{"id":8463,"date":"2026-05-23T14:35:09","date_gmt":"2026-05-23T14:35:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/8463\/"},"modified":"2026-05-23T14:35:09","modified_gmt":"2026-05-23T14:35:09","slug":"tageblatt-lu-forum-von-mehmed-kuc-claude-haagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/8463\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Forum von Mehmed Ku\u010d &#038; Claude Haagen"},"content":{"rendered":"<p>Besonders deutlich wird es in Luxemburg-Stadt: 2020 lebten dort laut einer LISER-Studie 11.243 Besch\u00e4ftigte unter der Armutsgrenze von 1.942 Euro Monatslohn. Das entsprach 22,3 Prozent der dort wohnhaften Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Schlusslichter in dieser Kategorie waren das Bahnhofsviertel und Bonneweg-S\u00fcd. <\/p>\n<p class=\"Infobox-Titel4\">Zur Person <\/p>\n<p>              &#13;<br \/>\n                <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bild-96050.jpg\" title=\"Wenn Arbeit nicht vor Armut sch\u00fctzt: Working Poor in Luxemburg \" alt=\"Wenn Arbeit nicht vor Armut sch\u00fctzt: Working Poor in Luxemburg \" class=\"img-responsive\"\/>&#13;<br \/>\n                &#13;<\/p>\n<p class=\"image-caption-credit\">&#13;<br \/>\n                    Foto: privat&#13;\n                  <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n                &#13;<\/p>\n<p class=\"Infobox-Text4\">Claude Haagen ist LSAP-Abgeordneter und Vizepr\u00e4sident des parlamentarischen Arbeitsausschusses <\/p>\n<p>Als Hauptgrund daf\u00fcr nennt die Studie die hohen Miet- und Immobilienpreise. F\u00fcr viele Haushalte verschlingt die Miete einen enormen Teil des Einkommens, teilweise fast die H\u00e4lfte. Selbst Menschen mit festem Arbeitsplatz geraten dadurch unter Druck. Haushalte mit niedrigen oder mittleren Einkommen m\u00fcssen oft zwischen Wohnen, Mobilit\u00e4t und anderen grundlegenden Ausgaben abw\u00e4gen. Luxemburgs Rolle als wichtigstes Besch\u00e4ftigungszentrum der Gro\u00dfregion hat den Druck auf den Immobilienmarkt zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft. Dadurch h\u00e4ngt finanzielle Sicherheit immer st\u00e4rker von der Wohnsituation ab und nicht mehr allein davon, ob jemand arbeitet oder nicht. Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Besch\u00e4ftigte in Reinigung, Pflege, Gastronomie und Einzelhandel tragen das h\u00f6chste Risiko. Dort treffen niedrige L\u00f6hne und unsichere Arbeitsverh\u00e4ltnisse auf hohe Lebenshaltungskosten. <\/p>\n<p class=\"Infobox-Titel3\">Zur Person <\/p>\n<p>              &#13;<br \/>\n                <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Bild-96051.jpg\" title=\"Wenn Arbeit nicht vor Armut sch\u00fctzt: Working Poor in Luxemburg \" alt=\"Wenn Arbeit nicht vor Armut sch\u00fctzt: Working Poor in Luxemburg \" class=\"img-responsive\"\/>&#13;<\/p>\n<p class=\"Infobox-Text3\">Mehmed Ku\u010d ist Generalsekret\u00e4r der Jonk Sozialisten (JS) <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Besonders Kinder betroffen <\/p>\n<p>Solche Lebensumst\u00e4nde sind meist gravierend f\u00fcr Kinder, da sie einen schlechteren Zugang zu Freizeitaktivit\u00e4ten, Nachhilfeunterricht, kulturellen Angeboten oder sportlichen Vereinen haben. Hinzu kommen beengte Wohnverh\u00e4ltnisse und fehlende R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten. Die soziale Ausgrenzung sp\u00fcren die Kinder vor allem, wenn Klassenkameraden auf Reisen gehen oder an Aktivit\u00e4ten teilnehmen k\u00f6nnen, die f\u00fcr die eigene Familie unerreichbar bleiben. Dadurch entstehen Unterschiede, die sich langfristig verfestigen. Schlechtere Bildungschancen, weniger soziale Kontakte und geringere M\u00f6glichkeiten zur pers\u00f6nlichen Entwicklung f\u00fchren dazu, dass soziale Ungleichheit nicht nur vererbt, sondern auch verinnerlicht wird. Denn wer von klein auf erlebt, dass bestimmte Wege verschlossen bleiben, beginnt allzu oft, diese Grenzen als naturgegeben zu akzeptieren. So entsteht ein gef\u00e4hrlicher Kreislauf, in dem die falsche Vorstellung gen\u00e4hrt wird, Armut sei ein unausweichliches Schicksal statt das Ergebnis ver\u00e4nderbarer gesellschaftlicher Bedingungen. In einem Land mit enormem Wohlstand darf jedoch die Zukunft eines Kindes nicht davon abh\u00e4ngen, ob die Eltern trotz Vollzeitbesch\u00e4ftigung finanziell \u00fcber die Runden kommen. <\/p>\n<p>Die Regierung hat mit dem nationalen Armutsplan Ende 2025 auch einen ersten Rahmen zur Bek\u00e4mpfung der Arbeitsarmut vorgelegt. Der Plan deckt viele Bereiche ab und enth\u00e4lt durchaus konkrete Ans\u00e4tze, etwa bei den Familienleistungen oder der Vereinfachung des Zugangs zu Sozialleistungen. Das ist aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn entscheidend ist, ob Armut strukturell bek\u00e4mpft oder lediglich verwaltet wird. Wer sich zum Beispiel darauf beschr\u00e4nkt, niedrige Einkommen durch staatliche Zusch\u00fcsse auszugleichen, betreibt letztlich keine Armutsbek\u00e4mpfung, sondern verteilt Almosen. So bleiben arbeitende Menschen in einer dauerhaften Abh\u00e4ngigkeit von Sozialleistungen, anstatt sich durch ihre eigene Arbeit emanzipieren zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Gehalt reicht oft nicht aus <\/p>\n<p>Besonders deutlich wird diese problematische Logik in den Aussagen des Pr\u00e4sidenten des Arbeitgeberverbandes UEL. Seine Forderung, der Staat m\u00fcsse einspringen, wenn der Mindestlohn nicht zum Leben reicht, da eine Erh\u00f6hung f\u00fcr viele Betriebe nicht tragbar sei, ist an Zynismus kaum zu \u00fcberbieten. Sie l\u00e4uft darauf hinaus, dass unzureichende L\u00f6hne politisch akzeptiert und durch die Allgemeinheit kompensiert werden sollen. Damit wird die Arbeit des Einzelnen entwertet. In dieser Logik schafft die Niedriglohnarbeit Wert f\u00fcr den Arbeitgeber, reicht aber nicht f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben aus und wird zugleich indirekt von der Kollektivit\u00e4t subventioniert. Sozialleistungen, finanziert aus Steuergeldern, sichern so ein System, in dem Unternehmen ihre Wertsch\u00f6pfung und also ihre Gewinne auf Kosten niedriger L\u00f6hne optimieren k\u00f6nnen. Eine solche Logik ist nicht annehmbar. <\/p>\n<p>Beim Mindestlohn verweist der Armutsbek\u00e4mpfungsplan der Regierung auf die Indexierung und die Umsetzung der europ\u00e4ischen Richtlinie zu angemessenen Mindestl\u00f6hnen. Eine weitergehende Anpassung an die tats\u00e4chlichen Lebenshaltungskosten in Luxemburg ist nicht vorgesehen. Dabei zeigen die Zahlen deutlich, dass Vollzeitarbeit zum Mindestlohn f\u00fcr viele Haushalte, insbesondere Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern, nicht ausreicht, um die laufenden Kosten zu decken. Wer in einem der reichsten L\u00e4nder der Welt Vollzeit arbeitet, darf aber nicht armutsgef\u00e4hrdet sein. <\/p>\n<p>Mindestlohnerh\u00f6hung gefordert <\/p>\n<p>Strukturelle \u00c4nderungen brauchen Zeit, und greifen nicht von heute auf morgen. Deshalb ist es weiterhin wichtig, das System der Sozialhilfen zu erhalten, auszubauen und abzusichern. Und gerade deshalb kommt ein Plan, der die dr\u00e4ngendsten Ma\u00dfnahmen mehrheitlich auf 2026 und 2027 vertagt, f\u00fcr viele betroffene Haushalte zu sp\u00e4t. F\u00fcr Haushalte, die heute mehr als die H\u00e4lfte ihres Einkommens f\u00fcr Miete aufwenden, ist das eine zu lange Wartezeit. Steuerliche Anpassungen und allgemeine Sozialleistungen k\u00f6nnen diesen Druck nur begrenzt ausgleichen, solange der Wohnungsmarkt strukturell nicht entlastet wird. <\/p>\n<p>Arbeit muss sich lohnen. Arbeit hat einen Wert, den es zu respektieren gilt, gesellschaftlich als auch finanziell. Deshalb fordern wir eine sofortige strukturelle Erh\u00f6hung des Mindestlohns um 100 \u20ac netto sowie eine weitere identische Erh\u00f6hung n\u00e4chstes Jahr. Au\u00dferdem m\u00fcssen die Kollektivvertr\u00e4ge gest\u00e4rkt und verbreitet werden \u2013 die EU-Direktive sieht eine 80% Quote vor \u2013 um die Fortentwicklung der Geh\u00e4lter und der Karrieren zu gew\u00e4hrleisten. <\/p>\n<p>Und schlussendlich ist es an der Zeit, in der Steuerfrage umzudenken. Nicht die Arbeit soll besteuert werden, sondern das Kapital. Das momentane Ungleichgewicht in der Besteuerung, zu Lasten der Arbeit des Einzelnen aufgrund der Gehaltssteuer, ist fundamental ungerecht, l\u00e4sst aber tief blicken in einer reichen Gesellschaft, in der die Arbeit f\u00fcr Regierung und Unternehmerverb\u00e4nde offensichtlich nur rein betriebswirtschaftlich eine Rolle spielt. <\/p>\n<p class=\"Infobox-Titel1\">Anmerkung <\/p>\n<p class=\"Infobox-Text1\">Das Tageblatt sch\u00e4tzt den Austausch mit seinen Leserinnen und Lesern und bietet auf dieser Seite Raum f\u00fcr verschiedene Perspektiven. Die auf der Forum-Seite ge\u00e4u\u00dferten Meinungen sollen die gesellschaftliche Diskussion ansto\u00dfen, spiegeln jedoch nicht zwangsl\u00e4ufig die Ansichten der Redaktion wider. <\/p>\n<p>Anmerkung <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Besonders deutlich wird es in Luxemburg-Stadt: 2020 lebten dort laut einer LISER-Studie 11.243 Besch\u00e4ftigte unter der Armutsgrenze von&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":8464,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[1303,1902,1101,866,5,1903],"class_list":["post-8463","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-luxemburg","tag-armut","tag-claude-haagen","tag-lhne-und-einkommen","tag-lsap","tag-luxemburg","tag-mehmed-kuc"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@lu_de\/116624393809796778","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8463","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8463"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8463\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8463"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8463"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8463"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}