älterer Mann Wearable

Entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Psoriasisarthritis und axiale Spondyloarthritis gehen häufig mit Schmerzen, Steifigkeit und funktionellen Einschränkungen einher.

Trotz therapeutischer Fortschritte bleiben Schuberkennung, Verlaufsbeurteilung und frühe Einschätzung des Therapieansprechens anspruchsvoll. Eine narrative Literaturübersicht fasst zusammen, welche Rolle Wearables in der Versorgung von Patienten mit entzündlicher Arthritis spielen könnten.

Aktivität und Schlaf als messbare Alltagsparameter

Die Autoren beschreiben eine vermutlich wechselseitige Beziehung zwischen entzündlicher Arthritis, körperlicher Aktivität und Schlaf. Entzündliche Arthritis kann die körperliche Aktivität reduzieren. Umgekehrt wird leichte körperliche Aktivität mit einer geringeren Symptomlast in Verbindung gebracht und kann Beschwerden wie Morgensteifigkeit günstig beeinflussen.

Schlafqualität als weiterer Verlaufsparameter

Schlafprobleme tragen ebenfalls zur Krankheitslast bei. Patienten mit rheumatoider Arthritis berichten häufig über Insomnie, Fatigue und eine schlechte Schlafqualität. Bei Psoriasisarthritis wurde in einer Metaanalyse bei bis zu 73 % der Patienten eine schlechte Schlafqualität beschrieben.

Bisher werden Aktivität und Schlaf häufig über Fragebögen oder Selbstauskünfte erfasst. Diese Angaben können jedoch durch Erinnerungslücken, subjektive Wahrnehmung oder unterschiedliche Bewertung von Beschwerden verzerrt sein. Wearables könnten hier eine Ergänzung darstellen, indem sie Bewegungsdaten, sitzendes Verhalten und Schlafmuster kontinuierlich erfassen.

Objektive Messdaten statt Selbstauskünfte

Die Übersichtsarbeit umfasst 84 Publikationen zur Akzelerometrie bei entzündlicher Arthritis aus den Jahren 1990 bis Juni 2025. Mehrere Studien zeigen, dass Akzelerometer (Beschleunigungssensoren) körperliche Aktivität zuverlässiger erfassen können als Selbstauskünfte.

In einer Studie mit 172 Patienten mit rheumatoider Arthritis gaben 53 % der Teilnehmer an, mehr als 8 Stunden pro Tag sitzend zu verbringen. Die akzelerometrischen Daten zeigten dies jedoch bei 91 %. Auch bei Kindern mit juveniler idiopathischer Arthritis überschätzten Aktivitätstagebücher die körperliche Aktivität im Vergleich zu Akzelerometern.

Solche Unterschiede sind klinisch relevant, da Veränderungen im Alltag bei rein subjektiver Erfassung möglicherweise übersehen werden. Wearables könnten deshalb helfen, Krankheitslast und Funktionsniveau präziser einzuschätzen.

Korrelation zwischen Aktivitätsniveau und Krankheitsaktivität

Die verfügbaren Daten deuten auf einen Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Krankheitsaktivität hin. In mehreren Studien wiesen Patienten mit rheumatoider Arthritis, die mehr Zeit mit moderater bis intensiver körperlicher Aktivität verbrachten, eine niedrigere Krankheitsaktivität auf. Ähnliche Assoziationen wurden bei Psoriasisarthritis und juveniler idiopathischer Arthritis beobachtet.

Die Befunde sind jedoch nicht einheitlich. Einzelne Studien fanden keinen signifikanten Zusammenhang zwischen akzelerometrisch gemessener Aktivität und Krankheitsaktivität. Durch Wearables erhobene Daten sollten daher nur ergänzend zu klinischer Untersuchung, Laborparametern und patientenberichteten Endpunkten interpretiert werden. Bei axialer Spondyloarthritis zeigten sich außerdem Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität, Wirbelsäulenbeweglichkeit, Funktion und Lebensqualität.

Potenzial für Schuberkennung und Therapieansprechen

Ein wichtiger Einsatzbereich ist die Verlaufskontrolle nach Therapiebeginn. In der Praxis wird das Ansprechen auf eine neue Therapie oft erst nach mehreren Monaten beurteilt. Wearables könnten subtile Veränderungen früher erfassen.

In einer Studie mit therapienaiven Patienten mit rheumatoider Arthritis nahm nach 3 Monaten krankheitsmodifizierender Therapie die sitzende Zeit ab, während moderate bis intensive Aktivität zunahm. In einer weiteren Studie wurden kontinuierliche Aktivitätsdaten und maschinelles Lernen genutzt, um patientenberichtete Schübe bei rheumatoider Arthritis und axialer Spondyloarthritis zu modellieren. Das Modell erreichte eine mittlere Sensitivität von 96 % und eine mittlere Spezifität von 97 %.

Auch als Instrument für das Selbstmanagement könnten Wearables relevant sein. Schrittzähler und Aktivitätstracker wurden in Studien mit mehr körperlicher Aktivität und weniger Fatigue in Verbindung gebracht, insbesondere in Kombination mit Bewegungsberatung.

Wearables bleiben ergänzende Informationsquelle

Die Erfassung von Schlafdaten bleibt methodisch anspruchsvoll. Viele Geräte überschätzen die Schlafdauer oder erfassen Schlafstadien nicht genau genug. Weitere Hindernisse sind fehlende Standardisierung, algorithmische Intransparenz, unvollständige Daten durch falsches Tragen, Kosten und Zugangsbarrieren. Zudem liegt der Fokus der Evidenz stark auf rheumatoider Arthritis, für andere Formen der entzündlichen Arthritis liegen weniger Daten vor.

Damit sind Wearables derzeit vor allem als ergänzende Informationsquelle zu verstehen, nicht als eigenständige Entscheidungsgrundlage. Für den breiten klinischen Einsatz braucht es standardisierte Auswertungen, validierte Algorithmen und klare Konzepte zur Integration in die Versorgung.