BR-Klassik vergibt den neunten Operetten-Frosch für die Spielzeit 2025/2026
Der neunte Frosch geht an das Gärtnerplatztheater München für „Der Graf von Luxemburg“
30.03.2026
Der neunte BR-KLASSIK -„Operetten-Frosch“ für die Spielzeit 2025/2026 geht an das Gärtnerplatztheater München für „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Lehár. Inszeniert von Peter Lund. Der Preis schließt die Nominierung für den Spielzeit-Frosch 2025/2026 ein.

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Steckbrief
„Der Graf von Luxemburg“ von Franz Lehár im Gärtnerplatztheater München – inszeniert von Peter Lund
Los geht´s
… mit einem triadischen Ballett, das zu Lehárs harmonisch kühnen Karnevalsklängen die künstlerische Aufbruchsstimmung beschwört, die um 1910 in Paris herrscht und auch in dieser Inszenierung eine Rolle spielt.

Bildquelle: BR KLASSIK Operetten-Boulevard
Verblüffend:
…wie gut Peter Lunds neue Textfassung mit Lehárs Original harmoniert. Der Graf von Luxemburg ist vielleicht Franz Lehárs musikalisch typischste Partitur: hier ist der melodische Elan seiner frühen Walzeroperette mit den lyrischen Ekstasen seines Spätwerks aufs Glücklichste vereint – nur die Handlung um den verarmten Grafen, der bei einer Scheinheirat seinen Titel für viel Geld verkauft, ist inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen. Und so wird in Lunds szenischer Verjüngungskur aus dem Heiratsgrafen ein Kammerdiener der Gräfin von Luxemburg, der in ihrer Abwesenheit ihren Namen benutzt – eine gelungene Hochstapelei! Ansonsten hat sich wenig geändert: die Operette spielt nach wie vor im Paris der Jahrhundertwende. Jürgen Franz Kirner hat dafür Versatzstücke des Eifelturms auf die Drehbühne platziert, die mal Zugabteil, mal Mansarde, mal Cabaret, mal Showtreppe ergeben, bevölkert von einem bunten Künstler- und Aristokratenvölkchen in den Fin de Siècle-Kostümen von Daria Kornysheva – eine atmosphärisch stimmige, elegante Ausstattung.
Überzeugend:
… wie Lunds Ansatz, Operette genauso flott zu erzählen wie man es vom Musical kennt, aufgeht. Er hat die richtigen Stellschrauben gedreht, heute veraltete Klischees über Bord geworfen, die Frauenrollen deutlich aufgewertet, den Witz zugespitzt. Daniel Prohaska ist als falscher Titelgraf ein charmanter Operetten-Felix Krull, der wenig von der Liebe hält. Denn die bringt nur immer alles durcheinander. Das findet auch die aufstrebende Sängerin Angèle. Beide wollen im Paris von 1910 Karriere machen und das ist beim extremen sozialen dieser Epoche nicht so einfach. Trotzdem werden beide dann doch von der Liebe überwältigt, nicht zuletzt dank der überwältigenden Musik.
Mitreissend:
…wie Dirigent Michael Brandstätter diese Musik zum Klingen bringt. Es wird nie kitschig, was bei Lehár ja leicht passieren kann, klingt immer leicht und lässt den Sängern den Sängern Raum für stimmige Rollenporträts – gerade die erstaunlich gute Textverständlichkeit steht dafür. Daniel Prohaska muss keine Spitzentöne schmettern, seine Partnerin Andreja Zidaric ihre Opernkoloraturen nur andeuten – beide haben jene Leichtigkeit, die das Genre verlangt. Das gilt auch für Sophia Kieler und Peter Neustifter als Buffo- und Künstlerpaar Juliette und Armand, die hier auch noch die Avantgarde der Zeit ins Spiel bringen. Noch mehr freilich gilt es für Dagmar Hellbergs freche, erotisch souveräne Gräfin von Luxemburg und für Erwin Windegger, der aus seinem alten Fürsten Basil nicht wie üblich eine Lachnummer, sondern eine komische Charakterstudie macht. Jede Rolle hat ihre eigene Nuance, auch musikalisch, die Handlung ist dank Lunds neuen überraschenden Wendungen spannend und flott erzählt. Der Zauber von Paris um 1910 steckt in jedem Detail – die ganze Operette ist hier wie Lehárs großer Walzerschlager: ein lachendes Glück!
Sei kein Frosch, küss ihn: Das Team vom BR-Klassik Operettenboulevard ist begeistert von Peter Lunds bezaubernder Inszenierung und gratuliert dem Gärtnerplatztheater München zu großem Operettenmut!
Inszenierung: Peter Lund
Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Bühne: Jürgen Franz Kirner
Kostüme: Daria Kornysheva
Choreographie: Alex Frei