{"id":5364,"date":"2026-04-09T10:57:06","date_gmt":"2026-04-09T10:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/5364\/"},"modified":"2026-04-09T10:57:06","modified_gmt":"2026-04-09T10:57:06","slug":"tageblatt-lu-irregulaerer-markt-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/5364\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Irregul\u00e4rer Markt in Europa"},"content":{"rendered":"<p>Zum ersten Mal hat eine Studie den irregul\u00e4ren Markt f\u00fcr E-Zigaretten in Europa in seiner Gesamtheit untersucht, vom Herkunftsland \u00fcber die Lieferketten bis zu den Endverbrauchern. Das Ergebnis ist beunruhigend. Beinahe jede zweite E-Zigarette in Europa stammt vom Schwarz- oder Graumarkt, so die Forscher des Fraunhoferinstituts. Jede dritte E-Zigarette wurde illegal von H\u00e4ndlern importiert, erf\u00fcllt also die gesetzlichen Voraussetzungen nicht, um \u00fcberhaupt auf dem europ\u00e4ischen Markt verkauft werden zu k\u00f6nnen. Keine Steuern, keine Kennzeichnungen oder Zulassungen, keine Kontrolle der Herkunft oder der Inhaltsstoffe. <\/p>\n<p class=\"Infobox-Titel1\">Was ist der Unterschied zwischen Grauer Markt und Schwarzmarkt? <\/p>\n<p class=\"Infobox-Text1\">Der Schwarzmarkt f\u00fcr Nikotinfl\u00fcssigkeiten und E-Zigaretten umfasst den gewerblichen Handel mit illegalen, gef\u00e4lschten oder unversteuerten Produkten mit der Absicht, Gewinn zu erzielen. Wer als Privatperson f\u00fcr den Eigengebrauch unversteuerte Produkte oder Produkte, die im eigenen Land nicht zugelassen sind, kauft, z.B. in einem Online-Shop, ist Teil des Grauen Markts, verst\u00f6\u00dft selbst aber nicht direkt gegen Gesetze. <\/p>\n<p>E-Zigaretten und Vapes erfreuen sich wachsender Beliebtheit, vor allem bei jungen Menschen. Jede vierte Person in Luxemburg zwischen 16 und 24 Jahren dampft regelm\u00e4\u00dfig, sagt die \u201eFondation Cancer\u201c. Die WHO warnt davor, dass bis zu 15 Prozent der E-Zigaretten-Nutzer Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren sind. Nirgendwo auf der Welt dampfen mehr Jugendliche als in Europa. <\/p>\n<p>          Ein neues Antitabakgesetz, das umgangen wird <\/p>\n<p>Dahinter steckt also ein gro\u00dfes Gesch\u00e4ft. Das Fraunhoferinstitut sch\u00e4tzt das Volumen des Marktes f\u00fcr irregul\u00e4re E-Zigaretten derzeit auf 6,6 Milliarden Euro j\u00e4hrlich, Tendenz steigend. Im Jahr 2030 k\u00f6nnten es laut Experten schon mehr als zehn Milliarden Euro sein. 35 Prozent davon lassen sich eindeutig dem illegalen Handel zuordnen, 13 Prozent sind private Einfuhren von nicht zugelassenen oder nicht versteuerten Produkten. Das kostet die Regierungen der EU jedes Jahr Millionen an Steuereinnahmen \u2013 und benachteiligt legale H\u00e4ndler und Hersteller. In Luxemburg ist der irregul\u00e4re Markt f\u00fcr E-Zigaretten mit 51 Prozent sogar gr\u00f6\u00dfer als der legale Handel. Auch der Anteil des Schwarzmarkts ist hierzulande im EU-Vergleich besonders hoch. <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Luxemburg\/Dampfer-Testkaeufe-39-von-45-Produkten-haetten-nicht-in-Luxemburg-verkauft-werden-duerfen-20039.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Das Umweltamt (\u201eAdministration de l\u2019environnement\u201c, AEV) hatte im Sommer 2024 45 elektronische Einwegzigaretten und E-Fl\u00fcssigkeiten kontrolliert<\/a>. 39 der 45 Produkte waren nicht gem\u00e4\u00df dem Tabakgesetz angemeldet \u2013 h\u00e4tten also gar nicht auf dem luxemburgischen Markt verkauft werden d\u00fcrfen. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Luxemburg-fuehrt-strenge-Regeln-fuer-Nikotinbeutel-ein-Einweg-Vapes-bleiben-aussen-vor-8611.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Seit 1. Januar hat Luxemburg ein neues Antitabakgesetz, das neben klassischen Tabakprodukten auch neue nikotinhaltige Produkte ohne Tabak wie Nikotinbeutel und E-Zigaretten erfasst<\/a>. Darin werden bestimmte Zus\u00e4tze verboten, aber auch festgelegt, dass diese Produkte erst ab 18 Jahren verkauft werden d\u00fcrfen, und dass Hersteller und Importeure der Gesundheitsbeh\u00f6rde umfangreiche Produktinformationen melden m\u00fcssen, wie Inhaltsstoffe, maximale Nikotinkonzentration und F\u00fcllmenge. F\u00fcr all das gibt es gesetzliche Grenzwerte. Doch mehr als die H\u00e4lfte aller E-Zigaretten in Luxemburg entziehen sich dieser Regulierung. <\/p>\n<p>Das Fraunhoferinstitut hat festgestellt, dass etwa 90 Prozent der irregul\u00e4ren E-Zigaretten aus China kommen, genauer: aus Shenzen. Der britische Guardian hat die Millionenstadt in der N\u00e4he von Hongkong schon 2019 als \u201evaping capital of the world\u201c bezeichnet. Drei Viertel der gesamten chinesischen E-Zigarettenindustrie konzentrieren sich in Shenzen. Hier operieren zahlreiche Gro\u00dfunternehmen, einige von ihnen z\u00e4hlen mehr als 5.000 Mitarbeiter. Eine hochindustrialisierte Produktion, die sich ausschlie\u00dflich auf den Export fokussiert. Denn das ist der Knackpunkt: In China selbst sind E-Zigaretten und Vapes extrem stark reguliert. Die vielen Geschmacksrichtungen, die man hier f\u00fcr Europa herstellt, von \u201eKiwi Watermelon Ice\u201c bis \u201eStrawberry Lemonade\u201c \u2013 im eigenen Land sind sie verboten. <\/p>\n<p>          Kapitulation vor der Paketflut aus China <\/p>\n<p>Bei der Einfuhr nach Europa spielt Luxemburg eine bedeutende Rolle. Das Land bildet laut Fraunhofer-Forscher eines der \u201eEinfallstore\u201c f\u00fcr chinesische Produkte in den europ\u00e4ischen Markt. Das Gro\u00dfherzogtum dient wegen seiner zentralen Lage neben Deutschland, Niederlande und Belgien als ein logistisches Drehkreuz f\u00fcr den Import von E-Zigaretten und Nikotinfl\u00fcssigkeiten aus China und den weiteren Binnenhandel in der EU. Insgesamt entfielen auf die Benelux-Staaten und Deutschland im Untersuchungszeitraum 2024 mehr als die H\u00e4lfte aller europ\u00e4ischen Importe: 23.300 von insgesamt 41.700 Tonnen Material. <\/p>\n<p>            &#13;<br \/>\n              <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nikotinfluessigkeit-fuer-E-Zigaretten-aber-made-in-Europe-93278.jpg\" title=\"Fast jede zweite E-Zigarette in Luxemburg stammt vom Schwarzmarkt \" alt=\"Nikotinfl\u00fcssigkeit f\u00fcr E-Zigaretten, aber \u201emade in Europe\u201c: Die E-Liquids von Alfaliquid werden in einer Fabrik in Ostfrankreich hergestellt.\" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:49.998541260439296252% 50.000838539485094714%;\"\/>&#13;<br \/>\n              &#13;<\/p>\n<p class=\"image-caption\">Nikotinfl\u00fcssigkeit f\u00fcr E-Zigaretten, aber \u201emade in Europe\u201c: Die E-Liquids von Alfaliquid werden in einer Fabrik in Ostfrankreich hergestellt. Foto: Editpress\/Herv\u00e9 Montaigu<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n              &#13;<\/p>\n<p>Ein Problem, zu gro\u00df, um es zu kontrollieren. Der Zoll ist \u00fcberfordert. Das liegt vor allem am Volumen der t\u00e4glich aus China eintreffenden Warensendungen. Nach Angaben der EU-Kommission kamen im vergangenen Jahr t\u00e4glich rund zw\u00f6lf Millionen Pakete in der EU an \u2013 deutlich mehr als in den beiden Vorjahren. Im vergangenen Juli warnte der belgische Zentralwirtschaftsrat bereits vor einem \u201eunkontrollierbaren Zustrom von Paketen aus China\u201c. In einigen dieser Pakete stecken auch E-Zigaretten und Liquids, die europ\u00e4ische Verbraucher direkt beim H\u00e4ndler in China bestellt haben, Online-Shops daf\u00fcr gibt es zur Gen\u00fcge. <\/p>\n<p>Bei E-Zigaretten scheint die Regulierung der Realit\u00e4t hinterherzulaufen. Frankreich hat als zweites EU-Land nach Belgien den Verkauf von Einweg-E-Zigaretten im Februar 2025 verboten, man zielt dabei vor allem auf deren s\u00fc\u00dfe Aromen ab, die besonders Minderj\u00e4hrige ansprechen. Deutschland will bis Ende 2026 nachziehen, in Luxemburg sind diese Aromen nicht grunds\u00e4tzlich verboten. Ab 18. Februar 2027 greift eine neue EU-Batterieverordnung, die Einweg-Vapes EU-weit de facto verbieten wird. <\/p>\n<p>Die Fraunhoferstudie zeigt jedoch: Schon heute l\u00e4uft bereits die H\u00e4lfte des Marktes \u00fcber illegale Kan\u00e4le oder im Graubereich und entzieht sich so jeder Regulierung. Entsprechend ern\u00fcchternd reagieren die Experten deshalb auch auf die Frage nach den Auswirkungen der verschiedenen europ\u00e4ischen Regeln und Verbote auf den Handel mit E-Zigaretten. Angesichts von zw\u00f6lf Millionen regelm\u00e4\u00dfigen oder gelegentlichen Vapern in den EU-Mitgliedstaaten w\u00fcrde die Abschaffung des \u201ewei\u00dfen\u201c Marktes durch ein vollst\u00e4ndiges Verbot entweder zu einer R\u00fcckkehr der klassischen Zigarette oder zu einer noch st\u00e4rkeren Verlagerung auf den Schwarzmarkt f\u00fchren, hei\u00dft es in der Studie. <\/p>\n<p>Auch bessere und umfassendere Kontrollen bei der Einfuhr sind laut Experten kaum machbar. \u201eKeine Zollbeh\u00f6rde der Welt kann t\u00e4glich Millionen von Paketen l\u00fcckenlos kontrollieren\u201c, sagt Rico Back, Managing Partner beim Beratungsunternehmen SKR, der als Logistikexperte an der Studie beteiligt war. \u201eWir m\u00fcssen Lieferketten digital nachverfolgbar machen und enger mit den Herkunftsl\u00e4ndern zusammenarbeiten. Nur wenn Warenstr\u00f6me transparent und vernetzt sind, lassen sich illegale Importe wirksam eind\u00e4mmen.\u201c Bedeutet: Illegale Handelsstr\u00f6me k\u00f6nnen am effektivsten bereits an der Quelle einged\u00e4mmt werden \u2013 vor dem Export. Das bedarf einer engen Zusammenarbeit zwischen europ\u00e4ischen und chinesischen Beh\u00f6rden \u2013 und der Bereitschaft EU-Vorschriften bereits in der Produktion in Shenzen umzusetzen. In heutigen Zeiten ist das eine geopolitische Herausforderung. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zum ersten Mal hat eine Studie den irregul\u00e4ren Markt f\u00fcr E-Zigaretten in Europa in seiner Gesamtheit untersucht, vom&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5365,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[1182,270,5,1181],"class_list":{"0":"post-5364","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-luxemburg","8":"tag-e-zigaretten","9":"tag-europische-union","10":"tag-luxemburg","11":"tag-schwarzmarkt"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5364"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5364\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}