Was unterscheidet eine geschriebene Verfassung von einer mündlichen Übereinkunft? Über diese Frage dachten die Gründerväter der USA immer wieder nach. James Madison warnte 1788, Verfassungen wie die der Vereinigten Staaten seien für diejenigen, die über sie hinweggehen wollten, lediglich Barrieren, die »auf Papier errichtet« seien.
Das Niederschreiben einer Verfassung sorgt für Stabilität, für eine Form der Dauerhaftigkeit, die dem Vererben ähnelt, aber auch ein Problem schafft: Wie kann eine Verfassung geändert werden, außer durch ihre Zerstörung? Thomas Jefferson kam, wie er 1816 in einem Brief erläuterte, zu dem Schluss, dass Verfassungen nur von Dauer sein können, wenn sie regelmäßig überarbeitet werden: »Gesetze und Institutionen müssen Hand in Hand mit dem Fortschritt des menschlichen Verstands gehen«, und Verfassungen bedürften der Änderung, da »neue Entdeckungen gemacht, neue Wahrheiten enthüllt werden und Verhaltensweisen und Meinungen sich mit dem Wandel der Lebensumstände ändern«.