, dass es gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen werde, um mögliche Auswirkungen abzumildern und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Lokale „Anspannungen“ könnten „in dieser Ausnahmesituation“ aber nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Keine Auswirkungen auf Spritpreise
Auf die Kraftstoffpreise hätten die aktuellen logistischen Schwierigkeiten laut Zahlen keinen Einfluss. Luxemburg verfüge über ein System regulierter Höchstpreise. Deren Entwicklung hänge hauptsächlich von den internationalen Produktnotierungen, dem Rohölpreis sowie dem Wechselkurs zwischen US-Dollar und Euro ab.
Auch für Autofahrer bestehe derzeit kein Grund, vorsorglich zu tanken. „Es besteht derzeit kein Grund, die eigenen Tankgewohnheiten zu ändern oder vorsorglich zu tanken“, sagt Zahlen. Die Versorgung Luxemburgs sei gewährleistet und die Betreiber hätten Maßnahmen getroffen, um logistische Einschränkungen auszugleichen.