{"id":6069,"date":"2026-04-19T07:35:38","date_gmt":"2026-04-19T07:35:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/6069\/"},"modified":"2026-04-19T07:35:38","modified_gmt":"2026-04-19T07:35:38","slug":"tageblatt-lu-religion-immer-weniger-kinder-machen-die-erste-kommunion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/6069\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Religion | Immer weniger Kinder machen die Erste Kommunion"},"content":{"rendered":"<p>Der Fr\u00fchsommer ist die Zeit der Ersten Kommunion. Traditionell wird die katholische Feier am ersten Sonntag nach Ostern begangen. Doch in mehreren Pfarreien in Luxemburg geh\u00f6rt die strikte Orientierung am kirchlichen Kalender l\u00e4ngst der Vergangenheit an. <\/p>\n<p>In Esch und Schifflingen etwa findet die Erste Kommunion inzwischen erst im Juni statt. \u201eDer Wechsel fand w\u00e4hrend Covid statt\u201c, hei\u00dft es von der Pfarrei Esch am Telefon. \u201eWir haben damals gemerkt, dass sp\u00e4tere Termine die Organisation f\u00fcr die Familien erleichtern.\u201c <\/p>\n<p>Dabei muss man sich heute immer seltener um freie Restaurants f\u00fcr die anschlie\u00dfende Familienfeier streiten. Laut offiziellen Zahlen des Erzbistums Luxemburg nimmt die Zahl der Kinder, die j\u00e4hrlich zur Erstkommunion gehen, kontinuierlich ab. 1980 waren es noch 3.776, im Jahr 2000 nur noch 2.132. In den fr\u00fchen 2000er-Jahren \u2013 zwischen 2004 und 2006 \u2013 kam es jedoch noch einmal zu einem Hoch, als jeweils mehr als 4.000 Kinder das Sakrament empfingen. <\/p>\n<p>Bis 2016 blieb die Zahl stabil bei \u00fcber 3.000. Dann folgte ein Einschnitt: Die blau-rot-gr\u00fcne Regierung setzte die Trennung von Kirche und Staat um. 2018 trat die Reform in Kraft \u2013 und der Religionsunterricht verschwand aus den Schulen. In den Folgejahren gingen die Kommunionszahlen deutlich zur\u00fcck, mit einem Tiefststand von nur 1.141 im Covid-Jahr. Allerdings f\u00e4llt diese Zahl auch in eine Zeit, in der Ausgangsbeschr\u00e4nkungen und Versammlungsregeln mit der \u00fcblichen Kommunionssaison zusammenfielen. <\/p>\n<p>Die Kommunion ist kein Einzelfall: Eine Statec-Analyse von 2023 zeigt einen deutlichen R\u00fcckgang der Religionsaus\u00fcbung in Luxemburg. Sie beruht unter anderem auf der \u201eEuropean Values Study\u201c (EVS), die Ende 2020 und Anfang 2021 durchgef\u00fchrt wurde. So gehen auch die Zahlen der Taufen und kirchlichen Heiraten merklich zur\u00fcck. Mehr als 52 Prozent der Befragten gaben an, keiner Religion anzugeh\u00f6ren. 40,8 Prozent erkl\u00e4rten zudem, Religion spiele f\u00fcr sie \u201e\u00fcberhaupt keine Rolle\u201c, f\u00fcr weitere 35,4 Prozent ist sie keine wichtige Angelegenheit. In derselben Umfrage geben au\u00dferdem mehr als 58 Prozent an, nie eine Kirche oder andere Kultst\u00e4tte zu besuchen. <\/p>\n<p>            &#13;<br \/>\n              <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bild-93867.jpg\" title=\"Immer weniger Kinder machen die Erste Kommunion \" alt=\"Immer weniger Kinder machen die Erste Kommunion \" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:50% 50%;\"\/>&#13;<\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Auch Restaurants sp\u00fcren die Entwicklung <\/p>\n<p>Nicht nur Statistiken zeigen, dass sich die Tradition ver\u00e4ndert. Auch betroffene Betriebe sp\u00fcren den Wandel. F\u00fcr viele Familien war die Erste Kommunion lange nicht nur ein kirchliches Ereignis, sondern auch Anlass f\u00fcr ein gro\u00dfes Familienessen. <\/p>\n<p>\u201eKommunionen k\u00f6nnen bei uns nat\u00fcrlich weiterhin gefeiert werden\u201c, teilt das Traditionsrestaurant Brideler Stuff auf Tageblatt-Anfrage mit. \u201eAber die Anfragen gehen seit Jahren zur\u00fcck und tendieren inzwischen gegen null.\u201c Zudem achte man heute st\u00e4rker auf Kosten. \u201eGenerell ist der Empfang von Gruppen schwieriger geworden, unter anderem wegen zunehmender Spezialw\u00fcnsche \u2013 etwa Unvertr\u00e4glichkeiten, Allergien oder besonderer Ern\u00e4hrungsformen.\u201c <\/p>\n<p>Auch die Managerin eines portugiesischen Restaurants aus Esch, die anonym bleiben m\u00f6chte, best\u00e4tigt diesen Trend: \u201eErstkommunionen werden immer seltener gefeiert. Und die Familiengruppen werden kleiner.\u201c \u00c4hnliches berichtet Oberweis auf Anfrage: \u201eIn den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass Erstkommunionen in Luxemburg seltener gefeiert werden, was zu einem R\u00fcckgang der Bestellungen f\u00fcr Kommunionstorten sowie f\u00fcr den \u201aBamkuch\u2018 gef\u00fchrt hat.\u201c Als Reaktion darauf habe man das Angebot angepasst und biete inzwischen auch kleinere Formate wie Mini-Baumkuchen an. <\/p>\n<p>Geschenkelisten werden seltener <\/p>\n<p>Neben dem festlichen Essen spielten insbesondere in den 2000er-Jahren auch Geschenke eine wichtige Rolle. Das zeigen Zahlen von Cactus. Seit 1990 k\u00f6nnen G\u00e4ste dort \u00fcber sogenannte \u201eListen\u201c passende Pr\u00e4sente ausw\u00e4hlen. W\u00e4hrend im ersten Jahr nur 45 Listen erstellt wurden, waren es nur neun Jahre sp\u00e4ter erstmals \u00fcber 1.000. \u00c4hnlich wie bei den Zahlen der Erzdi\u00f6zese zeigt sich auch hier ein Hoch zwischen 2004 und 2010 mit mehr als 1.600 Listen pro Jahr.  Danach gehen die Zahlen deutlich zur\u00fcck: 2025 wurden nur noch 389 Listen angelegt. <\/p>\n<p>Mireille Poos von Cactus, die bis zu ihrer Rente f\u00fcr die Listen zust\u00e4ndig war, sagt auf Anfrage: \u201eIch glaube nicht, dass der R\u00fcckgang mit der Finanzkrise zu tun hat. Ab dem Moment, in dem der Religionsunterricht aus den Schulen verschwand, gingen auch die Listen deutlich zur\u00fcck.\u201c Der Gesamtwert der Wunschlisten habe sich \u00fcber die Jahre bei etwa 1.500 bis 1.700 Euro eingependelt. Besonders teure Geschenke k\u00f6nnten zudem in mehrere Anteile aufgeteilt werden. Auff\u00e4llig sei jedoch, dass sich die W\u00fcnsche seit 1990 stark ver\u00e4ndert haben: Heute finden sich zunehmend elektronische Ger\u00e4te wie Laptops, Computer, Konsolen und Smartphones auf den Listen. <\/p>\n<p>Paul Ernster von der Librairie Ernster best\u00e4tigt diesen Trend: \u201eKommunionslisten sind in den letzten Jahren stark zur\u00fcckgegangen. Wir haben heute nur noch etwa halb so viele wie vor 15 Jahren \u2013 und die Zahl sinkt weiter.\u201c Unver\u00e4ndert sei jedoch der Inhalt: B\u00fccher \u2013 vom Globus \u00fcber Kinderserien wie \u201eDie drei ???\u201c \u2013 bis hin zu Gesellschaftsspielen und Papeterie-Artikeln. <\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich auch Anne Diderich vom gleichnamigen Escher Traditionsbuchladen: \u201eWir haben seit mehreren Jahren gar keine Listen mehr. Seit der Trennung von Kirche und Staat hat das meinem Eindruck nach stark abgenommen.\u201c Wenn Geschenke gekauft w\u00fcrden, dann eher Sachb\u00fccher oder Schreibwaren-Artikel. \u201eIch habe den Eindruck, dass es heute weniger um die Geschenke als um die Kommunion selbst geht.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bild-93868.jpg\" title=\"Immer weniger Kinder machen die Erste Kommunion \" alt=\"Immer weniger Kinder machen die Erste Kommunion \" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:50% 50.000002173616678647%;\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Fr\u00fchsommer ist die Zeit der Ersten Kommunion. 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