{"id":3314,"date":"2026-03-17T06:11:20","date_gmt":"2026-03-17T06:11:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/3314\/"},"modified":"2026-03-17T06:11:20","modified_gmt":"2026-03-17T06:11:20","slug":"tageblatt-lu-zugriff-auf-die-reserven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/3314\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Zugriff auf die Reserven"},"content":{"rendered":"<p>8.385 Tonnen Roh\u00f6l aus seinen strategischen Reserven hat Luxemburg in der vergangenen Woche freigegeben. Der Grund: die steigenden \u00d6lpreise wegen des Kriegs im Iran. Die Preise sind nicht zuletzt auch deshalb in die H\u00f6he geschossen, weil der Iran als Gegenma\u00dfnahme gegen die Angriffe der USA und Israels einen zentralen Seeweg blockiert: die Stra\u00dfe von Hormus. Durch das Nadel\u00f6hr m\u00fcssen alle \u00d6ltanker auf dem Weg von den \u00d6lfeldern rund um den Persischen Golf in die Weltmeere. Laut der amerikanischen Energie-Agentur passieren normalerweise um die 20 Millionen Barrel die Meerenge. Das ist nicht wenig, denn es sind \u201e20 Prozent des globalen \u00d6lkonsums\u201c. <\/p>\n<p>Die Luxemburger Freigabe ist etwas kleiner. 8.385 Tonnen Roh\u00f6l, das sind umgerechnet 61.800 Barrel. <\/p>\n<p>Nicht nur gemessen am Verkehr im Golf kann das also h\u00f6chstens als symbolischer Akt gelesen werden. Denn die j\u00fcngste Freigabe, auf die sich die 32 Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA) am 11. M\u00e4rz geeinigt haben, ist nicht klein: 400 Millionen Barrel warfen die L\u00e4nder auf den Markt. Das ist mit Abstand die gr\u00f6\u00dfte Freigabe, die die IEA jemals beschlossen hat. 400 Milliarden Barrel, das ist ein Drittel der Gesamtreserven an nichtindustriellem \u00d6l. Sogar beim Energieschock zu Beginn des Ukraine-Kriegs blieb der Griff in die Reserven bescheidener. <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Kein gro\u00dfes Kuchenst\u00fcck <\/p>\n<p>Luxemburg bleibt aber offenbar cool. Die 61.800 Barrel, mit denen sich das Gro\u00dfherzogtum beteiligt, machen am riesigen Gesamtkuchen nur 0,03 Prozent aus. Und das ist sogar etwas weniger als der Bev\u00f6lkerungsanteil des Gro\u00dfherzogtums bei den IEA-L\u00e4ndern. <\/p>\n<p>Luxemburg kann frei entscheiden, ob und mit wie viel es bei einer gemeinsamen Aktion der IEA mitmacht <\/p>\n<p class=\"Zitat-Autor1\">Sprecherin aus dem Wirtschaftsministerium <\/p>\n<p>Warum so wenig? \u201eLuxemburg zeigt sich solidarisch. Derzeit wurden jedoch keine Versorgungsprobleme auf dem Staatsgebiet festgestellt\u201c, hei\u00dft es auf Tageblatt-Anfrage dazu aus dem Wirtschaftsministerium. Die eisernen Reserven, sie sind schlussendlich Hoheitsgebiet der Staaten. Theoretisch k\u00f6nnte Luxemburg auch alleine, ohne IEA-Beschluss, \u00d6lreserven freigeben, best\u00e4tigt eine Sprecherin aus dem Wirtschaftsministerium. Und auch bei den IEA-Entscheidungen selbst herrscht \u2013 zumindest auf dem Papier \u2013 kein Gruppenzwang: \u201eLuxemburg kann frei entscheiden, ob und mit wie viel es bei einer gemeinsamen Aktion der IEA mitmacht\u201c, sagt die Sprecherin. <\/p>\n<p>Die Tanks sind noch voll <\/p>\n<p>Dass Luxemburg nicht ans Eingemachte geht, zeigt auch der F\u00fcllstand der \u00d6ltanks der strategischen Reserven. Derzeit bunkert Luxemburg 4,9 Millionen Barrel. Die jetzt freigegebene Menge macht davon also gerade einmal 1,2 Prozent aus. Dabei \u201egeh\u00f6rt\u201c das \u00d6l nicht dem Staat. Der setzt nur die Lagermenge fest. Schlussendlich auf dem Markt bringt der Stoff die Industrie. Die ist auch f\u00fcr die Lagerung zust\u00e4ndig. <\/p>\n<p>Blick zur\u00fcck ins Jahr 2022, als die \u00d6lreserven das letzte Mal gro\u00dfes Thema waren. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine schossen die Preise f\u00fcr das schwarze Gold in die H\u00f6he. Vor allem Europa fand sich in einer misslichen Lage: 29 Prozent seines Roh\u00f6ls importierte die EU Anfang 2021 noch aus Russland, heute sind es gerade einmal ein Prozent. Auch 2022 entschloss sich die IEA zur Freigabe von Reserven. Im M\u00e4rz 2022 wurden 62,7 Millionen Barrel freigegeben, einen Monat sp\u00e4ter noch einmal 120 Millionen. Luxemburg beteiligte sich damals nur an der ersten Freigabe. Mit 108.685 Barrel griff das Gro\u00dfherzogtum damals aber tiefer in die Lagertanks als jetzt. <\/p>\n<p>669.000 Tonnen \u00d6l <\/p>\n<p>Luxemburgs \u201estrategische \u00d6lreserven\u201c sind ein Thema f\u00fcr sich. Die 4,9 Millionen Barrel oder 669.000 Tonnen sollen f\u00fcr 93 Tage reichen und setzen sich aus Endprodukten, Roh\u00f6l und vertraglichen Zusagen zusammen. Auf dem Territorium selbst \u2013 in Bartringen und in Mertert \u2013 lagern nur Endprodukte. Sie m\u00fcssen f\u00fcr mindestens zehn Tage reichen, erkl\u00e4rt die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Reserven f\u00fcr 35 weitere Tage werden in der \u201eRegion\u201c vorgehalten. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ein-Teil-der-kurzfristigen-strategischen-Oelreserve-lagert-87960.jpg\" title=\"Wie viel \u00d6l hat Luxemburg noch \u00fcbrig \u2013 und was passiert, wenn die Tanks leer sind? \" alt=\"Kurzfristige strategische \u00d6lreserve in Lagertanks bei Mertert, Luxemburg, industrielle Energieversorgung sichern\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"image-caption\">Ein Teil der kurzfristigen strategischen \u00d6lreserve lagert in Mertert Foto: Editpress\/Julien Garroy<\/p>\n<p>Bei einer Gesetzes\u00e4nderung im Jahr 2024 wurde diese \u201eRegion\u201c verkleinert. Die Tanks d\u00fcrfen jetzt maximal 185 Kilometer entfernt vom \u201egeografischen Mittelpunkt\u201c Luxemburgs liegen (der ist zwischen Bissen und Mersch). Vorher waren es 230 Kilometer. 2022 waren diese Lager in Belgien. Die weiteren Reserven sollen dann den restlichen Zeitraum \u00fcberbr\u00fccken. Sie k\u00f6nnen irgendwo in der EU physisch gelagert sein \u2013 2022 war das in den Niederlanden \u2013 oder eben \u201ekontraktuell\u201c abgesichert sein. <\/p>\n<p>Roh\u00f6l lagert in der N\u00e4he von Raffinerien <\/p>\n<p>\u201eIm Notfall sind die Reserven in Endprodukten nat\u00fcrlich schneller verf\u00fcgbar, aber die Reserven in Roh\u00f6l werden in der Regel in oder in der N\u00e4he eines Raffineriezentrums gehalten\u201c, erkl\u00e4rt die Sprecherin. \u201eSie k\u00f6nnen dementsprechend in einem Notfall in Endprodukte umgewandelt werden.\u201c <\/p>\n<p>Und was passiert, wenn sich auch die eisernsten Reserven eines Tages zu Ende neigen? \u201eIm Fall von extrem starken Versorgungsproblemen w\u00fcrden Notfallpl\u00e4ne in Kraft treten.\u201c <\/p>\n<p>Im Gesetz vom 10. Februar 2015 \u00fcber die Organisation des Marktes f\u00fcr Erd\u00f6lprodukte steht, was das genau hei\u00dft. Bei \u201eeiner wirksamen internationalen Entscheidung \u00fcber die Freigabe von Vorr\u00e4ten, eines besonderen Notfalls oder zur Bew\u00e4ltigung lokaler Krisen\u201c kann eine gro\u00dfherzogliche Verordnung f\u00fcr drei Monate \u201ebesondere Ma\u00dfnahmen\u201c umsetzen. Zum Beispiel, bestimmten \u201eVerbraucherkategorien\u201c vorrangig Erd\u00f6lprodukte zuzuteilen \u2013 also die Rationierung. Auch bei \u201eBesitz und Lagerung\u201c von Sprit kann der Staat dann regelnd eingreifen. <\/p>\n<p>Mit diesem apokalyptischen Szenario rechnet in der Luxemburger Regierung derzeit offenbar niemand. Im Gegenteil \u2013 viel Zeit haben die \u00d6limporteure nicht, um die Tanks wieder vollzumachen: \u201eIm Rahmen der aktuellen Aktion m\u00fcssen die Reserven bis Ende September wieder aufgef\u00fcllt werden\u201c, sagt die Sprecherin. \u201eEventuell anfallende Kosten werden von den Markteilnehmern \u00fcbernommen.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Bild-87961.jpg\" title=\"Wie viel \u00d6l hat Luxemburg noch \u00fcbrig \u2013 und was passiert, wenn die Tanks leer sind? \" alt=\"Wie viel \u00d6l hat Luxemburg noch \u00fcbrig \u2013 und was passiert, wenn die Tanks leer sind? \" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:43.537414965986393156% 48.185941043083900581%;\"\/><\/p>\n<p class=\"image-caption-credit\">Grafik: Editpress\/ Louis Elsen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"8.385 Tonnen Roh\u00f6l aus seinen strategischen Reserven hat Luxemburg in der vergangenen Woche freigegeben. 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