{"id":12925,"date":"2026-08-18T21:39:12","date_gmt":"2026-08-18T21:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/12925\/"},"modified":"2026-08-18T21:39:12","modified_gmt":"2026-08-18T21:39:12","slug":"tageblatt-lu-ignoranz-statt-information","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/12925\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Ignoranz statt Information"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstagabend zieht pl\u00f6tzlich dichter Rauch in den Osten des Landes. Schnell verbreitet sich die Sorge, dass in unmittelbarer N\u00e4he ein Feuer w\u00fcten k\u00f6nnte. Die 112 l\u00e4uft hei\u00df, um 20.13 Uhr vermeldet LU-Alert \u201eunangenehmen Geruch\u201c aufgrund der Waldbr\u00e4nde in Deutschland und Belgien. <\/p>\n<p>Das bekommt allerdings kaum jemand mit. <\/p>\n<p>Denn: Die Erkl\u00e4rung des bedrohlich wirkenden Vorgangs erscheint lediglich als \u201eInformation: Kein Risiko\/keine Gefahr\u201c auf den hauseigenen Plattformen des Innenministeriums \u2013 gut versteckt an f\u00fcnfter Stelle. Vier Lebensmittelr\u00fcckrufe werden als dringlicher eingestuft als die Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung \u00fcber den Ursprung des Rauchs. Diesbez\u00fcgliche Verhaltensempfehlungen fehlen komplett. <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Sorgen der Bev\u00f6lkerung nicht ernst genommen <\/p>\n<p>Dass Menschen bei Rauch und Brandgeruch in Alarmstellung gehen, ist ein nat\u00fcrlicher Reflex. Die Frage nach der m\u00f6glichen Gefahrenquelle und das Bed\u00fcrfnis, Abstand zu dieser zu gewinnen, sichern nichts weniger als unser \u00dcberleben. <\/p>\n<p>Wie kann es also sein, dass Beh\u00f6rden eines Landes die B\u00fcrger mit ihren Sicherheitsbedenken stundenlang nahezu alleinlassen? <\/p>\n<p>Es ist grob fahrl\u00e4ssig, davon auszugehen, dass Personen im Fall einer subjektiven Gef\u00e4hrdung gezielt die Webseite\/App von LU-Alert aufrufen. Deutlich niederschwelliger ist es, wichtige Informationen via Cell-Broadcast an alle Handys im betroffenen Gebiet zuzustellen \u2013 was jedoch erst mehr als 18 Stunden nach der Erstmeldung auf lu-alert.lu erfolgt. <\/p>\n<p>Privatpersonen erledigen Beh\u00f6rdenarbeit <\/p>\n<p>Als die Warn-SMS am Sonntag um 14.39 Uhr endlich aufploppt, wissen die Luxemburger l\u00e4ngst Bescheid, woher der Rauch kommt. Nicht zuletzt, weil private Wetterdienste wie \u201eM\u00e9t\u00e9o Boulaide\u201c und \u201eM\u00e9t\u00e9o R\u00e9imech\u201c sie fortlaufend \u00fcber aktuelle Entwicklungen, empfohlene Verhaltensweisen, Luftqualit\u00e4t und m\u00f6gliche Folgen f\u00fcr die Gesundheit informieren. <\/p>\n<p>Die Privatpersonen Philippe Ernzer (M\u00e9t\u00e9o Boulaide)* und Steve Rock (M\u00e9t\u00e9o R\u00e9imech) werden zu den einzig verf\u00fcgbaren Lageexperten und erledigen \u00fcber Stunden hinweg die Kommunikationsarbeit eines Krisenstabs, der am Sonntagabend um 19.36 Uhr erstmals via Pressemitteilung von sich h\u00f6ren l\u00e4sst. Die sogenannte \u201eCellule d\u2019\u00e9valuation interminist\u00e9rielle\u201c (CEI) besteht dem Schreiben zufolge aus Vertretern von Umweltverwaltung, CGDIS, \u201eDirection de la sant\u00e9\u201c (DISA), \u201eHaut-Commissariat \u00e0 la protection nationale\u201c (HCPN) und Meteolux. <\/p>\n<p>Keine Ansprechpartner f\u00fcr die Presse <\/p>\n<p>Das Tageblatt versuchte am Sonntagmittag um 12.35 Uhr, \u00fcber das CGDIS an verantwortliche Akteure und Lagekoordinatoren heranzukommen \u2013 vergeblich. Diese Informationssackgasse ist in h\u00f6chstem Ma\u00dfe problematisch, da Presseorgane offiziell Teil der nationalen Strategie zur Warnung und Information der Bev\u00f6lkerung sind. Hei\u00dft: Um so viele Menschen wie m\u00f6glich zu erreichen, sollen wichtige Warnungen auch \u00fcber Radio, TV und geschriebene Medien verbreitet werden. Diese Pflicht kann jedoch nur schwer erf\u00fcllt werden, wenn Beh\u00f6rden sich gar nicht erst an die Medien wenden und diesen dann auch auf Nachfrage keine weiterf\u00fchrenden Informationen bereitstellen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Die-Vervielfachung-und-Vielfalt-der-Warnkanaele-stellen-112332.jpg\" title=\"Das Vertrauen in Luxemburgs Katastrophenschutz l\u00f6st sich in Rauch auf \" alt=\"\u201eDie Vervielfachung und Vielfalt der Warnkan\u00e4le stellen sicher, dass eine Warnung so viele Menschen wie m\u00f6glich erreicht\u201c, schreibt LU-Alert zu dieser Skizzierung der nationalen Warnkette\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"image-caption\">\u201eDie Vervielfachung und Vielfalt der Warnkan\u00e4le stellen sicher, dass eine Warnung so viele Menschen wie m\u00f6glich erreicht\u201c, schreibt LU-Alert zu dieser Skizzierung der nationalen Warnkette Grafik: lu-alert.lu<\/p>\n<p>Aus diesem Grund haben Tageblatt-Journalisten am Montag offene Fragen gesammelt und an das \u201eHaut-Commissariat \u00e0 la protection nationale\u201c (HCPN) \u2013 also die Luxemburger Katastrophenschutzbeh\u00f6rde \u2013 geschickt. <\/p>\n<p>Katastrophenschutz offenbar Aufgabe f\u00fcr KI <\/p>\n<p>Die Antworten sind erstaunlich nichtssagend und bestehen zum Gro\u00dfteil aus floskelhaften Ausf\u00fchrungen \u00fcber \u201everf\u00fcgbare Information\u201c, die von \u201ezust\u00e4ndigen Fachstellen\u201c nach \u201efestgelegten Kriterien\u201c bewertet werden, sowie kryptischen S\u00e4tzen wie diesem: \u201eZiel ist es, fr\u00fchzeitig zu informieren, zugleich aber auch darauf zu achten, dass Warnungen hinsichtlich ihrer Tragweite durch die verf\u00fcgbaren Daten und fachlichen Bewertungen gest\u00fctzt werden.\u201c <\/p>\n<p>Wir haben Anthropics KI \u201eClaude\u201c daraufhin gefragt, ob die Texte als Ergebnis einer KI-Abfrage identifizierbar sind. Ergebnis: nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, aber die \u201edurchg\u00e4ngige Vermeidung konkreter Fakten\u201c sei \u201ebemerkenswert\u201c. <\/p>\n<p>Information ist keine Panikmache <\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tte die aktive, fl\u00e4chendeckende Kommunikation konkreter Fakten direkt beim Auftreten der Rauchschwaden wohl f\u00fcr deutliche Entspannung in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung gesorgt. Gerne wird vorgeschoben, dass keine Panikmache betrieben werden soll. Aber was k\u00f6nnte eine riesige Rauchwolke unbekannter Herkunft und Giftigkeit denn anderes ausl\u00f6sen als Panik? <\/p>\n<p>Diese restriktive Kommunikationsstrategie sollten die Verantwortlichen in Luxemburg dringend mal \u00fcberdenken und anpassen, denn sie k\u00f6nnte genauso gut als Versagen ausgelegt werden. Nichts zerst\u00f6rt das Vertrauen in Institutionen so sehr wie gepflegte Intransparenz, die sogar Angst und Unsicherheit in der Bev\u00f6lkerung billigend in Kauf nimmt.<\/p>\n<p>* Transparenzhinweis: Philippe Ernzer schreibt als Wetterexperte u.a. f\u00fcr das Tageblatt <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am Samstagabend zieht pl\u00f6tzlich dichter Rauch in den Osten des Landes. 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