An einem Abend in Kayl, irgendwo zwischen Parkplatzcharme und überraschendem Festivalfeeling, zeigte sich einmal mehr, dass große Konzertmomente nicht zwingend Eintritt kosten müssen. Auf der Bühne: Refused, die schwedische Hardcore-Band, die mit Songs wie „Summerholidays vs. Punkroutine“ und „Liberation Frequency“ längst Musikgeschichte geschrieben hat – und sich zu diesem Zeitpunkt bereits auf Abschiedstour befand.

Für mich war es nicht die erste Begegnung mit der Gruppe. Jahre zuvor hatte ich sie im „P-Werk“, einem Jugendzentrum im saarländischen Blieskastel, meiner Heimatstadt, gesehen. Damals hatte die Band gerade erst in der Szene auf sich aufmerksam gemacht und sich eine kleine internationale Fangemeinde erspielt. Nun also Kayl, Open Air, kostenlos – und dennoch mit einer Energie, die manch teure Veranstaltung alt aussehen lässt. Ich war mit drei Freunden da, die Erwartungen waren hoch, und Refused lieferten.

Als die letzten Töne verklangen, konnte ich meine Begeisterung nicht mehr zurückhalten.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir allerdings nicht nur die Wucht der Musik, sondern ein unscheinbarer Moment in der Menge. Direkt vor mir stand ein Mann, der wirkte, als hätte er sich eher zufällig hierher verirrt. Kein Bandshirt, kein Mitwippen, eher ein skeptischer Blick Richtung Bühne, als würde er noch überlegen, ob das hier wirklich seine Welt ist.

Dann kam „New Noise“. Der Song, der selbst Unentschlossene mitreißen kann, wenn man ihm nur eine Chance gibt. Als die letzten Töne verklangen, konnte ich meine Begeisterung nicht mehr zurückhalten und rief etwas in der Art von „Alter, was ein Brett!“ und „Ist das geil!“

Der Mann vor mir drehte sich plötzlich um und nickte mir zu. Ich fasste die Geste als Zustimmung auf, vielleicht sogar als kleines Eingeständnis: Ja, das ist tatsächlich ziemlich gut. Für einen kurzen Moment hatte sich die Energie der Musik übertragen, ganz ohne Diskussion, ganz ohne Vorwissen.

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Es sind genau diese kleinen Begegnungen, die Konzerte besonders machen können. Nicht nur die Band auf der Bühne, sondern auch das Publikum, das sich – manchmal völlig unerwartet – gemeinsam auf etwas einlässt. Und wenn das Ganze dann noch kostenlos stattfindet, umso besser.

Aus dem Leben der LW-Journalisten

Das „Gazettchen“ ist eine informelle Kolumne, in der die Autorinnen und Autoren auf legere Weise von ihren Alltagserlebnissen erzählen oder auch schon mal Einblick in ihre Gedankenwelt gewähren. Das hat eine lange Tradition: Am 3. Dezember 1946 erscheint erstmals ein Meinungsstück mit dem Titel „Heute“ am Seitenanfang oben links auf der ersten Lokalseite im „Luxemburger Wort“. Am 13. Januar 1971 wird dann aus der bei den Lesern ausgesprochen beliebten und sehr persönlichen Kolumne das „Gazettchen“, das bis heute und über alle Layout-Überarbeitungen hinweg seinen Premium-Platz in Luxemburgs auflagenstärkster Tageszeitung behalten hat.