336’000 machen Druck: Collien Fernandes steht im Zentrum einer Frauenrechts-Kampagne – und auch Schweizer Komikerin Hazel Brugger unterschreibt.

collien fernandesCollien Fernandes bei der Übergabe der Petition am Mittwoch in Berlin. – keystone

Das Wichtigste in Kürze

336’000 Unterschriften fordern härtere Gesetze gegen Gewalt an Frauen in Deutschland.

Collien Fernandes unterstützt die Petition gegen digitale Gewalt und Deepfakes.

Gefordert werden Reformen bei Strafrecht, Zustimmung und Schutz vor Übergriffen.

Ein Paukenschlag im deutschen Bundestag: Am Mittwoch wurde eine Petition mit mehr als 336’000 Unterschriften übergeben – mit einer klaren Botschaft an die Politik.

Frauen sollen besser vor Gewalt geschützt werden. Besonders im Fokus steht digitale Gewalt.

Bei der Übergabe dabei: Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes (44).

Besonders brisant: Der Forderungskatalog trägt ihren Namen. Doch Fernandes selbst hat die Petition weder gestartet noch die Aktion organisiert, wie die Nachrichtenagentur «spot on news» berichtet.

initiatorinnenNeben Collien Fernandes (zweite von rechts): die Initiatorinnen der Petition, Ricarda Lang, Düzen Tekkal und Kristina Lunz. – keystone

Der Titel des Papiers: «In Solidarität mit Collien Fernandes – 10 Forderungen an die Bundesregierung».

Die zentrale Forderung: Die Erstellung und Verbreitung sexualisierter Deepfakes von Frauen soll strafbar werden. Zudem sollen Online-Plattformen stärker in die Verantwortung genommen werden.

Auch weitere Änderungen im Strafrecht werden gefordert: Der Grundsatz «Ja heisst Ja» – also die ausdrückliche Zustimmung zu jeder sexuellen Handlung – soll verankert werden.

Heimliche Nacktaufnahmen etwa in Saunen oder Duschen sollen künftig strafbar sein. Zudem fordert die Petition, Femizide als eigenen Straftatbestand aufzunehmen.

Auch Hazel Brugger hat unterschrieben

Hinter der Aktion stehen Feministin Kristina Lunz (36), Grünen-Politikerin Ricarda Lang (32) und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal (47).

Rund 250 prominente Frauen aus Politik, Kultur und Gesellschaft unterstützen die Forderungen – darunter auch die Schweizer Komikerin Hazel Brugger.

collien fernandesCollien Fernandes erstattete Anzeige gegen Ex-Mann Christian Ulmen. Die Schauspielerin schreibt, sie sei von ihm über Jahre «virtuell vergewaltigt» worden. – getty images

Fernandes zeigte sich bei der Übergabe kämpferisch: «Wir müssen einfach so lange laut und wütend bleiben, bis sich etwas verändert hat», sagte sie.

Jede der zehn Forderungen sei bereits in mindestens einem anderen Land umgesetzt worden. «Da frage ich mich doch: warum nicht in Deutschland?»

hazelAuch Schweizer Komikerin Hazel Brugger zählt zu den prominenten Unterstützerinnen der Petition. – keystone

Auch Lang erhöht den Druck auf die Bundesregierung. Sie erwartet von CDU/CSU und SPD eine schnellere Umsetzung: «Wir werden nicht zuschauen, wie ihr es aussetzt. Wir werden weiterhin Druck machen», sagte sie besonders mit Blick auf die Unionsfraktion.

Fernandes hatte im März im «Spiegel» schwere Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen (50) erhoben. Es geht um mutmassliche digitale Gewalt. Dabei sollen unter anderem Inhalte in ihrem Namen verbreitet worden sein.

Sollte auch in der Schweiz härter gegen digitale Gewalt an Frauen vorgegangen werden?

1Ja, solche Angriffe müssen viel strenger bestraft werden.

2Ja, aber die bestehenden Gesetze reichen aus.

3Nein, andere Massnahmen wären wichtiger.

Ulmen weist die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt sprach von «unwahren Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung». Nach der Anzeige wurden Vorermittlungen eingeleitet.

Wie das Verfahren weitergeht, ist offen. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.