
Gedenken am Denkmal für die gefallenen ukrainischen Soldaten auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew
Foto: AP/dpa/Efrem Lukatsky
Und wieder wird ein »Jahrestag« genutzt, um historische Wahrheiten so zurechtzubiegen, wie es für die Erhöhung der »Kriegstüchtigkeit« von Nutzen erscheint. Skrupellos vertrauen Journalisten in den selbst ernannten »Leitmedien«, aber auch in weniger bedeutenden Publikationen, auf die Vergesslichkeit der Zuschauer und Leser.
Nun ist zum Beispiel im Luxemburger »Tageblatt« die Rede vom Beginn der russischen »Großoffensive« gegen die Ukraine, die vor vier Jahren begann. Um zu erklären, warum in diesem Zusammenhang nicht der standardmäßige Begriff »Putins Angriffskrieg« in die Titelzeile gelangte, wird ganz nebenbei behauptet, die russische Offensive habe bereits 2014 begonnen. In diesem Sinne äußerte sich am Montag im »Morgenmagazin« des deutschen Staatssenders ARD auch der ukrainische Botschafter in Berlin. Das wurde seinerzeit von den Medien keinesfalls berichtet, weil es nicht stimmt. Warum ist also heute wahr, was damals nicht stattfand?
Die Internationale
Die linke Medienlandschaft in Europa ist nicht groß, aber es gibt sie: ob nun die französische »L’Humanité« oder die schweizerische »Wochenzeitung« (WOZ), ob »Il Manifesto« aus Italien, die luxemburgische »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«, die finnische »Kansan Uutiset«, der britische »Morning Star« oder »Naše Pravda« aus Prag. Sie alle beleuchten internationale und nationale Entwicklungen aus einer progressiven Sicht. Mit einer Reihe dieser Medien arbeitet »nd« bereits seit Längerem zusammen – inhaltlich zum Beispiel bei unserem internationalen Jahresrückblick oder der Übernahme von Reportagen und Interviews, technisch bei der Entwicklung unserer Digital-App.
Mit der Kolumne »Die Internationale« gehen wir einen Schritt weiter in dieser Kooperation und veröffentlichen immer freitags in unserer App nd.Digital einen Kommentar aus unseren Partnermedien, der aktuelle Themen unter die Lupe nimmt. Das können Ereignisse aus den jeweiligen Ländern sein wie auch Fragen der »großen Weltpolitik«. Alle Texte unter dasnd.de/international.
Derselbe Sender – wie die meisten größeren Medien – hatte allerdings vor zwölf Jahren weitgehend wahrheitsgemäß berichtet, dass ukrainische Verbände mit militärischem Terror gegen Städte und Dörfer im Donbass-Gebiet vorgegangen waren, deren Bewohner sich mehrheitlich dagegen zur Wehr setzten, dass nicht nur der Gebrauch ihrer russischen Muttersprache durch die neuen Machthaber in Kiew verboten worden war, sondern auch die ihnen bis dahin gewährten Rechte massiv beschnitten wurden, darunter das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren oder zum Beispiel der Kommunistischen Partei der Ukraine anzugehören.
Dieser Krieg gegen die eigene Bevölkerung kostete bis 2022 mindestens 10 000 Ukrainer im Donbass das Leben. Es folgten die »Minsker Verhandlungen«, bei denen die selbst ernannten Volksrepubliken Lugansk und Donezk nicht angehört wurden. Vereinbarte Waffenruhen wurden seitens ukrainischer Truppen immer wieder gebrochen und zudem mit aktiver Hilfe westlicher Staaten zur Aufrüstung der ukrainischen Armee und diverser Milizen genutzt, deren Anführer für ihre nationalistische und faschistische Gesinnung bekannt sind.
»Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek«
Die »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« ist eine marxistisch orientierte politische Tageszeitung in Luxemburg. Die Berichterstattung umfasst alle Gesellschaftsbereiche sowie nationale und internationale politische Ereignisse. Die Zeitung erschien erstmals am 1. Juli 1946. Sie gilt als Zentralorgan der Kommunistischen Partei Luxemburgs (KPL). Frieden, Humanismus, sozialer und gesellschaftlicher Fortschritt, Laizismus, Solidarität, Antirassismus, Antimilitarismus bestimmen die redaktionelle Linie der Zeitung von ihrer Gründung bis heute.
Die »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« erscheint in gedruckter Form von Dienstag bis Samstag jeweils mit 12 Seiten.
Der 24. Februar 2022, der Tag, an dem Russland die bedrängten Republiken an seiner südwestlichen Grenze militärisch zu unterstützen begann, heißt neuerdings Beginn der »Großoffensive«. Jener Krieg, das ist ebenfalls bekannt, hätte bereits vor vier Jahren nach wenigen Wochen beendet werden können, und zwar ohne Gesichts- und Gebietsverlust für die Ukraine – wäre nicht der damalige britische Premierminister nach Kiew geeilt, um den dortigen Machthabern den Wunsch der führenden Leute der USA und der Nato zu übermitteln, auf keinen Fall Frieden zu schließen. Zuvor war in Istanbul ein fast unterschriftsreifes Papier erarbeitet worden, mit dem beide Seiten hätten leben können.
Was danach kam, ist bekannt. Aus dem Westen flossen jede Menge Waffen und Geld in die Ukraine, wo ein großer Prozentsatz der »Hilfe« regelmäßig in dunklen Kanälen verschwindet. Allein Deutschland hat das ukrainische Militär mit mindestens 50 Milliarden Euro unterstützt, wie am Montag gemeldet wurde. Und: Auch Luxemburg ist eifrig mit von der Partie.
Dieser Text ist am 24. Februar in unserem Partnermedium »Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek« (Luxemburg) erschienen. Der Beitrag wurde nachbearbeitet und gekürzt.