{"id":463,"date":"2026-02-12T18:33:27","date_gmt":"2026-02-12T18:33:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/463\/"},"modified":"2026-02-12T18:33:27","modified_gmt":"2026-02-12T18:33:27","slug":"tageblatt-lu-luxemburg-warum-die-steuerreform-mehr-verlierer-schafft-als-die-regierung-behauptet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/463\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Luxemburg | Warum die Steuerreform mehr Verlierer schafft, als die Regierung behauptet"},"content":{"rendered":"<p>Lange Zeit hat es gedauert, jetzt kommt sie: Die <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Kee-waeert-dobaei-verleieren-Regierung-will-einheitliche-Steuerklasse-am-1-Januar-2028-einfuehren-23829.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" title=\"\">Steuerreform, die die bisherigen Steuerklassen 1, 1A und 2 abschaffen<\/a> und ab 2028 durch eine einheitliche, individuelle Steuerklasse ersetzen wird. Die Regierung argumentiert, das System werde fairer, moderner und sei neutral gegen\u00fcber unterschiedlichen Lebensmodellen. Um Nachteile f\u00fcr traditionelle Familien zu vermeiden, ist eine lange \u00dcbergangsphase geplant; Familien mit Kindern sollen \u00fcber gezielte Ausgleichsma\u00dfnahmen unterst\u00fctzt werden. <\/p>\n<p>Finanzminister Gilles Roth verspricht: \u201eKee w\u00e4ert dob\u00e4i verl\u00e9ieren\u201c \u2013 \u201edoch das ist nicht wahr\u201c, sagt Aline Schaltz im Gespr\u00e4ch mit dem Tageblatt. Schaltz ist selbstst\u00e4ndige Unternehmerin, Mutter zweier Kinder, und sitzt f\u00fcr die Gr\u00fcnen im Gemeinderat von Walferdingen. <\/p>\n<p>Bis 2028 gebe es nur Verlierer, erl\u00e4utert sie. In den Jahren 2026 und 2027 sollen beim Ausl\u00f6sen von Indextranchen n\u00e4mlich die Steuertabellen nicht angepasst werden. So soll Geld zum Finanzieren der Reform gesammelt werden. Das bedeutet, dass in den beiden Jahren auf jeden versteckte Steuererh\u00f6hungen zukommen, f\u00fcr die es im Gegenzug nichts gibt. \u201eIn diesem Sinne ist bis 2028 absolut jeder Verlierer\u201c, so Schaltz. <\/p>\n<p>Nach 2028 werden weiter zu den Verlierern alle verheiratete oder gepacste Paare z\u00e4hlen, die in der Steuerklasse 2 bleiben. Formal \u00e4ndert sich f\u00fcr sie zwar nichts, doch werden sie keinen Ausgleich erhalten f\u00fcr die Steuererh\u00f6hungen von 2026 und 2027. Das gelte auch f\u00fcr Alleinerziehende, Verwitwete und Leute \u00fcber 65, die bereits heute in einer vorteilhafteren Steuerklasse sind, so Aline Schaltz weiter. <\/p>\n<p>Gewinner derweil werden die Paare, bei denen beide Partner etwa gleich viel verdienen, falls sie in die neue einheitliche Steuerklasse wechseln, und Alleinstehende. Wie hoch deren Gewinne ausfallen, h\u00e4ngt dann jeweils von der H\u00f6he der Geh\u00e4lter ab: wer mehr verdient wird mehr gewinnen. <\/p>\n<p>            &#13;<br \/>\n              Die Reform ist eine Umverteilung von unten nach oben &#13;<\/p>\n<p class=\"Zitat-Autor1\">Aline Schaltz <\/p>\n<p>Im Endeffekt bringe diese Reform also eine Umverteilung von unten nach oben mit sich, unterstreicht Aline Schaltz. \u201eEs werden von allen mehr Steuern einbehalten, und die werden dann vorwiegend an Besserverdienende verteilt. (\u2026) Die Ma\u00dfnahmen sind \u00fcberhaupt nicht sozial.\u201c <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Ein massiver Eingriff in die Gesellschaft <\/p>\n<p>Wirklich ver\u00e4rgert ist Aline Schaltz dabei weniger \u00fcber die Finanzen als vielmehr \u00fcber die gesellschaftlichen Folgen der Reform. \u201eEs geht um viel mehr als nur um Geld\u201c, sagt sie. \u201eEs ist ein massiver Eingriff in die Gesellschaft. (\u2026) Die Reform wird als schwarz-wei\u00dfe L\u00f6sung pr\u00e4sentiert, dabei ist sie hochkomplex und hat weitreichende soziale Folgen.\u201c <\/p>\n<p>Mit der Reform wird ein fundamentaler Widerspruch bei Rechten und Pflichten von Paaren entstehen, warnt sie. \u201eHeute fangen Paare viele Kosten auf, die sonst der Staat tragen m\u00fcsste.\u201c <\/p>\n<p>Beispiel: Ein Single muss nur f\u00fcr sich selbst aufkommen \u2013 im Notfall erh\u00e4lt er das Revis. Das ist bei einem Paar nicht der Fall. Da muss im Zweifelsfall die Leistungsf\u00e4higkeit des Haushalts aufkommen. <\/p>\n<p>Widerspruch zwischen Rechten und Pflichten <\/p>\n<p>In anderen Worten: Paare bekommen oftmals keine Hilfen, die ihnen jedoch gew\u00e4hrt w\u00fcrden, wenn sie alleinstehend w\u00e4ren. Bei dem Verteilen der Sozialhilfen schaut der Staat jeweils auf den Gesamtverdienst des Haushalts. <\/p>\n<p>Die Widerspr\u00fcche seien offensichtlich, sagt Aline Schaltz weiter. Der Staat gebe keine Hilfen, wenn der Partner Geld verdiene. \u201eDoch beim Steuerzahlen soll nun jeder individuell behandelt werden\u201c, hebt sie einen fundamentalen Widerspruch hervor, der mit dieser Reform entsteht. <\/p>\n<p>Dabei bestehe der vermeintliche Vorteil f\u00fcr Verheiratete eigentlich nur durch das Splitting, erl\u00e4utert sie. \u201eSteuerklasse 1 und 2 sind fast gleich, wenn beide das gleiche Gehalt haben. Der niedrigere Steuersatz entsteht nur bei gro\u00dfen Gehaltsunterschieden \u2013 etwa wenn ein Partner Kinder betreut, krank ist oder sich weiterbildet. (\u2026) Also nur dann, wenn man bereit ist, ein Teil des Einkommens mit dem anderen zu teilen.\u201c <\/p>\n<p>Heute fangen die Paare viele Kosten auf, die sonst der Staat tragen m\u00fcsste <\/p>\n<p class=\"Zitat-Autor2\">Aline Schaltz <\/p>\n<p>Das Heiraten\/Pacsen ist mit Pflichten verbunden, hebt Aline Schaltz hervor. Der \u201eCode civil\u201c dr\u00e4ngt Paaren diese Verpflichtung auf. \u201eUnd diese Verantwortung soll auch vom Staat anerkannt werden\u201c, fordert sie. <\/p>\n<p>Wolle man eine wirkliche Individualisierung, \u201edann m\u00fcssen auch die Sozialhilfen einzeln berechnet werden\u201c, sagt sie. \u201eWenn schon, dann Individualisierung bis zum Schluss.\u201c So wie das auch in den nordischen L\u00e4ndern der Fall ist, die immer als Vorbild herangezogen werden. \u201eDann jedoch wird die Reform noch viel mehr Geld kosten\u201c, warnt sie. \u201eDann muss man bereit sein, mehr Steuern zu bezahlen, wie es in den nordischen L\u00e4ndern der Fall ist.\u201c <\/p>\n<p>Wenn schon, dann Individualisierung bis zum Schluss. Dann muss man aber auch bereit sein, mehr Steuern zu zahlen. <\/p>\n<p class=\"Zitat-Autor3\">Aline Schaltz <\/p>\n<p>Auch das Argument der \u201eGleichberechtigung\u201c l\u00e4sst sie nicht gelten: \u201eNiemand bleibt zu Hause, um Steuern zu sparen. Wenn Menschen zu Hause bleiben, dann hat das andere Gr\u00fcnde\u201c, unterstreicht sie. Ohnehin habe sich diese Situation in den letzten Jahrzehnten sp\u00fcrbar gewandelt \u2013 trotz Steuerklasse 2. \u201eBei zwei Geh\u00e4ltern bleibt mehr \u00fcbrig als nur bei einem.\u201c Zudem sagt Schaltz, dass auch gegen Altersarmut ein Splitting, wie beim Einkommen, Sinn machen w\u00fcrde. \u201eDas w\u00e4re gerechter f\u00fcr beide Partner. In Deutschland und der Schweiz gibt es das.\u201c <\/p>\n<p>Bezweifeln tut Schaltz zudem, dass die einheitliche Steuerklasse zu einer administrativen Vereinfachung f\u00fchren wird. Im Gegenteil: Sie ist \u00fcberzeugt, dass die Steuerbeh\u00f6rden personell sp\u00fcrbar aufgestockt werden m\u00fcssen, um mit den Folgen der Reform klarzukommen: \u201eSteuererkl\u00e4rungen werden komplizierter werden.\u201c K\u00fcnftig stelle sich f\u00fcr Paare die Frage, wie Versicherungen oder Kinderkosten steuerlich abgesetzt werden k\u00f6nnen. Wie erfolgt die Aufteilung? Je zur H\u00e4lfte oder nach demjenigen, der die Rechnung beglichen hat? \u201eEs ist keine Vereinfachung\u201c, sagt sie. Sowohl beim Erstellen als auch sp\u00e4ter beim Verwalten m\u00fcssen die beiden Steuererkl\u00e4rungen der Paare nebeneinander und miteinander angeschaut werden. \u201eDas ist ein extremer Aufwand \u2013 f\u00fcr viele Leute wird es keine Vereinfachung werden.\u201c <\/p>\n<p>Die fehlende Debatte in der Gesellschaft <\/p>\n<p>Bedauern tut Aline Schaltz, dass in Luxemburg praktisch keine Diskussion zu diesem Thema stattgefunden hat. \u201eMit einem gewaltigen Budget wird versucht, eine gro\u00dfe gesellschaftliche Ver\u00e4nderung voranzubringen. Die soziale Struktur Familie wird dadurch degradiert. \u00dcber so eine Reform m\u00fcsste doch diskutiert werden. Es ist ein Thema, das weit \u00fcber die Steuer-Problematik hinausgeht.\u201c <\/p>\n<p>Als besonders ungesund f\u00fcr die Demokratie empfindet sie, dass praktisch alle Parteien f\u00fcr eine einheitliche Steuerklasse sind, und den W\u00e4hlern damit kaum noch eine Wahl bleibt. \u201eViele Leute k\u00f6nnen die Reform nicht mittragen\u201c, sagt sie. \u201eDoch der W\u00e4hler braucht mehr M\u00f6glichkeiten.\u201c Einer der Gr\u00fcnde, warum sie die \u201e<a href=\"https:\/\/www.petitiounen.lu\/fr\/petition\/3899\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" title=\"\">Petition 3899 \u2013 Ne supprimons pas l\u2019imposition collective \u2013 r\u00e9inventons-la<\/a>\u201c gestartet hat. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Aline-Schaltz-ist-selbststaendige-Unternehmerin-Mutter-36357.jpg\" title=\"Warum die Steuerreform mehr Verlierer schafft, als die Regierung behauptet \" alt=\"Aline Schaltz, selbstst\u00e4ndige Unternehmerin und Mutter, sitzt f\u00fcr die Gr\u00fcnen im Gemeinderat von Walfer.\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p class=\"image-caption\">Aline Schaltz ist selbstst\u00e4ndige Unternehmerin, Mutter zweier Kinder, und sitzt f\u00fcr die Gr\u00fcnen im Gemeinderat von Walferdingen Foto: Editpress\/Alain Rischard<\/p>\n<p>\u201eEs geht mir nicht darum, etwas Altes zu sch\u00fctzen, sondern darum, Diversit\u00e4t zu behalten\u201c, f\u00fcgt sie hinzu. \u201eMir geht es um einen konstruktiven Austausch. Die Reform betrifft mehr als die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung \u2013 und sie verdient eine breite, differenzierte Debatte. 52 Prozent der Erwachsenen leben in einer Verantwortungsgemeinschaft \u2013 das ist die Lebensrealit\u00e4t.\u201c <\/p>\n<p>\u201eJetzt wird versucht, Alleinstehende gegen Paare auszuspielen\u201c, bedauert sie. Um Kinder gehe es bei der Diskussion eher nicht. Doch auch da sollte es weiterhin eine Wahl geben, ob ein Elternteil bei den Kindern bleiben will, oder man sie gleich in die Obhut des Staates gibt. \u201eEs ist auch legitim, nur halbtags zu arbeiten.\u201c <\/p>\n<p>Paaren, die sich nun die Frage stellen, ob sie 2028 in die einheitliche Steuerklasse wechseln sollen, r\u00e4t sie, dies nicht zu tun. \u201eSogar wenn heute jeder von beiden das gleiche Gehalt hat, w\u00fcrde ich das Wechseln nicht empfehlen \u2013 es kann immer jemand krank werden. Und ein Zur\u00fcck ist danach nicht mehr m\u00f6glich.\u201c <\/p>\n<p>Verlierer wird es dabei noch mehr geben als anfangs erw\u00e4hnt: Nach 2028 wird niemand mehr die M\u00f6glichkeit haben, in die Steuerklasse 2 zu kommen. \u201eEin Lebensmodell wird deutlich weniger attraktiv. Gesellschaftlich gibt es dann viel weniger M\u00f6glichkeiten.\u201c Das sei aber auch eine Frage von Gerechtigkeit: \u201eWarum darf die neue Generation das nicht mehr?\u201c Eine Generation, die das Finanzieren der Reform wohl auch durch <a href=\"https:\/\/https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Luxemburg-hat-35000-Euro-Schulden-pro-Kopf-und-die-Regierung-hat-keinen-Plan-14485.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" title=\"\">h\u00f6here Staatsschulden<\/a> mittragen m\u00fcsse. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lange Zeit hat es gedauert, jetzt kommt sie: Die Steuerreform, die die bisherigen Steuerklassen 1, 1A und 2&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":464,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[5,165,164],"class_list":{"0":"post-463","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-luxemburg","8":"tag-luxemburg","9":"tag-steuern","10":"tag-steuerreform"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=463"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/463\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}