{"id":10643,"date":"2026-07-01T05:04:10","date_gmt":"2026-07-01T05:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/10643\/"},"modified":"2026-07-01T05:04:10","modified_gmt":"2026-07-01T05:04:10","slug":"tageblatt-lu-editorial-das-kind-im-pfas-brunnen-hat-die-politik-aus-ihren-fehlern-gelernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/10643\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Editorial | Das Kind im PFAS-Brunnen: Hat die Politik aus ihren Fehlern gelernt?"},"content":{"rendered":"<p>Serge Wilmes hat den Umweltsch\u00fctzer in sich entdeckt. Pestizide sollen in Wasserschutzzonen komplett verboten werden, verlangt der neu-gr\u00fcne CSV-Umweltminister. Und legt sich daf\u00fcr sogar mit Landwirtschaftsministerin und Parteikollegin Martine Hansen an. Wie ernst er diese neu gefundene Rolle interpretiert, wird sich auch an der PFAS-Problematik ablesen lassen. <\/p>\n<p>PFAS, das sind per- und polyfluorierte Chemikalien, die seit den 1940er Jahren k\u00fcnstlich hergestellt werden. In der Natur kommen diese aufgrund ihrer Langlebigkeit auch \u201eEwigkeitschemikalien\u201c genannten Stoffe nicht vor. Stattdessen werden sie f\u00fcr Kochgeschirr \u00fcber Zahnseide bis hin zu Textilien industriell hergestellt und verwertet \u2013 und landen letztlich in der Umwelt und im Trinkwasser. Mit sch\u00e4dlichen Folgen f\u00fcr Umwelt und Gesundheit. <\/p>\n<p>Die Luxemburger Gr\u00fcnen machen bereits seit Anfang des Jahres vermehrt Druck. Jo\u00eblle Welfring und Djuna Bernard haben R\u00fcckst\u00e4nde der Chemikalien im eigenen K\u00f6rper getestet und nachgewiesen, und eine Interpellation in der Chamber angefragt. Am Mittwoch wird der interministerielle Bericht \u00fcber PFAS, der bereits im M\u00e4rz in der Chamber vorgestellt wurde, in dem zust\u00e4ndigen Parlamentsausschuss diskutiert. F\u00fcr Diskussion und Nachfragen war im M\u00e4rz nicht gen\u00fcgend Zeit eingeplant worden. Sinnbildlich f\u00fcr den stiefm\u00fctterlichen Umgang mit Umweltthemen in Luxemburg. Und vielleicht auch in Europa und der Welt. <\/p>\n<p>Wohl auch, weil die PFAS f\u00fcr viele Menschen \u00e4hnlich schwer konkret zu erfassen sind wie die Klimakrise. W\u00e4hrend einige Facebook-Kommentatoren nicht m\u00fcde werden, die immer h\u00e4ufiger und fr\u00fcher auftretenden Hitzewellen mit aggressiv vorgetragener Ignoranz \u2013 der deutsche Spiegel-Kolumnist Christian St\u00f6cker gebrauchte daf\u00fcr j\u00fcngst den Begriff der Aggnoranz \u2013 als \u201eSommer, wie er fr\u00fcher einmal war\u201c, zu verharmlosen. Nur: Daten und Zahlen l\u00fcgen nicht. <\/p>\n<p>Im Rahmen der PFAS bedeutet das haupts\u00e4chlich eins: Unsicherheit. Genau abzusch\u00e4tzen sind die Langzeitauswirkungen f\u00fcr die Flora und Fauna bislang nicht. Nur, dass sich die Chemikalien \u00fcber Jahre hinweg in jedem Einzelnen von uns, im Trinkwasser oder in den B\u00f6den akkumulieren werden, steht au\u00dfer Frage. Und bevor die \u00dc50-Klima- und Umweltexperten aus den Social-Media-Kommentarspalten Sturm laufen, die sich an der Farbe Rot auf Klimadiagrammen f\u00fcr Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius st\u00f6ren und wieder reine Panikmache hinter solchen Artikeln vermuten: Es sind die U30-Generationen, die die Konsequenzen des heutigen Handelns noch Jahrzehnte ertragen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>In puncto Klimawandel hat die Politik bisher gezeigt, wie man Langzeitkrisen nicht angehen sollte. Und \u00e4hnlich den Regulierungsma\u00dfnahmen zugunsten des Klima- und Umweltschutzes laufen Lobbyverb\u00e4nde und Industrieunternehmen Sturm gegen eine strengere Regulierung. Auch in Luxemburg weist die Fedil auf eine abfallende \u201eKompetitivit\u00e9it\u201c bei weitgehenden Verboten hin. DuPont ist bereits vor zwei Jahren bei Au\u00dfenminister Bettel deswegen vorstellig geworden. Das Kind liegt, wie beim Klimaschutz auch, bereits im Brunnen. Die Frage ist nur: Wie viele PFAS-verseuchte Schlucke es \u00fcbersteht, bevor es abs\u00e4uft. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Serge Wilmes hat den Umweltsch\u00fctzer in sich entdeckt. 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