{"id":9644,"date":"2026-06-13T07:35:05","date_gmt":"2026-06-13T07:35:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/9644\/"},"modified":"2026-06-13T07:35:05","modified_gmt":"2026-06-13T07:35:05","slug":"tageblatt-lu-editorial-was-luxemburg-von-der-schweizer-wachstumsdebatte-lernen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/9644\/","title":{"rendered":"Tageblatt.lu | Editorial | Was Luxemburg von der Schweizer Wachstumsdebatte lernen kann"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz steht vor einer richtungsweisenden Abstimmung. Die Initiative \u201eKeine Zehn-Millionen-Schweiz\u201c fordert, dass die st\u00e4ndige Wohnbev\u00f6lkerung des Landes vor 2050 nicht auf mehr als zehn Millionen Menschen anwachsen soll. Im ersten Quartal 2026 lebten rund 9,14 Millionen Menschen in der Schweiz. Wird die Initiative angenommen, m\u00fcssen der Bundesrat, also die Schweizer Regierung, und das Parlament beim \u00dcberschreiten von 9,5 Millionen Einwohnern erste Ma\u00dfnahmen ergreifen, vor allem in der Asylpolitik und beim Familiennachzug. Sollte die Schwelle von zehn Millionen Einwohnern erreicht werden und trotz dieser Ma\u00dfnahmen auch nach zwei Jahren nicht wieder unterschritten sein, w\u00e4re die Schweiz dazu gezwungen, das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der EU aufzuk\u00fcndigen. <\/p>\n<p>Wenig \u00fcberraschend stammt die Volksinitiative von der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei (SVP), der st\u00e4rksten Partei des Landes. Die von der SVP vorgebrachten Argumente unterscheiden sich kaum von jenen, die wir in Luxemburg von der rechtspopulistischen ADR kennen. Die starke Zuwanderung f\u00fchre zu Verkehrschaos, lasse die Mieten weiter steigen und belaste die Umwelt. Die SVP hat ihre Initiative sogar \u201eNachhaltigkeitsinitiative\u201c genannt, in der Hoffnung, damit auch Stimmen aus dem linken und gr\u00fcnen Lager zu gewinnen. Gegen die Initiative steht allerdings eine breite Front aus nahezu allen anderen Parteien und zahlreichen Wirtschaftsverb\u00e4nden. Auch die Gegenargumente sind seit langem bekannt. Eine Begrenzung der Zuwanderung w\u00fcrde den Fachkr\u00e4ftemangel versch\u00e4rfen. Zudem w\u00fcrden die gesamte bilaterale Beziehung zur EU, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, ebenso wie Wohlstand, Wirtschaftswachstum und die Finanzierung der Renten aufs Spiel gesetzt. <\/p>\n<p>  &#13;<\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            <a href=\"https:\/\/www.tageblatt.lu\/International\/Volksabstimmung-ueber-Bevoelkerungs-Obergrenze-spaltet-die-Schweiz-65457.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#13;<br \/>\n              <img decoding=\"async\" class=\"img-responsive wcms-image-layout wcms-img-fitting-cover wcms-img-aspect-ratio-16-9 wcms-img-object-position-centered\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/lu-de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Die-Schweizer-Gesundheitsbranche-die-stark-auf-97166m.jpg\" loading=\"lazy\" title=\"Volksabstimmung \u00fcber Bev\u00f6lkerungs-Obergrenze spaltet die Schweiz\" alt=\"Schweizer Gesundheitsbranche mit ausl\u00e4ndischen Fachkr\u00e4ften besorgt \u00fcber Einwanderungsdrosselung durch Volksbegehren\" style=\"object-position:68.42833629324709932% 45.54116729613463832%;\"\/>&#13;<br \/>\n            <\/a>&#13;<\/p>\n<p>    &#13;<\/p>\n<p>Es sind also im Wesentlichen dieselben Argumente, die auch in Luxemburg im Rahmen einer Wachstumsdebatte angef\u00fchrt w\u00fcrden. Das zeigt einmal mehr, dass die Wachstumsfrage vielen gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit zugrunde liegt. G\u00e4be es hier einen Konsens, w\u00e4re es f\u00fcr Politik und Sozialpartner wohl auch einfacher, \u00fcber Logement, Renten, Fachkr\u00e4ftemangel, Mobilit\u00e4t oder Umweltschutz zu diskutieren. <\/p>\n<p>Da wir im Gegensatz zur Schweiz keine direkte Demokratie sind, sei zun\u00e4chst dahingestellt, ob es bei uns gleich ein Referendum sein m\u00fcsste. Es w\u00fcrde bereits ausreichen, wenn sich die Parteien im n\u00e4chsten Wahlkampf klar zur Wachstumsfrage positionieren w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Denn wenn uns die Schweizer Volksinitiative schon vor der Abstimmung etwas gelehrt hat, dann, dass man dieses Thema nicht den Rechtspopulisten \u00fcberlassen sollte. Nachdem erste Umfragen ein knappes Ja zur Initiative vorausgesagt hatten, scheint sich der Wind inzwischen etwas gedreht zu haben. J\u00fcngsten Umfragen zufolge stimmen 52 Prozent der Bev\u00f6lkerung gegen die Initiative. Entscheidend wird wohl sein, welches Lager am Ende mehr W\u00e4hler mobilisieren kann. Die Schweiz steht jedenfalls vor einem richtungsweisenden Volksentscheid. In Luxemburg hingegen wird weiterhin haupts\u00e4chlich \u00fcber die Folgen des Wachstums debattiert, \u00fcber Mobilit\u00e4tsprobleme, Logement, Fachkr\u00e4ftemangel, aber kaum \u00fcber das Bev\u00f6lkerungswachstum an sich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Schweiz steht vor einer richtungsweisenden Abstimmung. 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