{"id":7868,"date":"2026-05-12T04:53:11","date_gmt":"2026-05-12T04:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/7868\/"},"modified":"2026-05-12T04:53:11","modified_gmt":"2026-05-12T04:53:11","slug":"tageblatt-lu-editorial-logement-renten-arbeitsmarkt-zu-luxemburgs-umgang-mit-strukturellem-herzversagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/7868\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Editorial | Logement, Renten, Arbeitsmarkt: Zu Luxemburgs Umgang mit strukturellem Herzversagen"},"content":{"rendered":"<p>Luxemburg ist Weltmeister darin, strukturelle Herausforderungen des Landes auf die lange Bank zu schieben. Und wenn sie sich zu einem nicht mehr ignorierbaren Problem entwickelt haben, fehlt entweder der politische Wille oder das politischen Geschick, sie grundlegend anzugehen. Daran wird auch die anstehende Tripartite nichts \u00e4ndern. <\/p>\n<p>Die Gewerkschaftsunion aus OGBL-LCGB will bei der Tripartite \u00fcber das Logement diskutieren, Patronat (und wohl auch die Regierung) am liebsten nicht. Der Gedanke: Die Wohnkosten, sei es die R\u00fcckzahlung auf einen Kredit oder die Miete, sorgen daf\u00fcr, dass am Ende des Monats nur ein Bruchteil des Gehalts \u00fcbrig bleibt. Die Kaufkraft \u2013 neben der Energie das entscheidende Thema der Gespr\u00e4che \u2013 der Arbeitnehmer werde dadurch entscheidend beeintr\u00e4chtigt. <\/p>\n<p>Dass die Regierung aus CSV und DP in dem Bereich keine strukturellen Reformen angehen will, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Die Ma\u00dfnahmen der Regierung griffen nur kurzfristig: Investoren nutzten die zeitlich begrenzten Steuergutschriften, es kam zu kurzfristig mehr Verk\u00e4ufen am Neubaumarkt. Das Resultat: <a href=\"https:\/\/paperjam.lu\/article\/logement-10-chiffres-pour-comprendre-le-marche-en-2025\" title=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nur 20 Prozent der VEFA-Verk\u00e4ufe im vergangenen Jahr gehen auf \u201eprimo-acqu\u00e9reurs\u201c zur\u00fcck, schreibt das Wirtschaftsmagazin Paperjam.<\/a> Vor allem der Staat mit seinem VEFA-Aufkaufprogramm h\u00e4lt den Markt k\u00fcnstlich am Leben, w\u00e4hrend Gro\u00dfinvestoren von den verg\u00fcnstigten Kaufbedingungen profitierten. \u00c4hnlich einem Patienten mit Kammerflimmern, den man per Herzdruckmassage zwar am Leben erh\u00e4lt \u2013 jedoch anschlie\u00dfend dabei zusieht, wie er sich ohne intensivmedizinische Betreuung zur n\u00e4chsten Herzrhythmusst\u00f6rung qu\u00e4lt. <\/p>\n<p>Es ist ein Ansatz, der in Luxemburg seit Jahren Schule macht: Auf strukturelle Wunden werden konjunkturelle Pflaster geklebt. Dabei scheitert es nicht immer am politischen Willen, sondern auch an der Unf\u00e4higkeit, bei hochpolitisierten Streitthemen mit der n\u00f6tigen Bedachtsamkeit vorzugehen. So geschehen bei der Rentenreform. Un\u00fcberlegte Ank\u00fcndigungen im \u201eEtat de la Nation\u201c, politische Fehlkalkulation hinsichtlich St\u00e4rke und politischer Teilhabe der Gewerkschaften haben eine mittelfristig angedachte Rentenreform letzten Endes in \u201eStoussrichtungen\u201c verwandelt. Damit ist das eigentliche Problem nicht ausgestanden, sondern lediglich bis in die n\u00e4chste Legislatur vertagt. Bis dahin erfreuen sich Wohlhabende erneut \u00fcber mehr Steuerverg\u00fcnstigungen und Versicherungsunternehmen \u00fcber mutma\u00dflich steigende Ums\u00e4tze. <\/p>\n<p>Vor dem Verkehrsproblem scheint die Luxemburger Politik kapituliert zu haben. L\u00f6sungen, die heute diskutiert werden, k\u00f6nnen bestenfalls f\u00fcr etwas Erleichterung sorgen \u2013 ohne dem dringend ben\u00f6tigten Zustrom an Arbeitskr\u00e4ften aus dem Ausland Rechnung zu tragen. A propos Arbeitskr\u00e4fte: Auch der Luxemburger Arbeitsmarkt ger\u00e4t ebenfalls immer mehr in Schieflage (siehe Seite 4 und 5). Einstellungen im \u00f6ffentlichen Dienst \u00fcbert\u00fcnchen das Problem derzeit noch. Experten werfen auch hier die berechtigte Frage auf: Wie lange kann das gut gehen? Und: Wer soll das bezahlen? <\/p>\n<p>Bisher hat die Regierung jede finanzpolitische Vorsicht vermissen lassen. Die geplante Steuerreform und steigende Verteidigungsausgaben werden das Budget auf Jahre hin belasten. Die von der Regierung eingeplanten steuerlichen Mehreinnahmen durch einen brummenden Wirtschaftsmotor bleiben aus. Und egal ob Finanzinspektion oder Internationaler W\u00e4hrungsfonds: Alle warnen sie vor den budget\u00e4ren Konsequenzen der derzeitigen Regierungspolitik. <\/p>\n<p>Die Tripartite wird zeigen: Erkennen Frieden, Bettel und Co. die Dringlichkeit strukturell ben\u00f6tigter Wegweisungen an? Oder wird per Finanzspritze der restliche Puffer, der vom Finanzminister oft zitierte \u201eApel fir den Duuscht\u201c, aufgebraucht, um das n\u00e4chste Herzversagen zu vertagen? Ein Blick in die Vergangenheit l\u00e4sst wenig Hoffnung zu. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Luxemburg ist Weltmeister darin, strukturelle Herausforderungen des Landes auf die lange Bank zu schieben. 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