
Sydney Baker träumte schon lange davon, in ein anderes Land zu ziehen – 2020 wagte sie diesen Schritt.
Sydney Baker
Vor etwa fünf Jahren verließ ich die USA und lebte zunächst in Kanada, dann in Luxemburg und Frankreich.
Ich sammelte wertvolle Erfahrungen und Erlebnisse, doch nicht alles war einfach oder unbeschwert.
Müde von Visa-Bürokratie und Jobsuche im Ausland, zog ich schließlich wieder zurück in die USA.
Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, in ein anderes Land zu ziehen.
2020 habe ich genau das getan: Ich kündigte meinen Job in meinem Heimatstaat Washington und verbrachte sechs Monate in Montreal mit meinem damaligen Partner.
Von dort aus setzte ich meine Abenteuer fort: Ein Jahr in Luxemburg, um mehrsprachige Bildung zu studieren und gleichzeitig Teilzeit zu arbeiten, gefolgt von knapp zwei Jahren in Frankreich – sowohl in einem kleinen Ort in der Provence als auch in Paris.
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Ich hatte einige unglaubliche Erlebnisse, und mein Instagram-Feed ließ vermuten, dass mein Arbeitsweg aus Kopfsteinpflasterstraßen und frischen Croissants bestand und meine Wochenenden immer mit Wanderungen in den Alpen oder Wein am Mittelmeer gefüllt waren.
Doch das Leben im Ausland war auch stressig. Nach etwa fünf Jahren gab ich die ständige Unsicherheit durch die immer wieder notwendige Visaverlängerung auf und zog zurück in die USA. Heute weiß ich: Die allzu rosaroten Darstellungen in den sozialen Medien zeigen längst nicht die ganze Wahrheit.
Arbeit im Ausland erfordert Entschlossenheit und Flexibilität

Das Leben im Ausland bot ihr wertvolle Erfahrungen, aber auch bürokratische Hürden und Unsicherheiten.
Sydney Baker
Wie in den USA bevorzugen Arbeitgeber auch im Ausland oft Staatsbürger oder Personen mit dauerhaftem Aufenthaltsstatus.
Viele Länder haben strenge Vorschriften, um Ausländer einzustellen, und für Unternehmen kann das teuer werden, wenn man die Kosten für Visa-Sponsoring oder Umzug berücksichtigt.
Die richtige Gelegenheit zu finden bedeutet meist, etwas anderes zu machen, als das, was man eigentlich will – oft zu einem geringeren Gehalt
Als ich zum Beispiel ursprünglich nach Frankreich wollte, nahm ich einen „einfachen“ Weg und akzeptierte eine Stelle als Sprachassistent an einer Highschool über ein staatliches Programm.
Später arbeitete ich als Auftragnehmer für eine US-amerikanische Universität und leitete ein Semester-Studienprogramm in Paris.
Beide Möglichkeiten lagen mehr oder weniger in meinem Bereich, der internationalen Bildung. Sprachassistenten verdienen jedoch kaum etwas (nur ein Stipendium), und beide Jobs waren naturgemäß befristete Verträge.
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Das hielt mich in einer Schleife: Ich brauchte ständig den nächsten Job, um mir ein weiteres Visum zu sichern. Als mein Job in Paris zu Ende ging, bewarb ich mich bei Dutzenden von Universitäten.
Ich wollte jedoch nicht wieder Englisch unterrichten, was meine Optionen einschränkte. Nach zahlreichen Absagen und endlosen Bewerbungen entschied ich, dass meine Zeit besser in den USA investiert ist – auf einem Arbeitsmarkt, in dem ich uneingeschränkt rechtlich arbeiten kann.
Die Bürokratie war einfach zu viel

Digitale Nomaden zeigen oft nur die schönen Seiten – Visa- und Bürokratie-Stress bleibt meist unsichtbar.
Sydney Baker
Jedes Jahr im Ausland bedeutete, unzählige Identitätsnachweise, medizinische Atteste, Führungszeugnisse und andere Dokumente zu besorgen, übersetzen zu lassen und beglaubigen zu lassen.
Die Kosten summierten sich auf mehrere Hundert Dollar pro Visum und erforderten Reisen zu Botschaften, Konsulaten oder Drittanbietern in anderen Städten.
Damit war die bürokratische Herausforderung aber noch nicht vorbei. Meine Umzüge nach Kanada und Luxemburg fielen in die Hochphase der Pandemie. Das bedeutete streng geregelte COVID-Tests, Impfnachweise und Quarantäne.
Einmal im Land angekommen, standen zusätzliche medizinische Checks, Visavalidierungen, Behördengänge und Gebühren an, bevor ich offiziell, wenn auch nur temporär, als Einwohner anerkannt wurde.
Unterschiedliche Sprache und Kultur bedeutet: Gemeinschaft aufzubauen braucht Zeit

Sprach- und Kulturbarrieren machten es ihr anfangs schwer, in neuen Gemeinschaften Anschluss zu finden.
Sydney Baker
Es ist allgemein bekannt, dass es als Erwachsener nicht leicht ist, Freundschaften zu schließen. Kommt dann noch ein neues Land und eine fremde Sprache hinzu, dauert es noch länger.
Meine ersten Monate in Luxemburg waren geprägt von Einsamkeit und der Frage, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte.
Zum Glück fand ich nach einigen Kaffee- und Ausgeh-Dates schließlich Anschluss an eine fantastische internationale Gruppe aus verschiedenen Kontinenten.
Als ich in eine kleine Stadt im Süden Frankreichs zog, musste ich wirklich meine Französischkenntnisse einsetzen und mich durch Tanzkurse und regelmäßige Besuche im selben Café in die lokale Gemeinschaft einbringen.
Es ist leicht, sich zurückzuziehen oder nur mit anderen Amerikanern abzuhängen. Doch schließlich zahlte es sich aus, neue Kontakte zu knüpfen, Hobbys nachzugehen, und geduldig zu bleiben.
Leben als Digitale Nomadin: Ich legte die rosarote Brille ab

Nach Jahren voller Abenteuer zog Sydney Baker zurück in die USA, um in einem vertrauten Umfeld wieder Fuß zu fassen.
Sydney Baker
Nach einigen Jahren im Ausland habe ich die rosarote Brille abgesetzt, die viele amerikanische Digital-Nomaden mir durch ihre perfekt inszenierten Beiträge aufgesetzt hatten.
Sie zeigen Traum-Märkte, Aperol-Spritz und Espresso, nicht die Berge an Bürokratie, die Opfer und die Herausforderungen, die das Leben in einem neuen Land mit sich bringt.
Leben im Ausland ist kein verlängertes Ferienerlebnis. Man muss sich immer noch um alltägliche, ermüdende Aufgaben kümmern: Termine buchen, einkaufen, pünktlich zur Arbeit erscheinen … während man gleichzeitig durch Visa-Papiere und (manchmal) Sprachbarrieren navigiert.
Das soll nicht heißen, dass ich meine Zeit im Ausland nicht genossen habe, aber ich wünschte, Online-Berichte wären ein wenig nuancierter.
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Die vergangenen vier Jahre waren einige der lohnendsten meines Lebens. Im Moment jedoch bringen mich die stressigen, alltäglichen und komplizierten Details zurück in die USA.
Das Leben ist hier ebenfalls Höhen und Tiefen ausgesetzt, doch wenigstens bewege ich mich in einer Kultur, die ich kenne, und muss nicht jedes Jahr ein neues Visum beantragen.
Lest den Originalartikel auf Business Insider US.