{"id":13387,"date":"2026-08-28T05:20:10","date_gmt":"2026-08-28T05:20:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/13387\/"},"modified":"2026-08-28T05:20:10","modified_gmt":"2026-08-28T05:20:10","slug":"tageblatt-lu-zum-tod-von-robert-mertzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/13387\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Zum Tod von Robert Mertzig"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAu Luxembourg le racisme rance, rampant, servile, est quotidien, \u00e0 propos des Portugais, des frontaliers, des Arabes et des noirs, contre tout ce qui est \u201a\u00e9tranger\u2018 ou \u201aautre\u2018. Pour s\u2019en impr\u00e9gner il suffit de ne pas se boucher les oreilles dans n\u2019importe quel lieu public \u2013 ou de consulter certains forums sur la toile. On aurait pu esp\u00e9rer qu\u2019il y ait autant d\u2019articles d\u2019analyses et de d\u00e9nonciations de ce racisme banalis\u00e9, souterrain, que ceux \u00e9crits sur et contre la religion et le cl\u00e9ricalisme. Il n\u2019en est rien. C\u2019est dans cette atmosph\u00e8re que s\u2019ins\u00e8re le parti ADR\u201c, schrieb Robert Mertzig im Juli 2014 in einem Forum-Beitrag im Tageblatt. Seit 2005 analysierte er die internationale und nationale Aktualit\u00e4t aus marxistisch-revolution\u00e4rer Perspektive in scharfsinnigen Meinungsbeitr\u00e4gen im Tageblatt, in dessen Kulturbeilage Kulturissimo und manchmal auch in der Woxx, warnte schon fr\u00fch vor dem Aufstieg der extremen Rechten und hielt der \u201eneoreformistischen\u201c Linken und der Sozialdemokratie schonungslos den Spiegel vor. Nachdem er 2018 eigenen Aussagen zufolge aus dem Tageblatt \u201everbannt\u201c worden war, ver\u00f6ffentlichte er seine Analysen in den letzten Jahren nur noch auf Facebook. Vergangene Woche ist Robert Mertzig im Alter von 79 Jahren in seiner Wohnung in Esch\/Alzette gestorben, wahrscheinlich an den Folgen der Sommerhitze, wie sein Freund und langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte Justin Turpel diese Woche mitteilte. <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Vierte Internationale <\/p>\n<p>Robert Mertzig entstammte dem Bildungsb\u00fcrgertum, sein Vater war Orchesterpianist und Komponist, seine Mutter Lehrerin. Seine \u201ePremi\u00e8re\u201c absolvierte er an der \u201eEcole europ\u00e9enne\u201c in Luxemburg, danach studierte er Soziologie und Geschichte an der ULB in Br\u00fcssel und Vergleichende Literatur an der Sorbonne in Paris. Dort nahm er Ende der 1960er Jahre an den Studenten- und Arbeiterdemonstrationen teil und kam in Frankreich mit dem Marxisten Ernest Mandel in Kontakt, der \u201ezu meinem wichtigsten Mentor wurde\u201c, wie Mertzig in einer selbst verfassten Kurzbiografie schrieb. 1971 wurde er Mitglied der Vierten Internationale und in deren F\u00fchrung gew\u00e4hlt. <\/p>\n<p>In Luxemburg war er an der Gr\u00fcndung der trotzkistischen \u201eLigue communiste r\u00e9volutionnaire\u201c beteiligt, der luxemburgischen Sektion der Vierten Internationale, die sich innerhalb der Studentenorganisation UNEL von der maoistischen \u201eGauche socialiste et r\u00e9volutionnaire\u201c und anderen kommunistischen Gruppierungen abgrenzte. Die LCR ver\u00f6ffentlichte eigene Zeitungen wie \u201eKlassenkampf\u201c und sp\u00e4ter (als RSP) \u201eSozialistesch Aktioun\u201c, Mertzig war ihr \u201eCheftheoretiker\u201c, wie die Woxx ihn 2009 bezeichnete. 1974 stellte sie erstmals Listen zu den Kammerwahlen auf, 1979 und 1984 erneut, 1981 beteiligte sie sich an den Kommunalwahlen in Esch\/Alzette und Luxemburg-Stadt, 1982 und 1986 an der Europawahl. Sie kam nie \u00fcber 0,5 Prozent der Stimmen hinaus. <\/p>\n<p>Mitte der 1980er Jahre benannte sie sich in \u201eRevolution\u00e4r Sozialistesch Partei\u201c (RSP) um, trat 1993 noch ein Mal zu den Gemeindewahlen in Esch an, wo die Trotzkisten am tiefsten verwurzelt waren, bevor sie in der linken Sammelbewegung \u201eNei L\u00e9nk\u201c aufging. Auf deren Liste kandidierte Robert Mertzig 1999, bevor er sich (wie andere seiner Weggef\u00e4hrten) von der aus der Bewegung entstandenen Partei \u201ed\u00e9i L\u00e9nk\u201c distanzierte, die er bis zuletzt kritisch, kompromisslos und manchmal vielleicht auch etwas verbittert begleitete. \u201eIch war (und bin) ein 68er\u201c, schrieb Mertzig \u00fcber sich selbst, alle wichtigen und \u201egrundlegenden\u201c Erfahrungen seines politischen Denkens und seiner politischen Orientierung seien zu der Zeit entstanden. <\/p>\n<p>Der Einfluss von LCR und RSP war und ist noch vor allem im au\u00dferparlamentarischen Bereich sichtbar \u2013 konkret im Escher \u201eSchluechthaus\u201c \u2013 der Kulturfabrik \u2013, in den Illustrationen, Installationen und Bildern von Claude Fontaine, Bert Theis und Marc-Henri Reckinger, in den Texten von Autoren wie Jean Portante, Ronald Pierre und eben Robert Mertzig, dessen publizistische T\u00e4tigkeit Mitte der 1960er Jahre mit gesellschaftskritischer Lyrik begann, die er damals auch in der Tageblatt-Kulturbeilage \u201eLe Phare\u201c ver\u00f6ffentlichte. Mertzigs Gesamtwerk soll k\u00fcnftig in einem Online-Archiv \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht werden. Eine Abschiedsfeier findet in der zweiten Septemberh\u00e4lfte auf dem Escher \u201eB\u00ebschkierfecht\u201c auf dem Galgenberg statt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eAu Luxembourg le racisme rance, rampant, servile, est quotidien, \u00e0 propos des Portugais, des frontaliers, des Arabes et&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13388,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[795,5,3565,3564],"class_list":["post-13387","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-luxemburg","tag-esch","tag-luxemburg","tag-nachruf","tag-robert-mertzig"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@lu_de\/117171455444045772","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13387","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13387"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13387\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13388"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13387"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13387"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13387"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}