{"id":1167,"date":"2026-02-21T12:48:04","date_gmt":"2026-02-21T12:48:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/1167\/"},"modified":"2026-02-21T12:48:04","modified_gmt":"2026-02-21T12:48:04","slug":"tageblatt-lu-ukrainische-fluechtlinge-ihre-lebensbedingungen-werden-immer-schlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/1167\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Ukrainische Fl\u00fcchtlinge | \u201eIhre Lebensbedingungen werden immer schlechter\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Vor vier Jahren herrschte eine gro\u00dfe Anteilnahme und Aufnahmebereitschaft seitens der westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder gegen\u00fcber den ukrainischen Fl\u00fcchtlingen. Hat sich seither etwas ver\u00e4ndert? Ist die Hilfsbereitschaft noch dieselbe? <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Inna Yaremenko: Die Unterst\u00fctzung hat sich stark ver\u00e4ndert. Zu Beginn des Krieges dachten wir alle, dass dieser nicht lange dauern w\u00fcrde und nach einigen Monaten zu Ende w\u00e4re. Wir sp\u00fcrten eine riesige Solidarit\u00e4t sowohl auf offizieller Ebene seitens der Regierung als auch von Seiten der Bev\u00f6lkerung. In der Zwischenzeit hat sich doch einiges ge\u00e4ndert. Andere Konflikte r\u00fcckten zum Teil in den Vordergrund. Viele Menschen waren au\u00dferdem der st\u00e4ndigen Nachrichten \u00fcber den Krieg in der Ukraine m\u00fcde geworden. Wir merkten dies auch hinsichtlich der Spenden, die zur\u00fcckgingen. Wir m\u00fcssen damit umgehen, weil wir noch immer nicht gen\u00fcgend Unterst\u00fctzer haben. Aber wir machen unerm\u00fcdlich weiter und d\u00fcrfen nicht aufgeben. Schlie\u00dflich glauben wir an unsere Mission. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Wie viele Ukrainer leben zurzeit in Luxemburg? <\/p>\n<p>Um die 4.200 haben einen tempor\u00e4ren Fl\u00fcchtlingsstatus hierzulande. Im vergangenen Jahr kamen etwa tausend in Luxemburg an. In den letzten Monaten sind neue hinzugekommen, weil dieser Winter in der Ukraine besonders hart ist. Vor zwei Wochen fiel das Thermometer auf minus 25 Celsius. Russland hat rund 80 Prozent unserer Energie-Infrastruktur zerst\u00f6rt, so dass Elektrizit\u00e4t und Heizungen ausgefallen sind, vor allem in den Gro\u00dfst\u00e4dten. Es ist eine humanit\u00e4re Katastrophe. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Wie hat sich die Situation der Ukrainer hierzulande ge\u00e4ndert? <\/p>\n<p>Die meisten von ihnen sind in die Gesellschaft integriert, gehen einer Arbeit nach, und ihre Kinder gehen hier zur Schule. Allerdings leben viele noch in sozialen Einrichtungen und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften des Office national d\u2019accueil (ONA) wie zum Beispiel dem Centre Tony Rollman und dem B\u00e2timent T auf Kirchberg. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Dort herrschten bis vor kurzem noch prek\u00e4re Zust\u00e4nde sowohl was Hygiene als auch Betreuung angeht. Hat sich die Situation nicht verbessert? <\/p>\n<p>\u00dcberhaupt nicht. Meiner Meinung nach ist sie noch schlimmer geworden. Als Vertreterin des Ombudsmans des ukrainischen Parlaments habe ich zahlreiche Beschwerden von Ukrainern und Ukrainerinnen erhalten, die in den Strukturen leben. Ihre Lebensbedingungen sind sehr schwierig. Sie werden immer schlechter. Ich habe ein ums andere Mal in den Medien und sozialen Netzwerken darauf aufmerksam gemacht. Das zust\u00e4ndige Familienministerium reagierte, indem die Strukturen gereinigt wurden. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Was sind die haupts\u00e4chlichen Probleme, mit denen die Menschen in den Strukturen konfrontiert sind? <\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach liegt das Problem im gesamten Aufnahmesystem. Nehmen wir als Beispiel das Centre Tony Rollman, das errichtet wurde, als die Ukrainer ins Land kamen. Allerdings war es als tempor\u00e4res Projekt vorgesehen. Ich erhielt sogar eine Nachricht von dem, der es errichtet hatte. Er sagte mir, er sei schockiert, dass es noch immer da sei. Es ist ein Lager, das v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt ist. Zw\u00f6lf Leute leben in einem Zelt. Auf der anderen Seite leben im B\u00e2timent T mehr als 1.500 Menschen auf engstem Raum. Die Sicherheitskr\u00e4fte dort vermitteln einem den Eindruck, dass man in einem Gef\u00e4ngnis lebt. Viele Leute haben Angst und werden krank. Aber es ist nicht nur das. Ich bekam auch eine Menge von Beschwerden \u00fcber das Verhalten der Sozialarbeiter und den Mangel an psychologischer Betreuung. Die meisten unserer Fl\u00fcchtlinge sind Frauen und Kinder. Viele von ihnen sind traumatisiert. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es nicht einfach f\u00fcr sie, ihre Kinder zu erziehen, einen Job zu suchen und eine Wohnung zu finden. Ich frage mich immer wieder: Hat Luxemburg \u00fcberhaupt eine Strategie auf lange Sicht? Diese Frage hat mir bisher niemand beantwortet. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Auch Hilfsorganisationen und Oppositionsparteien haben diese Frage schon aufgeworfen. Schlie\u00dflich sind auch andere Fl\u00fcchtlinge davon betroffen. <\/p>\n<p>Das gesamte Aufnahmesystem muss ge\u00e4ndert werden. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Was ist aus den privaten Initiativen seit Beginn des Kriegs geworden? <\/p>\n<p>Es gibt immer noch einige Menschen aus der lokalen Bev\u00f6lkerung, die spenden, helfen und sich engagieren, wo sie nur k\u00f6nnen. Ihnen ist bewusst, dass die Ukrainer nicht nur f\u00fcr ihr eigenes Land und ihre Zukunft k\u00e4mpfen. Die Ukraine ist an der Ostgrenze Europas und zugleich die Front. Es geht also um unsere gemeinsame Zukunft. Die Menschen, die das verstehen, unterst\u00fctzen uns, etwa bei unserem Fundraising. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Der tempor\u00e4re Fl\u00fcchtlingsstatus f\u00fcr die Ukrainer wurde f\u00fcr ein Jahr verl\u00e4ngert. Welche Bedeutung hat das f\u00fcr Sie? <\/p>\n<p>Es ist positiv. Aber ich glaube nicht, dass es bald Frieden gibt. Zwar sind die Leute, die es betrifft, froh dar\u00fcber. Aber wir brauchen eine Strategie, eine l\u00e4ngerfristige Perspektive. Was wird in einem Jahr sein? Die Ungewissheit ist gro\u00df. Viele Ukrainer wissen nicht einmal mehr, wo sie in der Ukraine hingehen sollen. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Haben manche resigniert? <\/p>\n<p>Die meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, denken noch positiv, weil ihnen nichts anderes \u00fcbrigbleibt. Sie bew\u00e4ltigen ihr t\u00e4gliches Leben, einige haben zwei, drei Arbeitsstellen. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Vor allem f\u00fcr Kinder und Jugendliche d\u00fcrfte es schwierig sein. <\/p>\n<p>Deshalb haben wir von LUkraine neben der humanit\u00e4ren Hilfe f\u00fcr die Ukraine und die praktische Hilfe f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge hier als weiteren Pfeiler unserer Arbeit verschiedene Projekte f\u00fcr junge Leute gestartet. Denn das Problem wird gr\u00f6\u00dfer. Einerseits wollen die Jugendlichen in Luxemburg bleiben, die meisten von ihnen sind integriert. Andererseits sind ihre V\u00e4ter noch in der Ukraine im Krieg. Sie f\u00fchlen sich also irgendwie verloren. Im vergangenen Jahr beging ein ukrainischer Jugendlicher Suizid. Um so mehr versuchen wir, psychologische Hilfe f\u00fcr sie zu verst\u00e4rken. Zudem veranstalten wir hier neben Franz\u00f6sischkursen auch Jugendtreffen. Es ist auch ein Wendepunkt in unserer Arbeit. <\/p>\n<p>            &#13;<br \/>\n              <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Die-Vizepraesidentin-von-LUkraine-erlaeutert-die-36974.jpg\" title=\"\u201eIhre Lebensbedingungen werden immer schlechter\u201c \" alt=\"Vizepr\u00e4sidentin der Ukraine erkl\u00e4rt Schwerpunkte der Organisation bei offizieller Veranstaltung\" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:50% 50%;\"\/>&#13;<br \/>\n              &#13;<\/p>\n<p class=\"image-caption\">Die Vizepr\u00e4sidentin von LUkraine erl\u00e4utert die verschiedenen Schwerpunkte der Organisation Foto: Editpress\/Julien Garroy<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n              &#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Wie hat sich die Arbeit ihrer ASBL LUkraine dar\u00fcber hinaus ver\u00e4ndert? <\/p>\n<p>Die Priorit\u00e4t richtet sich nach wie vor auf die Ukraine. So haben wir im Zuge unserer Winterkampagne Spenden f\u00fcr Winteruniformen f\u00fcr Frauen gesammelt. Denn fast 60.000 Frauen sind zurzeit in der ukrainischen Armee. Das Projekt wurde auch von der luxemburgischen Verteidigungsministerin Yuriko Backes pers\u00f6nlich unterst\u00fctzt. Im November schlossen wir unsere gro\u00dfe Fundraising-Kampagne \u201eUkraine is calling\u201c ab, um 112 Krankenwagen und Feuerwehrautos in die Ukraine zu schicken und um humanit\u00e4re und medizinische Hilfe zu leisten. Und wir kauften zwei Fahrzeuge f\u00fcr Operationen. Dar\u00fcber hinaus werden wir nicht m\u00fcde, an die Europ\u00e4er zu appellieren, die Ukraine weiter mit Waffen zu unterst\u00fctzen und die Sanktionen gegen Russland zu verst\u00e4rken. <\/p>\n<p class=\"Infobox-Titel1\">Demonstration der Solidarit\u00e4t <\/p>\n<p class=\"Infobox-Text1\">Anl\u00e4sslich des vierten Jahrestages des russischen Angriffs auf die Ukraine am 24. Februar 2022 organisieren bereits drei Tage vorher, am heutigen Samstag, die ASBL LUkraine und die Vertretung der Europ\u00e4ischen Kommission in Luxemburg eine Solidarit\u00e4tsdemonstrationen durch die Hauptstadt. Treffpunkt ist um 13 Uhr 45 vor dem Hauptbahnhof. Von dort aus startet die Demo um 14 in die Oberstadt und endet auf der Place Clairefontaine. Dort werden unter anderem Verteidigungsministerin Yuriko Backes sowie Anne Calteux, Leiterin der Vertretung der EU-Kommission, und LUkraine-Pr\u00e4sident Nicolas Zharov als Redner:innen auftreten. <\/p>\n<p>              &#13;<br \/>\n                <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Inna-Yaremenko-36975.jpg\" title=\"\u201eIhre Lebensbedingungen werden immer schlechter\u201c \" alt=\"Portr\u00e4t von Inna Yaremenko, professionelle Gesch\u00e4ftsfrau mit freundlichem L\u00e4cheln vor neutralem Hintergrund\" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:49.999767851455686696% 49.998829427765365097%;\"\/>&#13;<br \/>\n                &#13;<\/p>\n<p class=\"image-caption\">Inna Yaremenko Foto: Editpress\/Julien Garroy<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n                &#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Vor vier Jahren herrschte eine gro\u00dfe Anteilnahme und Aufnahmebereitschaft seitens der westeurop\u00e4ischen L\u00e4nder gegen\u00fcber den ukrainischen Fl\u00fcchtlingen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1168,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[179,339,340,5,180],"class_list":["post-1167","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-luxemburg","tag-flchtlinge","tag-inna-yaremenko","tag-lukraine","tag-luxemburg","tag-ukraine-krieg"],"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1167"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1167\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1168"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}