Auf Luxemburgs Feldern wurde in diesem Sommer sichtbar, was Hitze und anhaltende Trockenheit anrichten können. Der Boden ist so ausgetrocknet, dass sich tiefe Risse auftun. Selbst wärmeliebende Pflanzen geraten unter Wasser- und Hitzestress. Erträge stehen infrage. Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst da.

Für viele Landwirte geht es dabei um weit mehr als um einen schlechten Sommer. Es geht um ihre wirtschaftliche Existenz – und zunehmend um die Frage, unter welchen Bedingungen Landwirtschaft in Luxemburg in Zukunft überhaupt noch möglich sein wird.

Wie groß die Sorgen sind, wird in zahlreichen Gesprächen des Tageblatt mit der Branche deutlich. Gemüsebäuerin Marie Goergen aus Contern gesteht: „Ruhig schlafen tue ich schon lange nicht mehr.“ Ihr „Geméiswierk“ wurde von der Dürre hart getroffen – trotz Sisternen und sparsamen Umgangs mit Wasser. Von der Politik fordert sie vor allem entschlossenes Handeln. „Für alle, die Kinder haben, Enkelkinder haben oder noch Kinder bekommen möchten – für die sollte man etwas tun.“

„Ein Jahr Trockenheit kann man überbrücken“, sagt Marco Koeune, Präsident der „Landwirtschaftlech Kooperatioun Uewersauer“. Doch er warnt zugleich: „Wenn es mehr Jahre werden, wird es schwierig.“ Doch die Klimadaten zeigen, dass Trockenheit für Luxemburgs Landwirtschaft zunehmend vom Ausnahmefall zum wiederkehrenden Risiko wird.

Viehbauer Nico Kass sagt in seinem künftig erscheinenden Interview: „Wenn wir Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Landwirtschaft wollen und gleichzeitig sagen, Luxemburg sei ein Grünlandstandort, müssen wir Wege zur Anpassung finden.“

Genau darin liegt das Problem. Die Luxemburger Landwirtschaft muss sich an ein Klima anpassen, das sich schneller verändert, als sich ein landwirtschaftlicher Betrieb neu erfinden kann. Und die Bauern können diese Anpassung nicht allein stemmen.

Gerade beim Wasser braucht es neue Konzepte. Statt in immer trockeneren Sommern wertvolles und teures Trinkwasser für die Bewässerung zu verbrauchen, sollte geprüft werden, wo Gemeinden oder der Staat Rückhaltebecken und öffentliche Zisternen schaffen können, in denen Regenwasser gesammelt und den landwirtschaftlichen Betrieben zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt wird. Das vorbildliche „Wasserpochette“-Pilotprojekt in Hosingen zeigt, was möglich ist. Und hat bereits die ersten Nachahmer. Wasserversorgung darf in Zukunft nicht erst dann zum Thema werden, wenn die Felder bereits vertrocknen.

Gleichzeitig muss Luxemburg viel konsequenter untersuchen, was auf seinen Feldern unter veränderten klimatischen Bedingungen künftig überhaupt noch wachsen kann. Trockenheitsresistentere Sorten, neue Kulturen, angepasste Fruchtfolgen und Bewirtschaftungsmethoden, die mehr Wasser im Boden halten, müssen nicht nur erforscht, sondern gemeinsam mit den Landwirten in der Praxis erprobt und – dort, wo sie funktionieren – gezielt gefördert werden. Erste Forschungs- und Praxisprojekte gibt es bereits.

Und es führt kein Weg daran vorbei, beim Klimaschutz endlich Rückgrat zu zeigen. Es reicht nicht, Klimaschutz in Strategien und Aktionsplänen zu zelebrieren, während diejenigen, die seine Folgen schon heute auf ihren Feldern erleben, mit der Umsetzung weitgehend alleinbleiben. Wer von den Landwirten verlangt, Emissionen zu reduzieren, Böden zu schützen, und Wasser sparsamer einzusetzen und gleichzeitig regionale Lebensmittel zu produzieren, muss ihnen auch die Infrastruktur und die finanziellen Möglichkeiten dafür geben.

Denn wer die Landwirtschaft an den Klimawandel anpassen will, muss heute handeln – bevor aus vertrockneten Feldern verlorene Existenzen werden. Was dann verloren geht, sind nicht nur einzelne Betriebe. Luxemburg würde Stück für Stück auch die Fähigkeit verlieren, einen Teil seiner Lebensmittel selbst zu produzieren. Spätestens die Krisen der vergangenen Jahre sollten gezeigt haben, welchen Wert eine funktionierende heimische Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit eines Landes hat.