
Frankfurt plant die Verlängerung der U4 nach Ginnheim – doch ein entscheidender Abschnitt ist noch offen. Wie es weitergeht, hängt auch davon ab, ob die sanierungsbedürftige Rosa-Luxemburg-Straße erhalten bleibt.
Für Frankfurt ist es eines der größten innerstädtischen Infrastrukturprojekte: Die Verlängerung der U-Bahnlinie 4 nach Ginnheim. Lange geplant, oft zurückgestellt, letztlich aber vor knapp anderthalb Jahren von den Stadtverordneten grundsätzlich abgesegnet.
Doch wie genau die erweiterte Linie im Nordwesten aussehen wird, ist noch unklar. Vor allem beim Abschnitt nördlich des Campus Westend sind noch einige entscheidende Fragen zu klären. Dabei spielt eine vielbefahrene Schnellstraße eine wichtige Rolle.
Worum geht es?
Bereits seit Jahrzehnten strebt die Frankfurter Lokalpolitik zwischen den westlichen Stadtteilen Bockenheim und Ginnheim einen Lückenschluss im U-Bahnnetz an. Dazu soll die Linie U4, die derzeit an der Bockenheimer Warte endet, bis Ginnheim-Mitte verlängert werden – derzeit die Endstation für die U-Bahnlinien 1 und 9.
Vom Stadtparlament abgesegnete Streckenführung.
Anfang 2025 hat sich die Stadtverordnetenversammlung auf eine grundsätzliche Streckenführung festgelegt. Demnach soll die Linie U4 unterirdisch durch den Palmengarten und Grüneburgpark fortgeführt werden. Der Universitätscampus im Westend soll eine eigene unterirdische Station erhalten.
Nördlich des Campus sollte die U-Bahn – laut der von den Stadtverordneten bevorzugten Variante – oberirdisch bis Ginnheim-Mitte fortgeführt werden. Mit zwei weiteren Haltestellen am derzeitigen Sitz der Bundesbank und in der Platensiedlung. Prognostizierte Kosten: 404 Millionen Euro.
Was hat das mit der Rosa-Luxemburg-Straße zu tun?
Mehr als 30.000 Autos befahren die vierspurige Hauptverkehrsstraße täglich. Der größte Teil der Schnellstraße verläuft als Viadukt, also als aufgeständerte Hochstraße. Sowohl für den Anschluss der nordwestlichen Stadtteile als auch für den Durchgangsverkehr ist sie derzeit unerlässlich.
Ein Großteil der Rosa-Luxemburg-Straße verläuft als Viadukt durch die nordwestlichen Stadtteile Frankfurts.
Allerdings ist das teilweise schon über 50 Jahre alte Bauwerk sanierungsbedürftig. In welchem Umfang und wie viel eine solche Sanierung kosten würde, soll ein Gutachten bis Ende dieses Jahres klären.
Gut möglich ist allerdings auch, dass die Experten zur Einschätzung gelangen, dass das Viadukt abgerissen werden muss. Je nach Ausgang des Gutachtens müssen Individual- und öffentlicher Personennahverkehr im Frankfurter Nordwesten neu konzipiert werden.
Und was bedeutet das für den Ausbau der U4?
Betroffen wäre davon auch der Streckenabschnitt der U4 nördlich des Campus Westend. Das Frankfurter Mobilitätsdezernat hat insgesamt sechs mögliche Varianten geprüft. Nur drei davon sollen jedoch weiterverfolgt – sprich auf Umsetzbarkeit geprüft werden.
Variante N0 – Die Rosa-Luxemburg-Straße bleibt erhalten
In dieser Variante würde die U4 – wie ursprünglich vorgesehen – nördlich des Universitätscampus Westend oberirdisch fortgeführt. Die neue Station „Europaturm“ (ursprünglich: Bundesbank) würde sich dabei auf einer Ebene mit der Rosa-Luxemburg-Straße befinden – also auf dem Viadukt.
Eine weitere neue Station „Platensiedlung“ würde sich hingegen auf dem eigentlichen Straßenniveau, also unterhalb der Rosa-Luxemburg-Straße befinden. Der Autoverkehr würde – wie bisher – größtenteils über die Rosa-Luxemburg-Straße gelenkt.
Diese drei Varianten werden derzeit noch geprüft.
Variante N4 – Oberirdische Gleise, Autos im Tunnel
Sollte die Rosa-Luxemburg-Straße hingegen abgebrochen werden, stellt sich die Frage: Wohin mit dem Autoverkehr? Eine mögliche Variante wäre, zumindest den Durchgangsverkehr zwischen Ginnheimer Landstraße und der A66 in einen noch zu bauenden Tunnel umzuleiten.
Die U4 würde in dieser Variante nördlich der A66 aus dem Tunnel auftauchen und die Strecke oberirdisch fortführen. In dieser Variante ist zwischen Campus Westend und Ginnheim-Mitte jedoch nur noch die Station „Europaturm“ vorgesehen.
Variante N5 – Autos und U-Bahn im Tunnel
Alternativ könnten im Fall des Abrisses der Rosa-Luxemburg-Straße Auto- und U-Bahnverkehr zumindest teilweise in den Untergrund verlagert werden. Der Autotunnel würde auch in diesem Fall zwischen Ginnheimer Landstraße und der A66 verlaufen.
Die U4 allerdings würde bei dieser Variante auch nördlich des Campus Westend unterirdisch fortgesetzt. Auch die Station „Europaturm“ würde in den Untergrund verlagert. Erst westlich der Hügelstraße würde die U4 wieder aus dem Tunnel auftauchen.
Wie geht es nun weiter?
Derzeit befindet sich das gesamte Projekt noch in der Vorplanung. Das bedeutet: Die Streckenführung, die Standorte für die künftigen Stationen und weitere Details sind noch nicht festgelegt. Ist diese sehr frühe Planungsphase abgeschlossen, müssen die Stadtverordneten sie absegnen. Erst dann geht es in die Detailplanung.
Auf gut Deutsch: Der Ausbau der U4 steht noch ganz am Anfang. Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne) zeigt sich im Gespräch mit dem hr optimistisch, dass die Bauarbeiten „Anfang der 30er-Jahre“ beginnen können.