Gastronomie
Stand: 21.06.2026 11:00 Uhr
Die Weinkulturbar in Dresden-Striesen wurde vor Kurzem für ihre umfangreiche Weinkarte geehrt. Hinter dem Erfolg steckt weit mehr als eine große Auswahl an Flaschen. Es geht um Leidenschaft, persönliche Begegnungen und die Suche nach besonderen Tropfen.
„Hier geht es nicht um den schnellen Rausch“, sagt Patrick Nitsche. Der Inhaber der Weinkulturbar in Dresden schneidet mit dem Kellnermesser die Pappkartons der neusten Errungenschaften auf und holt eine Flasche hervor. „‚Pur Granit‘, damit wir etwas Schlankes, Dynamisches, Frisches, Kristallines haben. Für die Terrasse im Sommer.“ Was wie etwas aus dem Baumarkt klingt, ist in Wirklichkeit ein Sekt aus dem Perlgut in Meißen.

Hendrik Weber (l.) und Patrick Nitsche (r.) im Weinkeller des Perlguts in Meißen. Hier kommen einige der Sekte der Weinkulturbar her.
Tausende Flaschen im Sortiment
Man merkt dem Sommelier die Begeisterung für die Weine an, die er hier ausschenkt. Rund 150 Weine gebe es glasweise, etwa 2.000 Flaschen lagern insgesamt im Sortiment, sagt er. Für diese außergewöhnliche Auswahl ist die Bar jetzt mit einem Gold Star der internationalen Plattform „Star Wine List“ ausgezeichnet worden. Prämiert wurde die Weinkarte in der Kategorie „Best Long List“. Also ein Preis für den Umfang und die Qualität gleichermaßen.
Die Star Wine List ist ein internationaler Führer für Weinbars und Restaurants mit besonderen Weinkarten. Die Plattform wurde nach eigenen Angaben 2017 in Schweden gegründet und bewertet Weinangebote weltweit. Jährlich vergibt sie die „Star Wine List Awards“, bei denen Fachjurys aus Sommeliers und Weinexperten die besten Weinkarten in verschiedenen Kategorien auszeichnen.
Vergleichbare Auszeichnungen gibt es unter anderem vom französischen Restaurantführer Michelin oder vom Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) , der regelmäßig besonders engagierte Gastronomie- und Weinkonzepte auszeichnet.

Von der Plattform „Star Wine List“ gabe es den Preis für die beste „Long List“ für die Weinkulturbar.
„Die Jury hat unsere Karte als ein archäologisches Meisterwerk bezeichnet“, erzählt Nitsche. Ausschlaggebend seien vor allem die große Vielfalt und die außergewöhnliche Jahrgangstiefe gewesen. Von manchen Weinen könne die Bar zehn oder sogar zwanzig Jahrgänge anbieten.
Anerkennung für den Aufwand
Für Nitsche ist die Auszeichnung auch eine Anerkennung vieler Jahre Arbeit. Erst vor zweieinhalb Jahren übernahm er die Weinkulturbar. „Ich stecke hier schon sehr viel Herzblut rein“, sagt er.
Alle haben angefangen zu jubeln.
Patrick Nitsche
Langen Arbeitstage, Besuche bei Weingütern und Fachmessen sowie die ständige Suche nach neuen Weinen blieben oft unsichtbar. Umso größer sei die Freude über die Ehrung gewesen. „Auf einmal haben alle bei der Preisverleihung angefangen zu jubeln. Viele Umarmungen. Es war ein schöner Moment.“

Patrick Nitsche in seiner Bar. Für den Sommelier sei die Weinkulturbar ein Herzensprojekt, wie er sagt.
Wie kommt der Wein in die Bar?
Doch wie entsteht eigentlich eine preisgekrönte Weinkarte? Für Nitsche beginnt die Suche meist auf Weinmessen, bei Verkostungen oder durch Empfehlungen von Gästen. „Das ist kein Katalogbestellen“, betont er. Qualität allein reiche nicht aus. „Der Mensch dahinter muss stimmen.“ Wein sei immer auch Vertrauenssache.
Das ist kein Bestellen aus dem Katalog.
Patrick Nitsche
Sekt aus Meißen
Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Meißner Sektproduzenten Hendrik Weber, dessen Kisten Nitsche gerade auspackt. Kennengelernt haben sich beide auf einer Weinmesse in Radebeul, erzählt er. Er sei auf der Suche nach einem regionalen Schaumwein gewesen, der sein Angebot ergänzt.

Hendrik Weber lässt seinen Sektflaschen viel Zeit bei der Reifung.
Weber produziert seine Sekte in traditioneller Flaschengärung. Die Trauben wachsen am Kapitelberg bei Meißen. Bis aus ihnen ein fertiger Sekt wird, vergehen oft Jahre. „Wenn wir eine Sorte ernten, kommt die meistens erst drei bis sechs Jahre später auf den Markt“, erklärt der Winzer. Manche Flaschen lagern sogar deutlich länger auf der Hefe. Genau diese Leidenschaft und das handwerkliche Können seien es, die Nitsche bei der Auswahl seiner Weine und Sekte suche.

Zwei Weinkenner beim Fachsimpeln. Der persönliche Bezug zum Hersteller sei für ihn entscheidend, sagt Nitsche.
Die Leute kommen zum Weinberg zurück.
Hendrik Weber
Von der Zusammenarbeit profitieren beide Seiten. Gäste entdecken neue Weine und Sekte in der Dresdner Bar und besuchen später die Weingüter, sagt Nitsche. „Die Leute kommen dann zurück und sagen: Mensch, der hat geschmeckt“, berichtet der Winzer. Die Leute kommen zum Weinberg zurück.

Viel Anbaufläche hat das Perlgut nicht, aber der Schaumwein wird immer beliebter, sagt Winzer Weber.
Auszeichnungen sind nicht alles
Trotz des internationalen Erfolgs will Nitsche die Auszeichnung nicht überbewerten. Der frisch ausgepackte Sekt ist nicht zum Feiern da. „Das Wichtige“, sagt er, „ist die Weinbar und nicht irgendwelche Preise.“ Der „Gold Star“ sei vor allem eine Bestätigung für das, was die Weinkulturbar seit Jahren ausmacht: Leidenschaft für Wein und die Geschichten dahinter.