{"id":11987,"date":"2026-07-27T17:45:10","date_gmt":"2026-07-27T17:45:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/11987\/"},"modified":"2026-07-27T17:45:10","modified_gmt":"2026-07-27T17:45:10","slug":"gewerkschaftskonferenz-den-frieden-gewinnen-nicht-den-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/11987\/","title":{"rendered":"Gewerkschaftskonferenz \u2013 \u00bbDen Frieden gewinnen, nicht den Krieg\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img323803\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/323803.jpeg\" alt=\"Panzergetriebe-Produktion bei dem Hersteller Renk. Besch\u00e4ftigte sollen Vorschl\u00e4ge f\u00fcr zivile Produktion machen k\u00f6nnen, lautet eine Forderung. Dazu braucht es eine Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes.\"\/><\/p>\n<p>Panzergetriebe-Produktion bei dem Hersteller Renk. Besch\u00e4ftigte sollen Vorschl\u00e4ge f\u00fcr zivile Produktion machen k\u00f6nnen, lautet eine Forderung. Dazu braucht es eine Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes.<\/p>\n<p>Foto: dpa | Stefan Puchner<\/p>\n<p>In W\u00fcrzburg kamen am Freitag und Samstag rund 300 Friedensaktivist*innen aus nationalen und internationalen Gewerkschaften sowie sozialen Bewegungen f\u00fcr eine gemeinsame Antikriegsbewegung zusammen. Damit wollte sich die Bewegung gegen Aufr\u00fcstung und Sozialabbau und f\u00fcr einen hei\u00dfen Herbst in Stellung bringen. Nach Hanau, Stuttgart und Salzgitter war es bereits die vierte \u00bbGewerkschaftskonferenz f\u00fcr den Frieden\u00ab in Folge. Gekommen waren auch einige internationale G\u00e4ste wie etwa Jeremy Corbyn von der britischen Labour Party.<\/p>\n<p>\u00bbWir erleben eine nie dagewesene Geschwindigkeit in den Vorbereitungen hin zum Krieg\u00ab, sagt Norbert Zirnsak, zun\u00e4chst hauptamtlicher DGB-Gewerkschaftssekret\u00e4r, seit August 2023 erster Bevollm\u00e4chtigter der IG Metall in W\u00fcrzburg. Diese beg\u00e4nnen bereits in den Betrieben, wo bis heute das Arbeitssicherstellungsgesetz aus der Tradition der alten BRD-Notstandsgesetzgebung regele, dass die Produktion f\u00fcr den Krieg angeordnet werden k\u00f6nne. \u00bbWenn heute \u00fcber Kriegst\u00fcchtigkeit, Gesamtverteidigung und milit\u00e4rische Einsatzbereitschaft gesprochen wird, erh\u00e4lt dieses Gesetz eine neue politische Dimension\u00ab, sagt Zirnsak.<\/p>\n<p>Kriegsvorbereitung beginnt im Betrieb<\/p>\n<p>Schon jetzt m\u00fcssten Hafenarbeiter*innen R\u00fcstungsexporte verladen, Lehrer*innen Soldat*innen in den Unterricht einladen und Pflegekr\u00e4fte lernen, wie sie Kriegsverletzte versorgen, schloss sich Ulrike Eifler, zweite Bevollm\u00e4chtigte der IG Metall W\u00fcrzburg in ihrer Rede am Freitag an.<\/p>\n<p>Wenn Menschen am Arbeitsplatz Widerstand leisteten, m\u00fcssten sie auf den Schutz der Gewerkschaften z\u00e4hlen k\u00f6nnen. \u00bbSchon jetzt sehen wir, wie Arbeitgeber ihr Direktionsrecht nutzen, um friedenspolitische Positionen autorit\u00e4r abzustrafen\u00ab, sagte Eifler. \u00bbBesch\u00e4ftigte der Industrie wollten aber stolz \u00abdarauf sein, dass sie Brotbackautomaten, Kaffeemaschinen oder Busse herstellen, statt Panzer, Drohnen und Handgranaten\u00bb.<\/p>\n<p>Wenn in der Produktion auf R\u00fcstung umgestellt wird, m\u00fcssten Betriebsr\u00e4t*innen mehr Befugnisse erhalten und ein Veto einlegen k\u00f6nnen, fordert Cem Ince, der seit 2025 f\u00fcr Die Linke im Bundestag sitzt. Ein anderes wichtiges Mittel sei das Initiativrecht, mit dem sie andere, sinnvolle Produkte f\u00fcr den Standort vorschlagen k\u00f6nnen, sagt Ince dem \u00abnd\u00bb. Um eine Novellierung des Betriebsverfassungsgesetzes und die Erweiterung der Mitbestimmungsrechte von Betriebsr\u00e4t*innen durchzusetzen, brauche es aber Mehrheiten in Berlin.<\/p>\n<p>Keine Raketenwerfer f\u00fcr Israel<\/p>\n<p>\u00abVon meiner Gewerkschaft erwarte ich ganz klar, dass sie sich laut und \u00f6ffentlich dagegenstellt, wenn R\u00fcstung produziert wird\u00bb, sagt Lars Hirsekorn, seit 1994 Mitarbeiter bei Volkswagen in Braunschweig, am Rande der Konferenz. Stattdessen umgehe die IG Metall den Dialog mit den Besch\u00e4ftigten und weigere sich, an Friedensdemonstrationen und f\u00fcr eine zivile Fertigung einzutreten.<\/p>\n<p>VW lagere etwa zivile Produktionen in andere L\u00e4nder aus, weil R\u00fcstung in Deutschland lukrativer sei. \u00abIn Osnabr\u00fcck gibt es vor allem muslimische Kolleg*innen, die k\u00fcndigten, weil sie keine Raketenwerfer f\u00fcr Israel produzieren wollen\u00bb, f\u00e4hrt Hirsekorn fort. Viele Arbeiter*innen in Braunschweig w\u00fcrden bei einer Konversion auch die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen nicht \u00fcberstehen, ihnen drohten dann \u00c4nderungsk\u00fcndigungen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img323804\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/323804.jpeg\" alt=\"G\u00e4ste und Redner*innen bei der Gewerkschaftskonferenz in W\u00fcrzburg. Im Fokus stand die zunehmende Kriegsproduktion und M\u00f6glichkeiten des Widerstands.\"\/><\/p>\n<p>G\u00e4ste und Redner*innen bei der Gewerkschaftskonferenz in W\u00fcrzburg. Im Fokus stand die zunehmende Kriegsproduktion und M\u00f6glichkeiten des Widerstands.<\/p>\n<p>Foto: Melanie Klimmer<\/p>\n<p>\u00abS\u00e4mtliche Fragen der betrieblichen Umstellung m\u00fcssen in eine aktive, nachhaltige und branchenweit koordinierte Industriepolitik eingebettet werden und realistische Perspektiven f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten bieten\u00bb, sagt der fr\u00fchere Pr\u00e4sident der Partei der Europ\u00e4ischen Linken, Heinz Bierbaum, im \u00abnd\u00bb-Gespr\u00e4ch. \u00abWir brauchen eine Konversion in der gesamten Branche hin zu einem anderen Mobilit\u00e4tssystem mit mehr \u00f6ffentlichem Nah- und Fernverkehr.\u00bb<\/p>\n<p>Bierbaum nennt als Beispiel das VW-Werk in Osnabr\u00fcck: Da k\u00f6nnten kleinere, autonome Busse f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Nahverkehr hergestellt werden und die Besch\u00e4ftigten eine aktive Rolle bei der Konversion spielen.<\/p>\n<p>Vierte gro\u00dfe Systemkrise seit 2007<\/p>\n<p>\u00abEs muss endlich aufger\u00e4umt werden mit dem Mythos, das Gesch\u00e4ft mit dem Tod k\u00f6nne die Arbeitsplatzvernichtung in der Automobilindustrie kompensieren!\u00bb, sagt Bernd Riexinger, Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung, in seiner Rede am Freitag. Selbst bei einem Stellenzuwachs in der R\u00fcstung von 30 Prozent sei das nicht zu machen. Anders bei \u00f6ffentlichen Investitionen: Laut einer Projektion der Hans-B\u00f6ckler-Stiftung bis ins Jahr 2050 und einer Mannheimer Studie br\u00e4chten Investitionen in die \u00f6ffentliche Infrastruktur das Zwei- bis Dreifache an zus\u00e4tzlicher Wertsch\u00f6pfung, jeder Euro in R\u00fcstung dagegen nur 50 Cent. Mit anderen Worten: \u00abJe gr\u00f6\u00dfer der R\u00fcstungssektor, desto mehr wird der Fortschritt der Produktion und der Fortschritt der gesamten Gesellschaft gebremst\u00bb, so Riexinger.<\/p>\n<p>Die vierte gro\u00dfe Systemkrise des Kapitalismus seit 2007 stelle Gewerkschaften vor eine historische Bew\u00e4hrungsprobe, sagt der Autor des Buches \u00abInnere Zeitenwende\u00bb, Ingar Solty. Er warnt in W\u00fcrzburg, der neue, postliberale Kapitalismus gehe zunehmend autorit\u00e4r und in Teilen deglobalisierend vor, untergrabe demokratische Strukturen und versch\u00e4rfe globale Konflikte. Zum Vergleich: Fr\u00fchere Krisen, wie die Gro\u00dfe Deflation zwischen 1873 und 1895 und die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren, m\u00fcndeten in zwei Weltkriegen mit mehr als 100 Millionen Toten.<\/p>\n<p>Die neoliberale Offensive in den 1970er Jahren habe zur Zerschlagung von Gewerkschaftsmacht im Westen und nationalen Befreiungsbewegungen im Globalen S\u00fcden gef\u00fchrt, erinnert Solty, Referent f\u00fcr Friedens-, Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Mit der aktuellen Systemkrise und einer kriegerischen Geopolitik mit zunehmend unregulierten neuen Waffensystemen stellten sich soziale, Friedens-, Klima- und Demokratiefragen neu. Gegen diesen autorit\u00e4ren Staatsumbau spielten die Gewerkschaften jetzt eine entscheidende Rolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Panzergetriebe-Produktion bei dem Hersteller Renk. Besch\u00e4ftigte sollen Vorschl\u00e4ge f\u00fcr zivile Produktion machen k\u00f6nnen, lautet eine Forderung. 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