Bielefeld. Ein Praktikum in den Ferien? Die meisten Schülerinnen und Schüler werden dankend abwinken. Aber was, wenn man ohne großes Gedöns an die passenden Firmen kommen könnte, quasi im Speeddating-Modus vom Sofa aus? Und damit vielleicht einen kleinen Einblick gewinnt, wie es nach der Schulzeit weitergehen könnte. In den Sommerferien gab es dazu wieder Gelegenheit: bei den „Praktikumswochen NRW“. Ein Format, das aus Sicht des bekannten Bielefelder Gastronoms Silvio Eberlein noch viel zu unbekannt ist.

Er ist bereits im zweiten Jahr mit seinem Gasthaus Buschkamp und der Auberge le Concarneau in Bielefeld-Senne mit dabei. Allein in den nun zu Ende gehenden Ferien hat er zehn jungen Leuten die Möglichkeit gegeben, in die Küche seiner Spitzengastronomie und in den Restaurant-Service hineinzuschnuppern. Eberlein lobt das Modellprojekt und das Portal, das Betriebe und motivierte Jugendliche ab 15 Jahren ganz einfach, mit niedriger Hemmschwelle, zusammenbringt.

So wie den 17-jährigen Ruben Kotthoff, Oberstufenschüler des Max-Planck-Gymnasiums. In der Schule sei das Schnupperangebot vorgestellt worden. Er kommt nach den Ferien in die Jahrgangsstufe 12, hat also noch Zeit, aber auch noch keine so richtige Ahnung, was danach kommen soll. Ein Studium muss es nach seinen Worten aber nicht unbedingt sein.

Nur wenige Angaben im Portal verhelfen zum Praktikumsbetrieb


Sie werben für das Modellprojekt "Praktikumswochen": Regina Ester (Rege, v. l.), Schüler Ruben Kotthoff, Gastronom Silvio Eberlein, Julia Kleemann (Rege) und Ute Horstkötter-Starke (IHK). - © Peter Unger

Sie werben für das Modellprojekt „Praktikumswochen“: Regina Ester (Rege, v. l.), Schüler Ruben Kotthoff, Gastronom Silvio Eberlein, Julia Kleemann (Rege) und Ute Horstkötter-Starke (IHK).
| © Peter Unger

Also hat er sich angemeldet, einige Berufsfelder angegeben, den Radius, in dem die Betriebe liegen sollten, damit er sie noch gut erreichen kann, den Zeitraum, wann er Lust hat, dazu noch ein bisschen was über seine Interessen und seine Motivation geschrieben. Und zack, hatte das System ihn mit Betrieben gematcht, die zu seinen Wünschen passen.

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Silvio Eberleins Angebot findet sich in der Rubrik „Lebensmittelherstellung und Verkauf“. Ruben hat jetzt vier Praktikumstage in zwei verschiedenen Bereichen angenommen. Nach dem Probetag im Gasthaus Buschkamp ist er unter anderem auch noch bei Eberleins Gastrokollegen im „Tomatissimo“. „Ich könnte mir durchaus Berufe wie Koch, Konditor oder Bäcker vorstellen“, sagt der 17-Jährige.

„Das Handwerk kann wenigstens nicht von der KI ersetzt werden“, meint der junge Mann. Sicher ein Punkt, aber darüber solle er sich zu viel Gedanken machen, betont Ute Horstkötter-Starke, Geschäftsführerin Berufliche Bildung der IHK Ostwestfalen. „Es wird noch genug Arbeit übrig bleiben“, so ihre Einschätzung.

Praktikanten sollen mitmachen dürfen, nicht nur zugucken

Sechs Stunden nehmen sich Eberlein und sein Team an diesem Mittwoch Zeit, Ruben Einblicke in den Beruf des Kochs zu geben. Dabei kann er auch mittun, nicht nur zugucken. Für den Restaurant-Inhaber ein ganz wesentlicher Punkt. Er bildet bereits seit Jahrzehnten aus und weiß, wovon er spricht.

Nach seiner Erfahrung haben die Jugendliche in den vergangenen Jahren immer weniger Wissen darüber, wie einzelne Berufsbilder aussehen und was diese mit sich bringen. Darum gibt es für Ruben eine Mappe, in der die Basics über Gastro, Küche und notwendigem Teamgeist später noch einmal in Ruhe nachzulesen sind, ebenso die Grundbegriffe des Metiers, die überwiegend in Französisch sind.

„Ja, das kostet Arbeit, Zeit und Vorbereitung“, räumt Eberlein ein. Aber es sei eine gute Gelegenheit, junge Menschen für die Arbeit in der Küche und im Service zu begeistern. Darum hat er auch gerade bei einem Treffen der Dehoga, des Dachverbandes des Hotel- und Gaststättengewerbes, für die „Praktikumswochen NRW“ geworben.

Berufsorientierung in allen Ferien das ganze Jahr über

Die Möglichkeit der Berufsorientierung besteht dabei nicht nur im Sommer, sondern in allen Ferienzeiten, betont Julia Kleemann, Mitarbeiterin der Rege, der Regionalen Personalentwicklungsgesellschaft. Und die jungen Leute könnten bei Betrieben in ganz NRW reinschnuppern. Von einem bis fünf Tagen ist alles möglich – flexibel angepasst. Finanziert wird das dreijährige Modellprojekt, hinter dem ein breites Netzwerk steht, vom NRW-Wirtschaftsministerium.

In Bielefeld haben sich in diesem Sommerferien 75 Jugendliche für ein Praktikum interessiert. Zehn Unternehmen haben mitgemacht. Wegen der überschaubaren Zahl sind letztlich nur 22 Matches zustande gekommen. Deshalb würden sich die Organisatoren freuen, wenn die Ferien-Praktikumswochen bei den Betrieben auf noch mehr Interesse stoßen würde. Die Kurzpraktika könnten schließlich auch den Grundstein für ein längeres Praktikum oder sogar eine Ausbildung legen, unterstreicht Kleemann.

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