{"id":9593,"date":"2026-06-12T08:44:13","date_gmt":"2026-06-12T08:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/9593\/"},"modified":"2026-06-12T08:44:13","modified_gmt":"2026-06-12T08:44:13","slug":"tageblatt-lu-editorial-von-amoeben-im-atomkraftwerk-gegen-cattenom-hilft-nur-ein-langer-atem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/9593\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Editorial | Von Am\u00f6ben im Atomkraftwerk: Gegen Cattenom hilft nur ein langer Atem"},"content":{"rendered":"<p>Es geh\u00f6rt zu den Pointen der Luxemburger Geschichte, dass dieses Land die Abwesenheit eines Atomreaktors nicht der Weitsicht seiner Politik verdankt, sondern dem Eigensinn seiner B\u00fcrger. In den 1970er-Jahren sollte in Remerschen ein Atomkraftwerk entstehen. Energieminister Marcel Mart (DP) pries es als das gr\u00f6\u00dfte Vorhaben seit dem Aufbau der Stahlindustrie. Gebaut wurde es nie und ihm blieb deshalb das Schicksal der Arbed erspart, sonst st\u00fcnde Belval heute vielleicht an der Mosel. <\/p>\n<p>Verhindert hat dieses Szenario eine Bewegung. Eine ihrer Schl\u00fcsselfiguren war Elisabeth Kox-Risch, deren 100. Geburtstag dieser Tage in Roeser begangen wurde. Sie gr\u00fcndete eine B\u00fcrgerinitiative, brach mit der CSV und organisierte den Protest. 1977 entzog ein Energiekongress der LSAP Mart die Unterst\u00fctzung. Was als Spinnerei einiger Winzer begann, beendete das Prestigeprojekt eines Ministers. Die Lehre daraus ist unbequem f\u00fcr alle, die in der Klimakrise Ver\u00e4nderung von oben erwarten. Umweltschutz funktioniert von unten. Aber er braucht Geduld und harte Arbeit. <\/p>\n<p>Diese Lehre sollte man sich heute in Erinnerung rufen. Die Gefahr ist nicht verschwunden, sie liegt ein paar Kilometer flussaufw\u00e4rts. In Cattenom darf EDF k\u00fcnftig noch mehr Natrium, Chloride und Nitrate in die Mosel leiten. Der Grund ist von einer Ironie, die man sich nicht ausdenken k\u00f6nnte: Im K\u00fchlsystem breitet sich die Am\u00f6be Naegleria fowleri aus, im Volksmund die \u201ehirnfressende Killeram\u00f6be\u201c. Gegen sie hilft mehr Chemie. Bei den Verantwortlichen der EDF, die Luxemburgs k\u00fcnftiges Trinkwasser f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung eines Auslaufmodells opfern, scheint der Einzeller bereits ganze Arbeit geleistet zu haben. <\/p>\n<p>Denn um Energiepolitik geht es hier kaum noch. Die franz\u00f6sische Atomaufsicht hat dem Antrag zugestimmt, in dem die Nachbarl\u00e4nder mit keinem Wort vorkommen. Das Luxemburger Wasserwirtschaftsamt darf hinterher die Vers\u00e4umnisse einsammeln, h\u00f6flich, in Form von \u201eBedenken\u201c. W\u00e4hrenddessen verl\u00e4ngert der Klimawandel die D\u00fcrreperioden, macht Wasser in Mitteleuropa zur knappen Ressource, und ausgerechnet die Quelle, aus der das Land bald trinken will, wird weiter vergiftet, damit ein Reaktor jenseits seines Zenits ein paar weitere Jahre rentabel bleibt. Also, wenn man denn die Milliarden ignoriert, mit denen der franz\u00f6sische Staat seine Atommeiler seit Jahren subventioniert. <\/p>\n<p>Cattenom ist f\u00fcr Luxemburg eine potenziell existenzielle Bedrohung, und genau deshalb eine Chance. Kaum ein Thema eignet sich besser f\u00fcr einen Schulterschluss der Zivilgesellschaften aus Frankreich, Deutschland und Luxemburg, kaum eines ist so mehrheitsf\u00e4hig. Das war es schon zu Kox-Rischs Zeiten. <\/p>\n<p>Wer gegen einen Konzern wie EDF antritt, braucht freilich genau das, was sie hatte: einen langen Atem. Erfolge stellen sich nicht \u00fcber Nacht ein, sondern \u00fcber Jahre, mitunter \u00fcber Jahrzehnte. Doch ein Sieg an der Mosel w\u00fcrde weit \u00fcber sie hinaus strahlen. Er w\u00e4re der Beweis, dass sich etwas bewegen l\u00e4sst, wenn genug Menschen sich weigern, still zu bleiben. Kox-Risch hat es vorgemacht. Es w\u00e4re an der Zeit, ihr zu folgen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es geh\u00f6rt zu den Pointen der Luxemburger Geschichte, dass dieses Land die Abwesenheit eines Atomreaktors nicht der Weitsicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9594,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[2144,2143,5],"class_list":["post-9593","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-luxemburg","tag-atomkraftwerke","tag-cattenom","tag-luxemburg"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@lu_de\/116736259946150397","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9593\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}