{"id":6651,"date":"2026-04-24T14:40:09","date_gmt":"2026-04-24T14:40:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/6651\/"},"modified":"2026-04-24T14:40:09","modified_gmt":"2026-04-24T14:40:09","slug":"tageblatt-lu-editorial-wenn-das-foto-zum-fake-wird-und-was-das-fuer-luxemburgs-monarchie-bedeutet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/6651\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Editorial | Wenn das Foto zum Fake wird \u2013 und was das f\u00fcr Luxemburgs Monarchie bedeutet"},"content":{"rendered":"<p>Im Englischen spricht man von einem \u201egift that keeps on giving\u201c. Eine Fundgrube, die nie versiegt. F\u00fcr Journalisten sind Social-Media-Profile von Politikern und politischen Playern eine solche Fundgrube. Seit Ende vergangenen Jahres lohnt sich in dieser Hinsicht vermehrt der Blick in die Onlinekan\u00e4le der US-amerikanischen Botschaft in Luxemburg und auf die Facebook- und Instagram-Accounts von Botschafterin Stacey Feinberg. Mehr als einmal sorgte ein solcher Blick bereits f\u00fcr Erstaunen. Die <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Ich-freue-mich-so-dass-Sie-das-fragen-Stacey-Feinberg-ueber-Trump-Luxemburg-und-Shitstorms-25476.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Shitstorms lie\u00dfen jeweils nicht lange auf sich warten<\/a>. <\/p>\n<p>Nun ver\u00f6ffentlichten die US-Botschaft und die US-Botschafterin <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/US-Botschaft-retuschiert-Foto-mit-Grossherzog-63891.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ein Foto, aus dem eine Person digital wegradiert ist<\/a>, auf dem aber Luxemburgs Staatschef und Gro\u00dfherzog, der Au\u00dfen- und der Finanzminister zu sehen sind, ebenso wie Feinberg. Nicht mehr zu sehen auf dem in offiziellen Kan\u00e4len verbreiteten Bild ist die <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Aus-Foto-mit-dem-Grossherzog-entfernte-Person-ist-Ex-Botschafterin-Cynthia-Stroum-63919.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ehemalige US-Botschafterin in Luxemburg, Cynthia Stroum<\/a>. So wird das Foto zum Fake: Was die US-Botschaft hier gepostet hat, entspricht nicht der Wirklichkeit. Das war immer schon ein No-Go und erinnert an dunkle Zeiten. In Zeiten von Fake News, in denen wir t\u00e4glich hinterfragen m\u00fcssen, ob irgendein Filmchen im Internet KI ist oder nicht, ist das Vorgehen umso bedenklicher. Wir k\u00f6nnen nur eine Grenze ziehen, und die hei\u00dft: Bei der Wirklichkeit bleiben. Wo sollen wir die Grenze sonst ziehen? <\/p>\n<p>Bei dem Foto, von dem hier die Rede ist, war es offensichtlich. Wer es sah, dem stach es ins Auge. Ein spannendes Bild, das schlecht bearbeitet war; ein Gl\u00fcck, denn anders w\u00e4re es nicht aufgefallen. <\/p>\n<p>Das ganze Setting des noblen Metropolitan Club in New York, alle im Smoking oder im eleganten Kleid. Und wie sie alle dreinschauen! Ein bisschen wie im Film. Sodass man jedes Detail anschauen will, reinzoomt \u2013 und dann in der Kulisse, im Hintergrund, einen Mann entdeckt, dem Arm und Schulter fehlen. Ab da ist klar: Hier stimmt etwas nicht, jemand ist aus dem Bild gel\u00f6scht. Mithilfe des Internets ist das Originalbild mit der ehemaligen Botschafterin schnell gefunden. <\/p>\n<p>Warum Stroum entfernt wurde und wer den Schritt veranlasste, wollte die US-Botschaft uns nicht sagen. Was bekannt ist: Stroum ist damals in Ungnade gefallen und musste nach wenig mehr als einem Jahr ihren Posten wieder r\u00e4umen. W\u00e4hrend ihrer 14-monatigen Amtszeit von Ende 2009 bis Anfang 2011 hatten offenbar mehrere Mitarbeiter der Botschaft um eine Versetzung in den Irak oder nach Afghanistan gebeten. Stroum d\u00fcrfte in der US-Botschaft auch 2026 noch persona non grata sein. Sie aus einem Foto zu l\u00f6schen, auf dem zudem Gro\u00dfherzog Guillaume, Xavier Bettel und Gilles Roth zu sehen sind, bleibt trotzdem unannehmbar. <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Grossherzog-Guillaume-Bettel-und-Roth-reagieren-auf-Fake-Foto-der-US-Botschaft-63958.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ein solches Vorgehen darf keine Schule machen<\/a>: Man kann nicht alle Prinzipien f\u00fcr ein Posting \u00fcber Bord werfen. <\/p>\n<p>Das Foto wirft noch eine weitere Frage auf. Eine, die nur Luxemburg betrifft. <\/p>\n<p>Beim Betrachten des Bildes dr\u00e4ngt sich eine unbequeme Frage auf: Ist das ein Setting, in dem Luxemburg seinen Gro\u00dfherzog zeigen will, und ist das das Setting, in dem Luxemburgs Gro\u00dfherzog sich selbst sehen will? Guillaume nahm bereits an solchen Events in New York teil, als Erbgro\u00dfherzog an der Spitze einer Wirtschaftsmission. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Nachrichten\/Ich-moechte-zuhoeren-und-verbinden-Luxemburgs-neuer-Grossherzog-Guillaume-nach-dem-Thronwechsel-5248.html\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mittlerweile ist Guillaume Gro\u00dfherzog<\/a>. Im Verst\u00e4ndnis des Gesch\u00e4ftsmodells unserer parlamentarischen Monarchie waren die Royals immer die T\u00fcr\u00f6ffner. Der \u201eKleine\u201c f\u00fcr die Wirtschaftsevents, der \u201eGro\u00dfe\u201c f\u00fcr den Eindruck bei Chinesen, Golfstaaten und Co. Nun muss der \u201eGro\u00dfe\u201c weiter die Rolle des \u201eKleinen\u201c mitspielen. Und langsam lassen sich die Nachteile erkennen, nicht zuletzt wegen dieses Fotos, ob bearbeitet oder nicht. <\/p>\n<p>Die Frage, die sich stellt: Hat Luxemburgs Gro\u00dfherzog noch dieselbe Strahlkraft in die Welt hinein, wenn er gleichzeitig an verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleinen Events teilnehmen muss, wo zudem, wie im jetzigen Fall, sich andere dank seiner Anwesenheit mit fremden Federn schm\u00fccken k\u00f6nnen? Rund um den Thronwechsel haderten Hof und Regierung damit, wie es weitergehen soll mit den Wirtschaftsmissionen, ob Guillaume sie auch als Grand-Duc begleitet. Langsam wird klar, warum das eine heikle Frage ist \u2013 und warum Luxemburg diese Rolle neu justieren sollte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Englischen spricht man von einem \u201egift that keeps on giving\u201c. Eine Fundgrube, die nie versiegt. 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