{"id":5514,"date":"2026-04-11T07:16:06","date_gmt":"2026-04-11T07:16:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/5514\/"},"modified":"2026-04-11T07:16:06","modified_gmt":"2026-04-11T07:16:06","slug":"tageblatt-lu-editorial-das-luxemburger-system-der-privaten-zusatzrenten-ist-durchgehend-unattraktiv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/5514\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Editorial | Das Luxemburger System der privaten Zusatzrenten ist durchgehend unattraktiv"},"content":{"rendered":"<p>Aktuell fordert eine beim Parlament eingereichte Petition gedeckelte Geb\u00fchren bei <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Die-Rente-die-keine-ist-Warum-das-Cappuccino-Modell-nicht-fuer-alle-Menschen-geeignet-ist-11674.html\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" title=\"\">den privaten Zusatzpensionen<\/a>. Das Anliegen ist berechtigt und notwendig. Es erh\u00e4lt jedoch kaum Aufmerksamkeit. Dabei geht es um ein Produkt, das die Regierung als L\u00f6sung f\u00fcr das Rentenproblem anpreist und mit staatlichen Millionen f\u00f6rdert. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend tausende Menschen gegen unattraktive Reformen im staatlichen System demonstrieren, f\u00fchlt sich beim Thema der privaten Zusatzrenten niemand angesprochen. Seit dem 26. M\u00e4rz haben gerade einmal 23 Menschen (Standc 09.04.2026) die Petition unterzeichnet. 5.500 w\u00e4ren f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Debatte im Parlament n\u00f6tig. <\/p>\n<p>Die M\u00e4ngel sind bekannt und gravierend. Je nach Vertrag und Anbieter k\u00f6nnen bis zu vier Prozent der monatlich eingezahlten Summe sofort als Geb\u00fchr einbehalten werden \u2013 dazu kommt ein j\u00e4hrlicher Prozentsatz auf das gesamte angesparte Kapital. Wer aus einem schlechten Vertrag aussteigen will, dem drohen Strafzahlungen. <\/p>\n<p>Staatliche Regelungen? Kaum vorhanden. Transparenz? Fehlanzeige. Geworben wird fast ausschlie\u00dflich mit dem Steuerspareffekt, nicht mit der Qualit\u00e4t der Produkte \u2013 das sagt alles. <\/p>\n<p>Dieser Steuervorteil ist zudem alles andere als gerecht. Er n\u00fctzt nur denen, die gen\u00fcgend Steuern zahlen. Alle anderen gehen leer aus. Zudem f\u00e4llt am Ende, beim Auszahlen, auf das angesparte Kapital eine Steuer an. Eine schwer verst\u00e4ndliche Logik. Hinzu kommt, dass die \u201eZusatzrente\u201c nicht bis ans Lebensende auszahlt, sondern nur bis der Topf leer ist. Die Bezeichnung \u201eZusatzrente\u201c ist irref\u00fchrend \u2013 es ist lediglich ein einfaches Sparprodukt. <\/p>\n<p>Das Anliegen der <a href=\"https:\/\/www.petitiounen.lu\/fr\/petition\/3998?type=PUB\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" title=\"\">Petition N\u00b03998<\/a> ist bescheiden: Die Einstiegsgeb\u00fchren bei privaten Pensionspl\u00e4nen sollen gesetzlich gedeckelt und die j\u00e4hrlichen Verwaltungskosten begrenzt werden. Eine ausgewogene Regulierung, wie sie in jedem anderen Bereich der Finanzwirtschaft selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re, erscheine notwendig, so der Petition\u00e4r. Die hohen Kosten schm\u00e4lern die Renditen der eigentlich Beg\u00fcnstigten. <\/p>\n<p>Deutliche Kritik kommt auch aus der Finanzbranche selbst: \u201eUnser Luxemburger System ist nicht gut\u201c, so <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Wirtschaft\/Luxemburger-Fondsbranche-warnt-vor-Paris-und-dem-Versagen-der-Altersvorsorge-25051.html\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" title=\"\">Serge Weyland vom Investmentfondsverband ALFI<\/a>. Es gebe kaum Wettbewerb, nur wenige Anbieter, niedrige Renditen und hohe Preise f\u00fcr die Menschen. Das System m\u00fcsse nicht nur gest\u00e4rkt, sondern grundlegend neu gestaltet werden, so sein unverbl\u00fcmtes Urteil. <\/p>\n<p>Dass nun nur 23 B\u00fcrger unterzeichnet haben, ist keine Niederlage der Petition. Es sagt jedoch viel aus \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der B\u00fcrger zum System der privaten Zusatzrente hierzulande und zur diesbez\u00fcglichen politischen Debatte, die nicht stattfindet. <\/p>\n<p>Dies ist gef\u00e4hrlich. W\u00e4hrend die \u00d6ffentlichkeit wegschaut, profitiert eine Branche von Millionen an Steuergeldern, ohne im Gegenzug ein seri\u00f6ses Vorsorgeprodukt zu liefern. <\/p>\n<p>Andere L\u00e4nder zeigen, dass es anders geht. In Schweden wurde in den vergangenen Jahrzehnten ein System aufgebaut, das funktioniert: klare staatliche Rahmenbedingungen, breite Produktauswahl, gedeckelte Geb\u00fchren &#8211; ein System, das dem B\u00fcrger dient. <\/p>\n<p>Solange Luxemburg nicht einen \u00e4hnlichen Weg einschl\u00e4gt, bleibt die Schlussfolgerung unausweichlich: Die private Zusatzrente ist f\u00fcr den Gro\u00dfteil der B\u00fcrger hierzulande kein Thema. Somit ist die Petition mit 23 Unterschriften keine Randnotiz, sondern ein Warnsignal. Es geht um nichts Geringeres als die finanzielle Sicherheit im Alter. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Aktuell fordert eine beim Parlament eingereichte Petition gedeckelte Geb\u00fchren bei den privaten Zusatzpensionen. 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