Als wir in Ettelbrück ankommen, haben sich bereits mehrere Hundert Fans des kapverdischen Nationalteams in der Stadt eingefunden. Während der Fahrt tippte jeder das Spielergebnis. Keiner rechnet mit etwas anderem als mit einer deutlichen Niederlage der „Blauen Haie“, wie die Mannschaft genannt wird, gegen den amtierenden Europameister Spanien. „Hoffentlich ergeht es uns nicht so wie Curaçao gegen Deutschland“, sagt Nelson Neves. Das Team aus der Karibik holte sich am Vorabend eine 1:7-Abreibung. Der renommierte luxemburgische Künstler kapverdischer Herkunft weiß: Ein Achtungserfolg der Inselfußballer sei gut für das Selbstbewusstsein. Sein Sohn, der frühere Karateka Jordan Neves, ist ebenso voller Vorfreude: „Heute fiebern alle Kapverdier Luxemburgs voller Stolz mit den Blauen Haien.“

Die kapverdische Immigration ins Großherzogtum begann in den 1960er-Jahren im Zuge der Einwanderung aus der damaligen Kolonialmacht Portugal. Nach einer Studie des „Centre d’étude et de formation interculturelles et sociales“ (Cefis) von 2017 belief sich die Zahl der Einwohner kapverdischer Herkunft hierzulande damals auf 8.000 bis 9.000 Personen. Dies bestätigt das nationale Statistikamt Statec mit 8.358 Personen (Stand: 2025). Davon gibt es drei Untergruppen: Luxemburger kapverdischer Herkunft, kapverdische Staatsbürger und Kapverdier unter anderem portugiesischer Nationalität. Von 2011 bis 2025 sei die Zahl der kapverdischen Staatsbürger hierzulande auf 2.894 gestiegen, während 1.684 Kapverdier im selben Zeitraum die luxemburgische Staatsbürgerschaft annahmen, wie aus einem Beitrag des Historikers Denis Scuto über „L’Immigration capverdienne et le passé colonial du Luxembourg: retour sur les années 1970“ hervorgeht.* Scuto erinnert daran, dass die afro-portugiesische Bevölkerung Luxemburgs lange Zeit aus dem politischen Diskurs verschwunden war: „Bis 2011 kamen die Kapverdier in den öffentlichen Statistiken nicht vor.“