S-Bahn, Bahnlinie, Linienverkehr, Regionalbahn, ÖPNV, Gleise am Hauptbahnhof Dresden, Sachsen, Deutschland.

AUDIO: Trassenpreisbremse: Sachsen-Anhalt und Thüringen streichen keine Verbindungen – vorerst (3 Min)

Regionalverkehr

Stand: 07.10.2026 05:00 Uhr

Bahnreisende im Regionalverkehr in Sachsen müssen sich darauf einstellen, dass es ab dem Fahrplanwechsel im Dezember weniger Verbindungen gibt. Hintergrund ist die sogenannte Trassenpreisbremse, die bisher per Gesetz galt. Der Europäische Gerichtshof hat sie im Frühjahr für rechtswidrig erklärt. Dadurch steigen die Kosten im Personennahverkehr auf der Schiene. In Sachsen-Anhalt und Thüringen sind vorerst keine Streichungen geplant – dort hofft man auf eine Lösung des Bundes.

von Uta Georgi, MDR AKTUELL

Ein Handy liegt auf einer Laptoptastatur. Das Display zeigt das Google Logo

Nachrichten personalisieren

Trassenpreisbremse – ein sperriges Wort – aber: Für Bahnreisende im Nahverkehr bedeutete das bisher: Per Gesetz wurde dieser Kostenfaktor stabil gehalten.

Trassenpreisbremse

Für die Benutzung der Schienen müssen die regionalen Verkehrsbetriebe an den Netzbetreiber, die Deutsche Bahn, eine Nutzungsgebühr zahlen, den sogenannten Trassenpreis. Dieser Preis wurde vom Bund finanziell gestützt, also gebremst.

Sachsen-Anhalt zahlt Mehrkosten vorerst aus Rücklagen

Trotz der nun wegfallenden Trassenpreisbremse soll es in Sachsen-Anhalt vorerst keine Einschränkungen geben. Das teilt die zuständige Nahverkehrsgesellschaft mit. Geschäftsführer Peter Panitz schreibt dazu auf Anfrage: „Wir planen aktuell keine Streichungen, weil wir noch davon ausgehen, dass der Bund eine Lösung findet. Die Nachforderungen begleichen wir aktuell aus Rücklagen, die uns aber perspektivisch in den nächsten Jahren fehlen werden.“

Video:
Deine S‑Bahn fällt weg: Warum in Sachsen Züge gestrichen werden (1 Min)

Thüringen: Bisher keine Folgen für Fahrgäste

Auch in Thüringen sollen vorerst keine Verbindungen gestrichen werden, um die Ticketpreise stabil zu halten. Hier im Freistaat ist der VMT, der Verkehrsverbund Mittelthüringen, für den gesamten Regionalverkehr auf der Schiene zuständig. VMT-Geschäftsführer Sascha Georgy sagt: „Aktuell gibt es da aus unserer Sicht im Rahmen der Trassenpreisbremse noch keinen Effekt für unsere Fahrgäste zu verzeichnen. Wir haben bisher weder von Abbestellungen noch von irgendwelchen Preismaßnahmen, die auf Basis der gestiegenen Trassenpreise anzustreben sind, bisher Informationen erhalten vom Land Thüringen. Entsprechend gibt es dort auch noch keine Maßnahmen, die unsererseits im Rahmen des Verkehrsverbundes Mittelthüringen ergriffen werden müssen.“

Die Lage ist also unterschiedlich in Mitteldeutschland, denn jedes Bundesland trägt selbst die finanzielle Verantwortung für den Regionalverkehr auf der Schiene, auch wenn der Bund mit Geld unterstützt. Trotzdem, so VMT-Geschäftsführer Sascha Georgy: „Es ist natürlich immer eine individuelle Situation, wie eng die Haushaltspläne gestrickt sind, wie viele Mittel dort verfügbar sind und wie sehr sich diese Kosten der Trassenpreise dort auch auswirken auf aktuell laufende Verträge.“

Für Thüringen bedeutet das mit Blick auf die Fahrpläne der nächsten Wochen und Monate: „Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen, dass wir ab Januar bereits mit irgendwelchen Kürzungen umgehen müssen. Dafür sind im Moment keine Signale im Land erkennbar und das müsste auch langfristig vorbereitet werden.“

Länder hoffen auf mehr Geld vom Bund

Derzeit hoffen die Länder noch, dass der Bund mehr Mittel bereitstellt, um die steigenden Trassenpreise abzufedern. Passiert das nicht, so rechnet auch Sachsen-Anhalt mit Veränderungen. Dazu teilt der Geschäftsführer Peter Panitz schriftlich mit: „Kommt es zu keiner Lösung, muss das Land Sachsen-Anhalt spätestens zum Jahresfahrplan 2028, also Ende des Jahres 2027, Kürzungen vorbereiten, weil die verfügbaren Mittel dann nicht mehr ausreichen, um die bestellten Leistungen zu finanzieren.“

Sachsens Verkehrsministerin Regina Kraushaar hat das Problem ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Sie will sich am Donnerstag mit dem Bundesverkehrsminister treffen, um das Thema zu besprechen.