Bielefeld. „Kuchen macht nicht dick, er zieht nur die Falten glatt“ oder: „Kuchenstücke unter 300 Gramm sind Kekse“. Sprüche wie diese lassen Fans der süßen Sünden schmunzeln. Beim Betreten der Bäckerei Sundermann fallen weitere Details ins Auge, die selten in Bäckereien zu finden sind. So gibt es etwa eine Theke, die mit verschiedenen Aufschnitt- und Käsesorten bestückt ist. „Die Brötchen belegen wir hier immer frisch“, sagt Claudia Sundermann. Einfach die Lieblingswurst aussuchen, dann geht es ganz schnell. Brötchen, die über Stunden in einer Auslage auf ihre Liebhaber warten, sind für das Frauenteam keine Option.

Zwar ist das Geschäft erst 1992 eröffnet worden, eine Institution ist es trotzdem schon lange. In Bielefeld gibt es lediglich drei Bäckereien mit nur einem Ladengeschäft – Sundermann, Stenner und Pörschke. An der Braker Straße war zu Beginn noch eine große Produktpalette erhältlich – vom Waschpulver über Gemüse bis hin zu Konserven. Eine Art Tante Emma-Laden mit angeschlossener Bäckerei gehörte zum Konzept. Jetzt konzentriert sich die Chefin mit ihren Angestellten, zu denen auch eine Auszubildende gehört, neben Kuchen auf 40 Brotsorten und zahlreiche Brötchenangebote.

Eine Spezialität sind die mit Käse, Schinken und Wurst gefüllten Croissants, die genau wie die Kuchenstücke in XXL-Größe erhältlich sind. Was man ebenfalls kaum noch in Bäckereien findet – bei Sundermann gibt es noch selbst hergestellte Tortenböden aus Mürbeteig, die garantiert nicht durchweichen. 2012 stand Claudia Sundermann vor der Frage, ob sie die Bäckerei in Eigenregie weiterführen kann. Ihr Mann, ein Konditor- und Bäckermeister, war gestorben.

Mehl aus der Milser Mühle


Bäckerei und Treffpunkt an der Braker Straße. - © M. Müller

Bäckerei und Treffpunkt an der Braker Straße.
| © M. Müller

Schützenhilfe erhielt sie von Stefanie Menzel, die bereits über Jahre in der Backstube gestanden hatte. Für die Brote verwendet sie Mehl aus der Milser Mühle, dazu Leinsaat und Sonnenblumenkerne von Landwirten aus der Umgebung. Der Sauerteig bleibt über Nacht liegen. „Dann ist er bekömmlicher“, sagt die Frühaufsteherin, die in Spenge wohnt. „Bei uns bleibt nichts übrig, weggeschmissen wird garantiert nichts“, versichert Claudia Sundermann, die unter anderem das Kinder- und Jugendhaus im Stadtteil unterstützt.

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Es gibt viele Kooperationspartner, wie auch die Kaffeewelt Eisbrenner. Der Bielefeld-Kaffee ist im Laden erhältlich, auch Braker Honig. Die 63-Jährige sieht viele Vorteile darin, nicht zu den Filialisten zu gehören und nur ein Ladengeschäft zu haben: „Ich kann flexibler auf Kundenwünsche reagieren und produziere nur eine gewisse Menge.“ Dass die persönliche Ansprache in dem urigen Laden großgeschrieben wird, fällt schon bei einem kurzen Aufenthalt dort auf. „Hallöchen. Ich nehme wieder drei Sovital-Schrot“, sagt ein älterer Herr.

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Eine Nachbarin bestellt ein Käsebrötchen und sucht sich ihre Sorte hinter der Theke aus. Verlockend sieht auch der gedeckte Apfelkuchen aus. „Der ist sehr beliebt, weil er ohne Rosinen ist“, sagt Mitarbeiterin Andrea Bierkandt. Außerdem sieht man nur noch selten Stücke in dieser Größe.

Hagelzuckerbrötchen, Apfelkuchen und Plundergebäck

Und wenn es plötzlich anfangen sollte, zu regnen, ist das auch kein Problem, denn im Geschäft stehen Schirme bereit. „Gerne leihen wir Ihnen einen Schirm, den Sie uns bei Ihrem nächsten Besuch wieder zurückbringen können. Er ist für sie kostenlos“, heißt es auf einem Zettel. „Das ist eine Initiative der Braker Kaufmannschaft“, sagt die Chefin, die mit vielen Vereinen im Ort vernetzt ist.


Stefanie Menzel füllt das Mehl ab, das die Milser Mühle liefert. - © M. Müller

Stefanie Menzel füllt das Mehl ab, das die Milser Mühle liefert.
| © M. Müller

In der Backstube hat die gebürtige Südafrikanerin Kris du Toit in Kürze Feierabend. Sie lässt sich zur Bäckerin ausbilden. „Ich bin kein Büromensch und wollte schon immer was mit den Händen machen“, sagt die 30-Jährige. Jeder Tag bringe etwas Neues. Gerade habe sie Hagelzuckerbrötchen und Plunderteiggebäck gemacht. Um 6 Uhr fange ihr Arbeitstag an, kein Problem für Kris. Stefanie Menzel muss bereits um 2 Uhr am Backofen stehen: „Wir öffnen ja schon um 6 Uhr.“

Für sie sei es „ideal“, die körperliche Belastung gleiche sie mit Kampfsport aus. Schließlich werde das Mehl in 25-Kilo-Säcken angeliefert. Davon stapeln sich einige in der Backstube.

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