{"id":1227,"date":"2026-02-22T15:06:14","date_gmt":"2026-02-22T15:06:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/1227\/"},"modified":"2026-02-22T15:06:14","modified_gmt":"2026-02-22T15:06:14","slug":"tageblatt-lu-der-politfluesterer-grenztheater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/1227\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Der Politfl\u00fcsterer | Grenztheater"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDie ganze Welt ist eine B\u00fchne\u201c, schrieb Shakespeare. Und Luxemburg spielt gerade in einer sehr speziellen Inszenierung: Politkabarett mit internationalen Gaststars, Eintritt frei, Kontrolle am Ausgang. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Erster Akt: Die U.S. Embassy Luxembourg postet zum Pr\u00e4sidententag ein Foto mit Botschafterin Stacey Feinberg. Sie gratuliert Donald Trump mit den Worten \u201eGreatest President in History\u201c. Ein Liebesbeweis, der wehtut, denkt der Politfl\u00fcsterer. Im Publikum: abertausende lachender Emojis. Selten war Diplomatie so unfreiwillige Stand-up-Comedy. So ist das eben: Wenn Pathos zu dick aufgetragen wird, rutscht es auf der Bananenschale der Kommentarspalte aus. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Zweiter Akt: In London wird es pl\u00f6tzlich dokumentarisch. Andrew Mountbatten-Windsor, \u201eformerly known as Prince\u201c, wird wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit Epstein festgenommen, rund elf Stunden auf der Wache, dann \u201ereleased under investigation\u201c. Man m\u00f6chte sagen: Die Monarchie probt jetzt auch \u201eLaw &amp; Order\u201c, nur ohne Drehbuchsicherheit. Staffel offen, W\u00fcrde geschlossen. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Dritter Akt: Berlinale. W\u00e4hrend drau\u00dfen die Weltlage knirscht, g\u00f6nnt sich Luxemburg ein Feuilleton-Intermezzo. Premier Luc Frieden, nicht gerade ein Mann, der Konfetti atmet, findet Zeit, \u00fcber Dua Lipas Auftritt und das dazugeh\u00f6rige Kost\u00fcm zu sprechen. Wenn der Stoff knapp wird, wird die Aussage pl\u00f6tzlich gro\u00df, und wer sonst \u00fcber Haushaltszahlen spricht, entdeckt die Metaphysik des Saums. Grenzwertig. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Vierter Akt: Munich Security Conference, 14. Februar, Valentinstag. Yuriko Backes und Xavier Bettel l\u00e4cheln geschniegelt in die Kameras, w\u00e4hrend US-Au\u00dfenminister Rubio Europa in h\u00f6flichem Ton die Leviten liest: Allianz ja, aber bitte nach Drehbuch Washington. Eine Ohrfeige mit Samthandschuh. Wer \u201ePartnerschaft\u201c sagt, meint wohl manchmal \u201eRegieanweisung\u201c. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Finale: Im Dreil\u00e4ndereck an der Mosel sind Feiern nicht immer Grund zum Feiern. Wenn die deutsche Polizei kontrolliert, sind die Nachbarn etwas enerviert. Der Perler B\u00fcrgermeister Ralf Uhlenbruch, CDU wie Kanzler Merz, deutete an: Wenn er k\u00f6nnte, wie er wollte, g\u00e4be es das so nicht. Applaus in Schengen und Apach. Grenzkontrollen, eben noch Relikt, sind heute die kleine Vorschau auf eine ungem\u00fctliche Zukunft. L\u00e9on Gloden ruft nach Schengen-Geist. Dr\u00fcben h\u00f6rt man kurz zu \u2013 und sagt dann l\u00e4chelnd Nein. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Abspann: Applaus, Abgang, Ausweis. \u201eExit, pursued by a bear\u201c, aber bitte nicht Putin \u2013 im Pelz. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDie ganze Welt ist eine B\u00fchne\u201c, schrieb Shakespeare. 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