{"id":6705,"date":"2026-04-25T02:18:18","date_gmt":"2026-04-25T02:18:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/6705\/"},"modified":"2026-04-25T02:18:18","modified_gmt":"2026-04-25T02:18:18","slug":"tageblatt-lu-luxembourg-philharmonia-30-jahre-chefdirigent-martin-elmquist-im-gespraech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/6705\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Luxembourg Philharmonia | 30 Jahre Chefdirigent: Martin Elmquist im Gespr\u00e4ch"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Tageblatt: Martin Elmquist, Sie sind mittlerweile 30 Jahre lang der Chefdirigent des Luxembourg Philharmonia. Was ist Ihre pers\u00f6nliche Bilanz nach all den Jahren? <\/p>\n<p>Martin Elmquist: Ich glaube, es ist einfach nur sch\u00f6n, zu sehen, wie sich das Orchester weiterentwickelt hat, wie es gewachsen ist und mit welcher Freude die Musiker noch immer zur Sache gehen. Wir sind ja ein reines Amateurorchester und da ist es schon eine Leistung, auf einem solch hohen Niveau die Konzerte zu absolvieren. Nach 30 Jahren ist nat\u00fcrlich auch ein Punkt gekommen, \u00fcber eine Nachfolge nachzudenken. Und hier ist es wichtig, jemanden zu finden, der die gleiche Philosophie, die gleiche Lust und die gleiche Ernsthaftigkeit vereint, das Orchester sicher in die Zukunft zu f\u00fchren. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Das Orchester wurde 1979 gegr\u00fcndet. Wissen Sie, was damals den Ausschlag dazu gegeben hat? <\/p>\n<p>Soweit ich wei\u00df, hat die Europawahl 1979, die in Luxemburg stattfand, den Ausschlag gegeben, dass sich vor allem englische Musiker, die in Luxemburg lebten, zusammentaten und ein kleines Orchester im Sinne des europ\u00e4ischen Gedankens bildeten. Es sollte eigentlich nur bei einem Konzert bleiben, aber die Musiker hatten Lust auf mehr bekommen, sodass sich das Luxembourg Philharmonia nach und nach fest etablieren konnte. Damals bestand das Ensemble aus vielleicht 15 Musikern, heute sind wir 90 und sehr international besetzt. Anfang der neunziger Jahre befand sich das Orchester in einer ziemlich katastrophalen Situation und man suchte einen Chefdirigenten, der das Orchester wieder in die Spur bringen sollte und vor allem bereit war, es l\u00e4ngerfristig zu begleiten und aufzubauen. Einige Musiker, die bei mir Geigenunterricht hatten, wussten, dass ich als Dirigent in Italien gearbeitet hatte, und sie fragten mich, ob ich nicht Lust h\u00e4tte, das Luxembourg Philharmonia zu \u00fcbernehmen. Ich hatte dann eine Probe mit den damals 30 Musikern und es hat geklappt. Wir haben uns auf Anhieb verstanden und das hat sich eigentlich bis heute nicht ge\u00e4ndert. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Sie waren damals aber auch international als Dirigent unterwegs &#8230; <\/p>\n<p>Ja, ich habe damals vor allem in Italien gelebt und dirigiert, aber auch in Deutschland und in D\u00e4nemark. Aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden habe ich Italien verlassen und bin durch Familienangeh\u00f6rige in Luxemburg gestrandet, wo ich als Geigenlehrer von Marc Jacoby am Ettelbr\u00fccker Konservatorium eingestellt wurde. Schnell kam dann der Dirigentenposten beim Luxembourg Philharmonia hinzu. Und das passte f\u00fcr mich sehr gut. Im internationalen Betrieb geht es leider relativ hart zu und es wird mit Ellenbogen gek\u00e4mpft. Das ist aber \u00fcberhaupt nicht mein Ding und entspricht auch nicht meiner Pers\u00f6nlichkeit. Und deshalb bin ich in Luxemburg geblieben und habe diese Entscheidung der Doppelfunktion als Lehrer und Dirigent nie bereut. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Eigentlich sind Sie durch Sergiu Celibidache zum Dirigieren gekommen. <\/p>\n<p>(Lacht) Ja, aber nicht so wie Sie denken. Ich hatte nie Unterricht bei ihm. Aber als Junge von 13 Jahren habe ich ein Konzert mit ihm in Kopenhagen erlebt. Nach dem Konzert war ich fassungslos und konnte gar nicht begreifen, was ich da geh\u00f6rt hatte. Celibidache kam dann \u00f6fters nach Kopenhagen und ich war bei jedem Konzert dabei. Ich bin dann ins Kopenhagener Konservatorium gekommen und mein Lehrer war Konzertmeister beim Rundfunkorchester. Durch ihn durfte ich dann zu den Proben mit Celibidache kommen, die, wie Sie sich vorstellen k\u00f6nnen, ganz besonders waren. Aber ich habe nie bei ihm studiert. Daf\u00fcr aber bei Arvid Jansons, dem Vater von Mariss Jansons. Er war ein exzellenter Dirigent und auch ein sehr guter P\u00e4dagoge, sehr menschlich und freundlich. Ich durfte mit ihm arbeiten. Sp\u00e4ter habe ich auch noch bei Neeme J\u00e4rvi studiert. <\/p>\n<p>            &#13;<br \/>\n              Im internationalen Betrieb geht es leider relativ hart zu und es wird mit Ellenbogen gek\u00e4mpft. Das ist \u00fcberhaupt nicht mein Ding und entspricht auch nicht meiner Pers\u00f6nlichkeit. Und deshalb bin ich in Luxemburg geblieben. &#13;<\/p>\n<p class=\"Zitat-Autor1\">Martin Elmquist <\/p>\n<p class=\"Zitat-Funktion1\">Chefdirigent des Luxembourg Philharmonia <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Wie setzt sich das Orchester zusammen? <\/p>\n<p>Das Luxembourg Philharmonia ist ja ein Orchester auf freiwilliger Basis, das hei\u00dft, die Musiker werden nicht bezahlt und somit gelten auch andere Kriterien als bei einem professionellen Orchester. Wenn sich jemand meldet und Interesse bekundet, fragen wir nat\u00fcrlich, ob er bereits Orchestererfahrung hat. Aber im Grunde kann jeder bei uns spielen. Was dann auch erkl\u00e4rt, dass das Niveau sehr unterschiedlich sein kann. Wir haben einige ehemalige Profis, aber auch versierte Amateure und eben auch einige nicht ganz so gute Musiker. Aber das ist nicht schlimm. Es soll jedem Spa\u00df machen und jeder, der in unsere Konzerte kommt, wei\u00df, dass er nicht die Berliner Philharmoniker h\u00f6rt. Trotzdem haben wir eine sehr gro\u00dfe und treue Zuh\u00f6rerschaft. F\u00fcr unser Jubil\u00e4umskonzert in der Philharmonie am 26. April sind bereits tausend Pl\u00e4tze verkauft. Und das ist toll. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Als Amateur ist man ja nicht so flexibel wie als Profi. Wie bauen Sie eine Spielzeit auf, wie viele Konzerte spielen Sie? <\/p>\n<p>Wir geben generell vier Konzerte pro Jahr. Im Januar ist es meistens ein sogenanntes Neujahrskonzert mit Musik von Lehar und Strau\u00df. Der H\u00f6hepunkt ist das Sommerkonzert, da haben wir dann das ganze Jahr daran gearbeitet. Wenn wir in der Philharmonie spielen d\u00fcrfen, dann bekommen die Musiker noch einen Extraschub an Energie und geben wirklich alles. F\u00fcr ein Amateurorchester ist es jedesmal eine gro\u00dfe Ehre und Freude, im gro\u00dfen Saald der Philharmonie auftreten zu d\u00fcrfen. Der Klang ist wunderbar, die Musiker h\u00f6ren sich anders und k\u00f6nnen sich auch anders einbringen. Es ist wirklich eine tolle Initiative der Philharmonie, die Konzerte f\u00fcr Amateurmusiker zu erm\u00f6glichen. Wir brauchen uns wirklich um nichts zu k\u00fcmmern, der ganze Backstage ist von A bis Z sehr gut durchorganisiert. Und was besonders toll ist, der Erl\u00f6s der verkauften Tickets geht an das Luxembourg Philharmonia. Damit k\u00f6nnen wir dann weiterarbeiten. Zu unseren Konzerten in Luxemburg kommen dann auch noch einige Tourneekonzerte im Ausland. Die sind besonders wichtig f\u00fcr die Musiker, weil Sie auch im Ausland zeigen k\u00f6nnen, was sie k\u00f6nnen, aber vor allem, weil es die soziale Kommunikation und das Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl enorm st\u00e4rkt. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Welche Werke spielen Sie denn beim Jubil\u00e4umskonzert in der Philharmonie jetzt am 26. April? <\/p>\n<p>Wir beginnen mit Claude Debussys Pr\u00e9lude \u00e0 l\u2019apr\u00e8s-midi d\u2019un faune, es folgen Noches en los jardines de Espa\u00f1a von Manuel de Falla und nach der Pause Carl Nielsens 3. Symphonie \u201eEspansiva\u201c, die hier zum allerersten Mal in Luxemburg erklingt. Der Solist bei de Falla ist der junge portugiesisch-luxemburgische Pianist Johan Perdiga, ein riesiges Talent und Gewinner mehrerer Preise. F\u00fcr uns ist es sehr wichtig, dass wir in unseren Konzerten auch unseren luxemburgischen Musikern die Chance bieten, sich solistisch zu beweisen. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Mit der Nielsen-Symphonie haben Sie aber ein relativ komplexes Werk ausgesucht. Kann man denn schwierige St\u00fccke zufriedenstellend mit einem Amateurorchester auff\u00fchren? <\/p>\n<p>Auf jeden Fall; solche anspruchsvollen Werke wecken den Ehrgeiz der Musiker. Und es ist ja nicht ds erste Mal, dass wir uns an ein solch schwieriges St\u00fcck wagen. Schon in unserem ersten Konzert in der Philharmonie im Jahre 2006 haben wir Tschaikowskys 6. Symphonie \u201ePath\u00e9tique\u201c gespielt. Dann 2009 Beethovens 9. Symphonie, das Requiem von Verdi 2012, Schostakowitschs 5. Symphonie, sein 2. Klavierkonzert und Sibelius\u2018 2. Symphonie nicht zu vergessen. N\u00e4chstes Jahr stehen u.a. Brahms\u2018 Doppelkonzert, das Tripelkonzert und die 5. Symphonie von Beethoven auf dem Programm. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Sie werden also weitermachen? <\/p>\n<p>Auf jeden Fall, meine Liebe zum Orchester und meine Freude an der Arbeit mit den Musikern ist sehr stark und ich habe immer noch Lust auf mehr. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Infos zum Konzert: philharmonia.lu und philharmonie.lu. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Tageblatt: Martin Elmquist, Sie sind mittlerweile 30 Jahre lang der Chefdirigent des Luxembourg Philharmonia. 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