{"id":930,"date":"2026-02-18T12:31:17","date_gmt":"2026-02-18T12:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/930\/"},"modified":"2026-02-18T12:31:17","modified_gmt":"2026-02-18T12:31:17","slug":"tageblatt-lu-76-internationale-filmfestspiele-berlin-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/930\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | 76. Internationale Filmfestspiele Berlin"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Tageblatt: Der Premierminister Luc Frieden sprach soeben vom \u201eEuropean Way\u201c. Wie w\u00fcrden Sie diesen charakterisieren, insbesonders in Bezug auf die Kulturbranche? <\/p>\n<p>Eric Thill: Der Premier hat ganz deutlich gesagt, dass der europ\u00e4ische Kontinent durch seine Werte attraktiv ist. Das sind auch Werte, die im luxemburgischen Film gefeiert und repr\u00e4sentiert werden, und die wir auch in der Kultur in Luxemburg st\u00e4rken und im Alltag leben. Man kann zusammen mehr erreichen als einzelne L\u00e4nder. Und daf\u00fcr ist die Filmproduktion ein gutes Beispiel: Als Luxemburger Land bestehen wir auch international und feiern zusammen Erfolge. Man ist immer st\u00e4rker, wenn man mit Toleranz, Solidarit\u00e4t, Respekt, Integrit\u00e4t agiert und vor allem die Menschenrechte verteidigt \u2013 da hat der Film gerade in diesen Zeiten eine sehr gro\u00dfe Wichtigkeit. Dass Luxemburg mit drei Co-Produktionen auf der Berlinale vertreten ist, freut mich sehr. Co-Produktionen mit anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern beruhen auf Partnerschaften, die \u00fcber Jahre gewachsen sind. Ohne Co-Produktionen w\u00e4re das nicht m\u00f6glich \u2013 das muss man klar sagen. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Die Co-Produktionen zahlen sich \u00f6konomisch aus. Stellen sie f\u00fcr Luxemburg nur eine rein finanzielle Beteiligung dar, oder wie wirken sie sich auf das Filmschaffen im Land aus? <\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung des Luxemburger Filmfonds ist so angelegt, dass sie sowohl dem Land als auch den Filmschaffenden zugutekommt. \u00dcber ein entsprechendes Finanzierungsgesetz hat die Regierung die finanziellen Mittel f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Jahre erh\u00f6ht und abgesichert. Das schafft Planungssicherheit. Es ist wichtig, dass diese Mittel in der gesamten Breite des luxemburgischen Filmsektors bei den Kulturschaffenden ankommen. Dar\u00fcber hatten wir hier in Berlin auch gemeinsam mit dem Premierminister Gespr\u00e4che: Wir wollen die Kriterien, wie die F\u00f6rdermittel verteilt werden, und ob das Geld auch dort ankommt, wo es ankommen muss, regelm\u00e4\u00dfig im Austausch hinterfragen. Wir haben die verschiedenen Vorschl\u00e4ge der Beteiligten in den verschiedenen Verb\u00e4nden aufgenommen. Da gibt es eine Reihe von Ideen f\u00fcr die n\u00e4chsten Wochen und Monate, die wir gemeinsam mit dem Filmfonds und dem Finanzministerium ausarbeiten. <\/p>\n<p>            &#13;<br \/>\n              Kultur ist eine Softpower, um neben der Diplomatie unsere Anliegen zu kommunizieren &#13;<\/p>\n<p class=\"Zitat-Autor1\">Eric Thill <\/p>\n<p class=\"Zitat-Funktion1\">Kulturminister <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Wir trafen uns zuletzt in Cannes; ein paar Tage sp\u00e4ter wurde die von Luxemburg co-finanzierte iranische Produktion \u201eIt Was Just an Accident\u201c dort ausgezeichnet. K\u00fcrzlich haben Sie sich zu Wort gemeldet, als einer der Drehbuchautoren im Iran verhaftet wurde. Wann muss man Ihrer Meinung nach Flagge zeigen? <\/p>\n<p>Wir tragen in Europa eine Verantwortung, f\u00fcr unsere Werte einzustehen. Wenn ein Film, an dem wir beteiligt sind, angegriffen wird, ist es das Mindeste, dass wir Flagge zeigen und uns solidarisch hinter die Kulturschaffenden stellen. Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit sind ein wertvolles Gut. Kultur ist eine Softpower, um neben der Diplomatie unsere Anliegen zu kommunizieren. Wenn die Meinung von Kulturschaffenden nicht mehr z\u00e4hlt, muss man das ganz klar ansprechen. Dazu stehe ich. <\/p>\n<p>              &#13;<br \/>\n                <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Gruppenfoto-der-Luxemburger-Vertretung-in-Berlin-die-36765.jpg\" title=\"Im Gespr\u00e4ch: Kulturminister Eric Thill \u00fcber Kultur als Softpower und den Einsatz f\u00fcr europ\u00e4ische Werte \" alt=\"Gruppenfoto der Luxemburger Vertretung in Berlin mit Ministern Frieden und Thill in formeller Kleidung vor Geb\u00e4ude\" class=\"img-responsive\" style=\"object-position:44.10460430734492121% 26.315789473684208843%;\"\/>&#13;<br \/>\n                &#13;<\/p>\n<p class=\"image-caption\">Gruppenfoto der Luxemburger Vertretung in Berlin, die Minister Frieden und Thill mitinbegriffen Foto: ME<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n                &#13;<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Noch eine pers\u00f6nliche Frage: Haben Sie eigentlich einen Lieblingsfilm \u2013 au\u00dfer den Filmen, die jetzt gerade mit luxemburgischer Beteiligung in Berlin laufen? <\/p>\n<p>Wahrscheinlich sollte ich jetzt einen luxemburgischen Film nennen, aber ich m\u00f6chte einen anderen Film erw\u00e4hnen, den ich schon zweimal im Kino gesehen habe und noch ein drittes Mal privat zu Hause: Das ist \u201eThe Zone of Interest\u201c von Jonathan Glazer. Ich habe ihn einmal mit meinem Gro\u00dfvater geschaut, dann mit meinem Vater und dann noch einmal mit meiner Freundin. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Was gef\u00e4llt Ihnen daran? <\/p>\n<p>Es ist ein Film, der mich auch pers\u00f6nlich trifft. Mein Gro\u00dfvater wurde im Zweiten Weltkrieg zwangsweise eingezogen und musste f\u00fcr die Deutschen k\u00e4mpfen. Dieser Film zeigt in aller Deutlichkeit, mit einer einfachen, subtilen, aber absoluten Brutalit\u00e4t, was vor \u00fcber 80 Jahren geschehen ist und was heute wieder in verschiedenen Teilen der Welt, leider auch in Europa, zur Realit\u00e4t wird. Dieser Film hat damit auch die F\u00e4higkeit des Kinos sehr deutlich gemacht: Es ist wichtig, dass man die Vergangenheit nicht vergisst und bestenfalls aus ihr lernt. Das ist leider heute nicht immer der Fall. <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Stellen Sie sich den Worst Case vor: dass in vier oder f\u00fcnf Jahren ein Luxemburger Empfang stattfindet und zugleich in Deutschland die AfD, also die extreme Rechte, regiert. Was macht man dann, oder ist das f\u00fcr Sie nach wie vor unvorstellbar? <\/p>\n<p>Es ist sehr schwierig, mir das vorzustellen, aber man muss der Realit\u00e4t ins Auge schauen. Es geht hier nicht nur um Tendenzen in den Nachbarl\u00e4ndern, wenn rechte Ideen zum Alltag geh\u00f6ren und leider aus einer gewissen Frustration heraus sehr viele Menschen inzwischen positiv darauf reagieren und die Vergangenheit vergessen haben. Auch wir Politiker m\u00fcssen uns fragen, ob wir da unserer Verantwortung immer gerecht geworden sind. Das betrifft auch Luxemburg, und daran arbeiten wir in dieser Regierung jeden Tag: Dass wir den Kontakt mit den B\u00fcrgern pflegen, dass wir im Dialog bleiben und ihre Sorgen ernst nehmen. Diese Entwicklung hin zum Extremismus halte ich f\u00fcr sehr besorgniserregend. Ich werde mich mit aller Kraft daf\u00fcr einsetzen, dass solche Tendenzen nicht zum Alltag werden und nicht als normal hingenommen werden. <\/p>\n<p>  &#13;<\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/Luxemburg\/Im-Interview-Premierminister-Luc-Frieden-lobt-Madonna-und-glaubt-an-die-Kraft-des-Kinos-25156.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#13;<br \/>\n              <img decoding=\"async\" class=\"img-responsive wcms-image-layout wcms-img-fitting-cover wcms-img-aspect-ratio-16-9 wcms-img-object-position-centered\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Premierminister-Luc-Frieden-r-und-seine-Ehefrau-Marjolijne-36766m.jpg\" loading=\"lazy\" title=\"Im Interview: Premierminister Luc Frieden lobt Madonna und glaubt an die Kraft des Kinos\" alt=\"Premierminister Luc Frieden und Ehefrau Marjolijne bei der Berlinale 2026 Premiere des Films \u201eRosebush Pruning\u201c\" style=\"object-position:65.577299782048697807% 47.202797202797199816%;\"\/>&#13;<br \/>\n            <\/a>&#13;<\/p>\n<p>        &#13;<br \/>\n          76. Internationale Filmfestspiele Berlin&#13;<br \/>\n          &#13;<\/p>\n<p>    &#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Tageblatt: Der Premierminister Luc Frieden sprach soeben vom \u201eEuropean Way\u201c. 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