Die politische Gesprächsreihe „Malchower Format“ endet in wenigen Tagen mit dem letzten Redner. Angesagt hat sich für die 70. Folge Neuroimmonologe Prof. Dr. Dr. Christian Schubert. Der Nordkurier hat vorab ein Interview mit der 65-Jährigen, gebürtig in Niedersachsen, geführt.

Sie sind Psycho-Neuro-Immunologe, leiten seit 20 Jahren ein Labor in Innsbruck. Könnten Sie das Fachgebiet kurz schildern?

Es geht bei der Psychoneuroimmunologie, kurz PNI, um einen modernen Forschungsbereich der Medizin, bei dem die Wechselwirkungen zwischen psychosozialen, also Beziehungsfaktoren, und Faktoren des Nerven-, Hormon- und Immunsystems untersucht werden. Wenn ich von Wechselwirkungen spreche, dann sehen wir in der PNI, dass psychische Faktoren wie Stress, Angst, aber auch positive Faktoren wie Hoffnung und Sinn das Immunsystem beeinflussen. Umgekehrt, dass das Immunsystem, wenn es durch bestimmte Reize aktiviert wurde, z. B. durch Infektionen, rückwirkend unser Erleben und Verhalten verändert.

Während der Corona-Zeit haben Sie markante Positionen vertreten. Könnten Sie das bitte erläutern?

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Diese markanten Positionen hängen exakt mit den Erkenntnissen der PNI zusammen, letztlich habe ich aus meiner Position als Forscher heraus argumentiert. Denn stresst man die Bevölkerung durch immer neue Hiobsbotschaften zur tödlichen Gefahr eines Killervirus, sinkt langfristig genau die Immunaktivität, die der Mensch benötigt, um gut durch eine Pandemie zu kommen. Geben wir dem Menschen aber Hoffnung, steigt auch der Immunschutz. Darüber hinaus habe ich gesagt, dass es wichtig ist, beim Gefühl, dass eine Krankheit aufzieht, nicht gleich Medikamente einzunehmen, die dieses Gefühl wieder verschwinden lassen. Ich denke da als Beispiel an Aspirin. Denn Aspirin mag uns zwar wieder gesund fühlen lassen, die Infektion beseitigt es nicht. So werden wir zu Virusschleudern, ohne es zu wissen.

Und – liegen darin die Ursachen für das fast einheitliche Handeln weltweit während der Corona-Zeit?

Ich denke da an Angst, Gehorsamsbereitschaft und Unwissenheit. Alles Faktoren, die von Regierungen, Medien und Medizin – ich nannte es damals das Trio Infernale – in unterschiedlichem Ausmaß bedient wurden – wohl auch um die eigenen Pfründe zu sichern.

Welche Rolle/ Bedeutung hat die Angst? Wie wirkt sich das auf das Immunsystem aus?

Erlebt ein Mensch akut Angst, dann hat das zunächst eine positive Wirkung auf den Immunschutz. Die Natur verhält sich hierbei sinnvoll. Denn mit der Angst kann durchaus ein Ereignis einhergehen, das den Organismus schädigt, eine Verletzung oder Infektion. Hierfür benötigt der Mensch schnell ausreichend zelluläre Immunaktivität. Es steigen die Zahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen und Lymphozyten. Diese Zellarten benötigen wir, wenn wir gegen Viren vorgehen. Wird die Angst aber chronisch, dann sinken diese Immunaktivitäten, also es sinkt exakt jener Immunschutz, den wir in der Pandemie eigentlich am dringendsten brauchen.

Und wie können wir der Angst begegnen?

Angst ist ein Symptom, das wir als Warnsignal unserer Existenz begreifen sollten. Sie einfach zu beseitigen, ist meines Erachtens falsch, weil sie wiederkommen wird, wenn die tiefere Ursache nicht beseitigt oder aufgearbeitet wurde. Ich würde die derzeit vielerorts grassierende Angst und Verunsicherung, und damit verbunden auch der Wut und Aggression, auf frühe Erlebnisse des Alleingelassenwerdens, der Bindungsunsicherheit und der oftmals stattfindenden Gewalt, subtil und/oder deutlich sichtbar, zurückführen. Wir benötigen als Menschen also von Beginn unseres Lebens an mehr an Gefühl des Geliebtwerdens, der eigenen Bedeutung und des Selbstwerts. Damit untrennbar verbunden sind Mut, Zuversicht und Hoffnung. Die derzeit vorherrschenden Bedingungen in Familien, wo Kinder schon sehr früh in Aufbewahrungsstätten gegeben werden, damit der Lebensstandard und das materielle Wachstum gesichert werden können, sind Ausdruck von Lieblosigkeit und Respektlosigkeit dem Leben gegenüber. So etwas macht Angst.

Sie sind eingeladen in eine Kirche. Welche Bedeutung hat der Glaube, hat das Vertrauen auf eine höhere Kraft?

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Eine riesige. Hier bündeln sich quasi viele der entscheidenden psychologischen Positivfaktoren, von denen wir wissen, wie wichtig sie für ein funktionierendes Immunsystem sind: Hoffnung, soziale Integration, Kontrollerleben, Entlastung, Eigenverantwortung, alles Faktoren, die uns langfristig gesund halten und uns gesund altern lassen.

In welchem Verhältnis stehen bei Ihnen soziales Umfeld und Medikamente?

Das kommt für mich auf die Art der Erkrankung an. Bin ich akut an einer bakteriellen Infektion erkrankt, die mich vital bedroht, sind Antibiotika ein Segen. Bei chronischen Erkrankungen, die zumeist mit Lebensstil, Persönlichkeit und eigener Biografie zu tun haben, sehe ich die Veränderung psychosozialer Faktoren als entscheidend in der Behandlung an. Genau hier würde auch die Prävention dieser Erkrankungen ansetzen.

Beim Titel Ihres Vortrages – Mensch oder Maschine – denkt man natürlich sofort an die KI. Welche Rolle billigen Sie ihr zu?

Eine große. Wir stehen gerade an der Schwelle einer technischen Revolution, deren Wirkung auf die Entwicklung des Menschen und damit ganzer Gesellschaften noch gar nicht abgeschätzt werden kann. Das macht KI für mich so faszinierend, aber auch gefährlich. Wären wir als Menschheit in unseren psychosozialen, moralisch-ethischen und kulturellen Bereichen so schnell gewachsen wie die technischen Errungenschaften, würde ich mir weniger Sorgen machen. Leider ist das nicht der Fall. Die Aufklärung vor mehr als 300 Jahren hat für das Gegenteil gesorgt, die Menschheit ist in nicht stofflichen, irrationalen und spirituellen Bereichen ihrer Existenz verarmt.

Der von Ihnen geforderte Paradigmenwechsel – welche Bedeutung hat er für unser Zusammenleben, für die Gesellschaft, überhaupt für die Konflikte in dieser Welt?

Hier könnte ich ähnlich wie zuvor antworten. Auch das ist nicht abschätzbar. Es ist ein Prozess, der mit sprunghaften Veränderungen verläuft und damit für immer wieder stattfindende Anpassungen sorgen wird. Ich spreche hier gerne von einer neuen Aufklärung, die das Geistige, Spirituelle, Soziale und Kulturelle wieder in den Mittelpunkt des Menschheitsinteresses rückt. Wenn es gut läuft, wird sie für ein kompromissbereiteres, gerechteres, ausgeglicheneres und liebevolleres Zusammenleben der Menschen sorgen und damit mit weniger Kriegen einhergehen.